Abilify: Von einem Extrem ins AnderesteemCreated with Sketch.

in Deutsch Unplugged3 days ago

Herzliches Hallo zusammen,

gestern war ein extremer Tag für mich, wodurch ich wiedermal viel über mich/meine Umstände lernen konnte. Was sonst immer als "zu viel Kaffee" abgetan wurde stellte sich plötzlich ganz anders dar.

Das Abilify, ich nehme es jetzt seit etwa 8 Jahren, mehr oder weniger immer 10mg am Morgen. Ich bekam es gegen mein damaliges Gedankenrasen, als ich meist alleine zu Hause war, während das Trauma hochkam und dann in meinen Gedanken blieb. Immer mehr, immer schneller drehten sich meine Gedanken um dieses.

Gleichzeitig fing ich mit dem Kiffen an und bemerkte, dass eine Tüte Wunder bewirkte und diese Gedanken für eine Zeit lang abschaltete. Und später bekam ich eben das Abilify hierzu. Etwas zu spät, denn ich war schon psychisch abhängig vom Gras.

Das Abilify ist ein Dopamin-Modulator. Sprich ist zu wenig Dopamin da, dann steigert es das, ist zuviel vorhanden, dann wird es gebremst. Meistens sollte es aktivierend wirken, bei mir wirkt es sedieren. Aber extrem: Tägliche Gesamt-Schlafenszeiten von >18h waren keine Seltenheit bei mir in den ersten Monaten!

Und eben zu dieser extremen Sedierung kommt ab und an ein Tag der ins andere Extrem geht: Totale Hyperaktivität! Meistens bin ich eher gedämpft, an Wochenenden nach dem Mittagessen so sehr, dass ich den ganzen Nachmittag über schlafen könnte. Auch wenn ich ein Nickerchen mache, während der Kleine eines macht, wenn er auf ist und ich geweckt werde, bin ich noch total benebelt und könnte noch eben den gesamten Nachmittag schlafen... An manchen Tagen bin ich so gedämpft, dass ich 8 Kaffee trinke und trotzdem noch total schlapp bin bei der Arbeit.

Und dann gibt es Tage wie gestern: Insgesamt 5 Kaffee und die Wirkung kippte! Ich war plötzlich hyperaktiv! Angefangen in den Gedanken: Das könnte ich machen und dies und das würde ich auch gerne irgendwann weitermachen! So viele Gedanken, soviel Tatendrang und plötzlich bin ich blockiert, weil ich total überfordert mit dem Ganzen bin! Ich schaffe plötzlich nichts mehr... Dafür kommt jetzt das Körperliche: Ich werde nervös! Ich sitze da, kann nichts machen wegen der Blockade, aber ich will was machen, kann es aber nicht weil ich blokciert bin. Es ist zum aus der Haut fahren, wortwörtlich! Am liebsten würde ich meinen Körper verlassen können, weil ich es nicht mehr aushalte. Würde ich dann noch einen weiteren Kaffee trinken, dann heißt es nicht mehr SpaceX das erste Weltraumunternehmen auf dem Mars. Dann fliege ich nämlich zu erst auf den Mars! Ganz ohne Rakete ;)

Dieses blockierte hyperaktive hält dann einige Stunden an. Anschließend ist es nicht eine Zeitspanne, wo man noch etwas aktiv ist und man etwas im Haushalt erledigen kann. Dieses kleine Zeitfenster gibt es nicht. Es geht von 1100% direkt runter auf -10%. Es ist ähnlich wie Ecstasy: Zu erst nichts. Dann kommt die Wirkung. Man ist gut drauf. Alles ist so toll. Und plötzlich fällt man in ein Loch. Es ist nicht mehr so toll. Es ist plötzlich alles scheiße. Gut, Ecstasy kannst du dann wieder nachlegen. Bei dieser Hyperaktivität willst du nicht mehr nachlegen, du willst keinen Kaffee trinken, weil du Angst hast, dass es wieder ins Extreme kippt!

Und das Nachbeben hält bis heute an: Mein Magen ist immernoch übel, schon besser wie direkt nach dem Aufstehen, aber trotzdem merke ich noch etwas. Und mein Kopf war total ausgebrannt. Seit etwa einer Stunde läuft der wieder normal, glücklicherweise. Aber ey... Das ist sooo schlimm diese Hyperaktivität...

Ich versuche jetzt mal den Rat meiner Psychiaterin anzunehmen und das Abilify abends einzunehmen. Mal sehen, ob es dann besser geht und sonst weiß ich nicht, was ich machen soll... Aber vielleicht hilft das Ändern des Einnahmezeitpunkts auch schon etwas ;)

Beste Grüße,
@dissi

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Bei allem, was Du über Deine Baustellen schon geschrieben hast, wäre mein Tipp immer: vier Wochen Detoxen. Unter strikter ärztlicher Überwachung weg von allem, was als Stimulanz wirkt. Keine Medis, kein Kaffee, keine Mucke, kein gar nix. Finde Dich selber wieder, Du bist doch mehr als ein chemischer Cocktail!

 3 days ago 

Da hast du vermutlich recht, nur aprubt weg vom Abilify ist eher keine Option, sollte man ausschleichen. Und Musik, ohje, das überlebe ich nicht^^ aber ich habe heute sehr auf den Kaffeekonsum geachtet: Eine Tasse morgens einen Espresso nach dem Mittagessen und gut, 2 kleine Tassen bei meiner Oma, die Zweite hätte ich evtl. weglassen sollen, daran dachte ich in dem Moment nicht... Aber immerhin bei der Arbeit den in der Früh weggelassen und dafür ein Glas Wasser getrunken, da ich zu Hause keines trank vor dem Starten, weil ich keine Tablette nahm ;) Die habe ich jetzt am Abend genommen. Ich versuchs mal damit, das hat auch meine Psychiaterin gemeint, dass ich sie evtl. mal abends nehmen solle statt morgens :)