Berlin-Blackout: Wie aus der Vulkangruppe plötzlich „Putins Hybridkrieg“ gemacht wird

in #deutsch19 days ago

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Der Berliner Blackout hat vieles offengelegt – vor allem eines: Wie weit manche bereit sind zu gehen, um linksextremen Terror nicht beim Namen zu nennen.

Dabei ist die Faktenlage eigentlich erstaunlich klar.

Es gibt ein authentisches Bekennerschreiben der seit Jahren bekannten linksextremen „Vulkangruppe“. Die Tatmuster passen. Die Ideologie passt. Die Gruppe ist seit 2011 aktiv. Und selbst Behörden sowie Berlins Bürgermeister sprechen offen von linksextrem motivierter Brandstiftung.

Und trotzdem erleben wir nun etwas anderes: abstruse Ablenkungsmanöver.

Wenn Rechtschreibfehler plötzlich Geopolitik ersetzen

Ein besonders illustratives Beispiel liefert unter anderem Stefan Krauter mit folgender These:

Die Hinweise im Bekennerschreiben mehren sich, dass es sich um eine russische Operation gehandelt habe: Aus dem US-Vizepräsidenten Vance wird „Vans“, was der kyrillischen Übersetzung entspreche. Zudem werde Argentiniens Präsident Milei als „Miley“ geschrieben. Linke Politaktivisten machten solche Fehler nicht.

Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen.

Zwei falsch geschriebene Namen – Vance → Vans, Milei → Miley – sollen nun als Beweis für eine russische Geheimdienstoperation herhalten.

Das ist keine Analyse mehr. Das ist kognitive Akrobatik.

Realität schlägt Wunschdenken

Ein kurzer Realitätscheck:

  • Vans ist eine weltweit bekannte Schuhmarke
  • Miley ist eine der bekanntesten Popkultur-Referenzen der letzten 15 Jahre

Dass politisch untergebildete Aktivisten Namen falsch schreiben oder auf vertraute Begriffe zurückgreifen, ist kein „GRU-Fingerabdruck“, sondern schlicht Alltag.

Mangelnde Bildung ist tatsächlich ein Problem – aber sie ist kein Beweis für russische Geheimdienststeuerung.

Die unbequeme Frage

Wenn man diese These ernst nähme, müsste Folgendes zutreffen:

  • Eine russische Geheimdienstzelle agiert seit über 11 Jahren in Deutschland
  • Sie verübt wiederholt Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur
  • Sie veröffentlicht Bekennerschreiben auf linksextremen Plattformen
  • Sie tarnt sich ideologisch als radikale Klima-Szene
  • Und bleibt dabei für US-Dienste und NATO-Partner unsichtbar

Wer das glaubt, muss entweder annehmen, dass die US-Intelligence (NSA, CIA, DIA) kollektiv schläft – oder dass eine GRU-Zelle unsichtbarer ist als jedes bekannte Terrornetzwerk weltweit.

Beides ist realitätsfern.

Wie westliche Nachrichtendienste tatsächlich arbeiten

Die USA sind nicht dafür bekannt, russische hybride Kriegsführung zu übersehen. Solche Aktivitäten werden global getrackt, innerhalb der Five Eyes geteilt und an enge Partner wie Deutschland weitergegeben.

Wenn es echte russische Fingerabdrücke gäbe – etwa:

  • bekannte GRU-Akteure
  • Kommunikationsmuster aus früheren Sabotagefällen (Baltikum, Nord Stream)
  • technische Spuren russischer Infrastruktur

dann wäre das längst zumindest über „anonyme Sicherheitskreise“ durchgesickert.

Doch genau das ist nicht passiert.

Was seriöse Medien tatsächlich berichten

Reuters, BBC, Guardian, Politico, Deutsche Welle, Tagesschau – sie alle berichten übereinstimmend:

  • linksextreme Täter
  • authentisches Bekennerschreiben
  • konsistentes Muster seit 2011

Frühe Russland-Spekulationen am ersten Tag sind schnell verpufft – aus einem simplen Grund: Es gab keine Belege.

Selbst deutsche Behörden, Staatsanwaltschaften und Berlins Bürgermeister sprechen von linkem Terror bzw. Brandstiftung, nicht von Hybridkrieg.

Warum also diese Ablenkung?

Die Antwort ist unangenehm, aber naheliegend.

Weil es politisch schmerzt einzugestehen, dass Deutschland seit über einem Jahrzehnt mit linksextremem Infrastrukturterror lebt – der weder konsequent verfolgt noch effektiv aufgeklärt wird.

Bis heute gilt:

Kein einziges Mitglied der Vulkangruppe ist offiziell identifiziert.

Nicht nach einem Jahr. Nicht nach fünf. Nicht nach elf.

Das ist erklärbar – aber nicht mit fehlenden Fähigkeiten.

Sondern nur mit fehlendem politischen Willen.

Nennen wir es beim Namen

Die Konstruktion eines russischen Hintergrunds wirkt daher weniger wie Analyse und mehr wie der billigste Versuch, von linkem Terror abzulenken.

Man darf das tun. Es ist eine freie Entscheidung.

Aber man sollte sich dann nicht wundern, wenn es zunehmend lächerlich wirkt.

Denn wer aus Vance → Vans und Milei → Miley eine GRU-Operation bastelt, entlarvt keine Agenten – sondern sich selbst.

#TeamFreiheit

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Ein fettes DANKE an @Anjalein

Ich wollte eigentlich reflexartig schreiben:
„Berlin-Blackout: Wie aus Linkem Terror plötzlich ‚Putins Hybridkrieg‘ gemacht wird“

Aber dann fiel mir dein Kommentar ein – und ich dachte: Nee, sie hatte recht. Man muss präzise differenzieren und genau benennen, wer gemeint ist (Vulkangruppe/linksextreme Szene), nicht pauschal „linke“.

Dein Hinweis hatte echt Impact, war keine vergebene Mühe. Hat gefruchtet!

Fühl dich fest gedrückt

Nach so langer Zeit ist niemand aus dieser Gruppe identifiziert
Stellt euch vor es gäbe eine deutschlandweite Organisation namens Antifa, die für jeden Links-Aktivismus verantwortlich wäre.. Dieser Fall zeigt, dass Aktivismus, bzw. Extremismus vielfältig ist und es weder Rechts noch Links landeseinheitliche Gruppen geben kann.
Es wird immer wieder behauptet, dass Linksextreme von der Justiz geschützt werden. Woher kommt das? Die Polizei fâhrt an Tatorte und bekommt dann einen Befehl von oben, dass sie die Ermittlungen bremsen sollen, weil die Täter Linksextremisten sind? Kaum zu glauben, hm