Architektonisches Unikat / A unique architectural gem
english below:
Das Wetter war so mittelprächtig, die Laune allerdings ausgesprochen sonnig… Für den Montag hatten wir uns vorgenommen, einige Bäumchen zu erwerben, die als künftige Obst- und Schattenspender unseren Garten zieren sollen. Moment – wißt Ihr überhaupt, daß @ty-ty es geschafft hat, seinem tatsächlichen Ruhestand etwas näher zu kommen…? Seit Anfang des Jahres ist der Montag arbeitsfrei und wir sind sehr, sehr, also wirklich sehr zufrieden damit ;-))
Jedenfalls… Wir hatten eine Ecke zu fahren und beim Blick auf die Karte eröffnete sich mir die Gelegenheit, die Tour geringfügig zu erweitern und einen kleinen Ausflug daraus zu machen. Bereits im Winter sind wir über einen „Pegelturm an der Goitzsche“ gestolpert (rein virtuell ;-)) Ein architektonisches Wunderwerk, das wir sehr gerne betrachten und besteigen wollten. Nur eben nicht bei Minusgraden und Glatteis.
Gesagt, getan. Die von mir aktuell favorisierte Wetter-App (sie ist wirklich erstaunlich genau!) versprach uns Regen mit Lücken. Letztere wollten wir nutzen für die Erkundung eines uns bislang völlig unbekannten Gebietes. Zwischen Bitterfeld und Delitzsch gelegen findet man eine ganze Seenplatte, die es so vor nicht allzu langer Zeit noch gar nicht gab. Ehemalige Braunkohletagebaue wurden renaturiert, indem man sie geflutet hat und so ein dichtes Gewässernetz mit einer ganz eigenen Fauna schuf. Ich kannte solche Projekte schon aus Senftenberg und war neugierig, wie das nun hier umgesetzt wurde.
Bereits bei der Anreise wurde uns schnell klar, was eine Karte nur unzureichend vermittelt: das sind keine Tümpelteiche, sondern richtig große Seen mit Schifffahrt und allem Drum und Dran! Außerdem fuhren wir durch eine erfreulich intakte Wald- und Heidelandschaft. Wenig Siedlungsgebiet, vernünftige Straßen. Und dann kamen wir zum eigentlichen Baudenkmal.
Der „Pegelturm an der Goitzsche“ ist von der Konstruktion her weltweit der einzige seiner Art! Und das sieht so aus:
Als der Tagebau von den Bergleuten und ihrer Technik verlassen war, errichtete man eine Reihe Stelen aus Stahl, die im Boden mit Fundamenten fest verankert wurden. Sie stehen vom Ufer aus Richtung Mitte der Grube, 25 Stück an der Zahl. Die höchsten am Ende der Reihe sind 26 Meter hoch. Eine davon, etwas 190 Meter vom Rand der Grube, dem späteren Ufer, entfernt, wurde noch extra befestigt und bekam obenauf einen langen stählernen Pin montiert. Eine gigantische Stange. Über diese wurde dann, aufliegend auf Schwimmkörpern, eine offene Wendeltreppenkonstruktion – doppelläufig, etwa wie ein DNA-Strang ;-)) aus Stahl gestülpt.
Mit dem Fluten der Grube stieg dann langsam der Wasserpegel und durch die Schwimmkörper getragen auch der Turm, geführt vom Pin in seiner Mitte.Etliche Jahre später erreichte der See seinen maximalen Füllstand und der Turm seine Zielhöhe: 26 Meter (entspricht etwa einem achtstöckigen Haus). Er schwimmt seitdem dort, aufrecht gehalten wiederum von seinem Pin. Die Verbindung zum Ufer liefert eine Seebrücke, die zwischenzeitlich vom Orkan zerstört und wieder aufgebaut wurde.
Die Treppe ist offen, ohne Geländer, wie ich bereits schrieb; aus Sicherheitsgründen ist ein Stahlnetz über einen Großteil der Konstruktion gespannt, aber man hat natürlich das Gefühl, frei am Abgrund zu balancieren… Der Ausblick ist grandios! Es bestätigt sich, daß die Gegend unfaßbar schön ist. Diese Natur stammt zu 100% aus Menschenhand und ist (trotzdem ;-)) gelungen.
