So etwas Dummes aber auch, ich konnte heute zum wiederholten Mal nicht schlafen ...

in Steem Germany10 months ago

... und bin schon seit 4 Uhr wieder wach. Ich muss wiederholt darüber nachdenken, und es geht mir doch sehr nahe. Ich habe erfahren, wie in einem anderen Beitrag schon mitgeteilt, dass ein Mitglied meiner Community, jemand, den ich virtuell einige Jahre kenne, erst nach einigen Tagen tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. Diese Dame, mit der ich gelegentlich ein paar Zeilen gewechselt und der ich schon zweimal ein Lebensmittelpaket geschickt habe, musste auf eine solche traurige Art und Weise sterben.

Ich wusste durch Gespräche, dass sie niemanden mehr hatte. Sie hatte keine Kinder, ihr Mann war schon vor Jahren gestorben, und durch Krankheit konnte sie nur noch selten die Wohnung verlassen. Auch psychisch kämpfte sie mit den ein oder anderen Dämonen. So alt war sie eigentlich nicht, ich schätze, dass sie ca. 65 Jahre alt war.

65 Jahre sind heutzutage kein Alter mehr, in Zeiten, wo die medizinische Versorgung dafür sorgt, dass Menschen auch mit 80 oder 90 noch aktiv am Leben teilnehmen können. Leider gibt es auch die andere Seite: immer mehr Menschen werden depressiv und vereinsamen vollkommen, verlieren den Kontakt zur Außenwelt. Das wurde durch die Kommentare in verschiedenen Communitys über Gisela wieder bestätigt; es gab Hunderte Kommentare von Mitgliedern mit ähnlichem Schicksal oder von Betreuern aus der Altenpflege, die bestätigen, dass solche Fälle fast die Regel sind.

Eingesetzte Betreuer kümmern sich oft um bis zu 70 Leute gleichzeitig, und das sind nicht einfach nur Pflegedienste, sondern Personen, die für die Finanzen und den Kontakt zu Behörden verantwortlich sind. Viele, denen es nicht gut geht, haben nicht einmal eine Pflegestufe beantragt, sodass kein Pflegedienst zu ihnen kommt. Sicherlich gibt es Angebote, die jemanden vorbeischicken, um einzukaufen, aber das setzt voraus, dass sich jemand meldet, wenn er merkt, dass der Nachbar Hilfe braucht.
Hier liegt das große Problem: die Gesellschaft wird immer egoistischer, und viele schauen nicht mehr nach links oder rechts. Das darf nicht sein, denn niemand ist vor einem solchen Schicksal gefeit. Wenn man sieht, dass in der Nachbarschaft jemand nicht mehr in der Lage ist, regelmäßig einzukaufen, sollte jedem klar sein, dass auch er eines Tages in diese Lage kommen könnte.

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Die Gesellschaft definiert sich durch ihre Bürger. Klar ist der Staat gefragt, aber letztendlich liegt es auch an jedem von uns selbst. Die großen Familienverbände, die sich umeinander kümmern, gibt es kaum noch. Immer mehr Menschen leben allein, und die Einsamkeit nimmt zu. Wenn immer mehr Leute glauben, sie können nichts tun, wird die Zukunft eines sozialen Miteinanders immer unsicherer.

Ich veröffentliche solche Beiträge, um Menschen einen kleinen Stupser zu geben, wieder sozialer miteinander umzugehen und auch Fremden gegenüber hilfsbereit zu sein. Jeder kann helfen, indem er ein nettes Wort spricht oder einfach mal ein bisschen Licht ins Leben anderer bringt.

Solche Beiträge bekommen meist viele Likes und Kommentare, aber wenn ich dann wieder Nachrichten über einsame Menschen höre, macht es mich einfach nur traurig. Ich mache mir Gedanken, und solche Erlebnisse bleiben mir im Kopf. Bald werde ich 60, bin gesundheitlich angeschlagen, auch wenn ich momentan Glück habe. Aber möglicherweise werde ich eines Tages selbst ein Pflegefall.

Was kann ich als Einzelperson tun? Klar könnte ich einen weiteren Verein gründen, aber ich bin bereits überfordert mit den Projekten, die ich ins Leben gerufen habe. Ich vernachlässige mittlerweile meine kleine Schmuckmanufaktur, die mir meinen Lebensunterhalt sichert. Ich möchte viel mehr anderen helfen, aber es wird immer schwieriger, nicht nur, dass mir die Zeit immer knapper wird, sondern auch, mit den Nachrichten umzugehen und sie zu verarbeiten.

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