Ein anscheinend hochpreisiges Restaurant, ein gemütlich wirkendes Eiscafè, eine Liegewiese, Ferienhäuschen, Bootsverleih und die Anlegestelle eines traditionellen Segelschiffs, das für Rundfahrten zur Verfügung steht, laden saisonal sicher eine Menge Besucher ein. Eine weitere Sehenswürdigkeit in unmittelbarer Nachbarschaft ist Schloß Pouch, das immerhin seit dem Jahr 981 die Stellung hält. Aber das besichtigen wir beim nächsten Besuch ;-))
english version:
The weather was rather mediocre, but our spirits were decidedly sunny… We’d decided to buy a few saplings on Monday to adorn our garden as future fruit trees and shade providers. Hold on – did you even know that @ty-ty has managed to get a bit closer to his actual retirement…? Since the start of the year, Mondays have been work-free and we’re very, very, I mean really very happy about that ;-))
Anyway… We had a bit of a drive ahead of us and, looking at the map, I saw an opportunity to extend the trip slightly and turn it into a little excursion. Back in winter, we stumbled across a ‘Pegelturm an der Goitzsche’ / ‘water level tower on the Goitzsche’ (purely virtually ;-)) – an architectural marvel that we were very keen to see and climb. Just not in sub-zero temperatures and on black ice.
No sooner said than done. My current favourite weather app (it’s really amazingly accurate!) promised us rain with gaps. We wanted to use those gaps to explore an area that was completely unknown to us until now. Located between Bitterfeld and Delitzsch, there’s a whole lake district that didn’t even exist not so long ago. Former opencast lignite mines have been renaturalised by flooding them, thus creating a dense network of waterways with its own unique fauna. I was already familiar with such projects from Senftenberg and was curious to see how this had been implemented here.
Even as we were travelling there, it quickly became clear to us what a map fails to convey: these aren’t just little ponds, but proper large lakes with boat trips and all the trimmings! We also drove through a delightfully unspoilt landscape of woods and heathland. Few built-up areas, decent roads. And then we arrived at the actual architectural monument.
The ‘Pegelturm an der Goitzsche’ / ‘water level tower on the Goitzsche’ is the only structure of its kind in the world! And this is what it looks like:
Once the open-cast mine had been abandoned by the miners and their machinery, a series of steel steles were erected, firmly anchored in the ground with foundations. They stand from the shore towards the centre of the pit, 25 in number. The tallest ones at the end of the row are 26 metres high. One of them, some 190 metres from the edge of the pit – which later became the shore – was specially reinforced and fitted with a long steel pin at the top. A gigantic rod. An open spiral staircase structure – double-helix, much like a strand of DNA ;-)) – made of steel was then fitted over this, resting on floats.
As the pit filled with water, the water level rose slowly, and the tower, supported by the floats, was lifted by the pin at its centre. Several years later, the lake reached its maximum water level and the tower its intended height: 26 metres (roughly equivalent to an eight-storey building). It has been floating there ever since, held upright by its pin. A jetty provides the link to the shore; it was destroyed by a hurricane at one point and has since been rebuilt.
The staircase is open, without a railing, as I mentioned earlier; for safety reasons, a steel mesh is stretched across most of the structure, but of course you get the feeling of balancing freely over the abyss… The view is magnificent! It confirms that the area is incredibly beautiful. This landscape is 100% man-made and (despite that ;-)) a success.
An apparently upmarket restaurant, a cosy-looking ice cream parlour, a sunbathing lawn, holiday cottages, a boat hire service and the mooring for a traditional sailing ship, available for sightseeing trips, are sure to attract plenty of visitors in season. Another attraction in the immediate vicinity is Pouch Castle, which has stood the test of time since 981. But we’ll visit that on our next trip ;-))






Interessantes Objekt. Bei Pegelturm dachte ich jetzt an irgebdeine Funktion, aber sowas wie Pegelmessung oder -anzeige sind damit scheinbar nicht verbunden?
Aber als Aussichtsturm auf dem See ist der ja schon nicht verkehrt... gerade wenn man so Drittel-Ruheständler anziehen möchte ;-D
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Ah, ich gebe noch die 144 Stufen zu bedenken, die der couchtrainierte Durchschnittpensionär bei der Besteigung hinauf und wieder hinunter muß... Da kann schon 'mal die Puste wegbleiben ;-))
Nein, keine technische Funktion. Es ging beim Bau um ein Symbol für die Wandlung der Landschaft; für die umliegenden Orte, aus denen im leicht hügeligen Gebiet zunächst nichts davon sichtbar war, "wuchs" der Turm sozusagen mit steigendem Wasserstand langsam über die Sichtlinie...
Ein fruenldciher Orkan!
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Verdammt. Du hast meine Betonung nicht gelesen ;-)) Okay, hast mich erwischt.
Ich Dich auch ;-)))