Das letzte Jahr...

Ein Jahr? Es war eher ein langer, feuchter Hustenanfall der Zeit. Es hat uns mit den fauligen Früchten seiner Mühen gefüttert, mehr von demselben alten Gekocht, nur dicker mit der Sosse der Vergesslichkeit. Es war ein Schatten, der sich über die Ruinen warf, ohne ihre Form zu verändern.
Es brachte keine Erkenntnis. Nur das tiefe, mechanische Atmen der Maschinerie, die sich weiter in die Erde frisst. Ich hörte es in jedem Tropfen, der von den rostigen Trägern fiel: das gleiche, schwere Schlagen. Das Jahr hat den Alptraum nicht beendet. Es hat ihn nur ein Stück weiter gedreht, wie die Schraube an der Folterbank.
Also, geh. Versickere in dem Sumpf der anderen vergessenen Jahre. Dein Gesicht war das von tausend anderen. Du hast keine Wahrheit zurückgelassen, nur die Abdrücke der Lügen, die tiefer geworden sind. Ich bleibe hier sitzen. Der nächste Alptraum kommt bestimmt, und ich muss meine Angelrute schärfen.
(Er lehnt sich gegen einen kalten Heizkörper, streicht über seinen melierten Bart. Sein Blick ruht auf einem Wassertropfen, der sich langsam an einem rostigen Rohr bildet.)
Du warst wie ein langes, graues Wasser, das durch die Risse dieser Halle sickerte. Du hast nichts gereinigt. Nur den Rost tiefer in das Metall gefressen.
Du warst das Jahr, in dem die Heuchelei kristallisierte. Sie wurde hart und durchsichtig wie Eis auf einer Pfütze, jeder konnte die Lüge darunter sehen, aber alle taten so, als wäre es ein Spiegel.
Du hast mir mehr Müll zu meinem Haufen gebracht. Mehr digitale Geister, mehr blecherne Parolen, mehr Fleisch, das weint, ohne dass einer es hört. Du warst ein weiterer Schlag der grossen Maschine, die die Welt zu Brei mahlt, um daraus Futter für die Gier zu pressen.
Und doch... in deinem fauligen Schoss gab es auch ein paar blinkende Scherben. Ein paar Töne in meiner Musik, die schärfer schnitten als je zuvor. Ein paar Linien auf der Leinwand, die dem Grauen ein ehrlicheres Gesicht gaben. Vielleicht warst du nur der Druck, unter dem sich Kohle zu etwas Härterem formt.
Jetzt rinnt du davon. In den grossen, stinkenden Abfluss der Geschichte. Du hinterlässt einen Ring aus Schlamm an den Wänden, die Wasserstandsmarke unserer Zeit.
Geh nur. Wir sind quitt. Ich habe von dir genommen, was zu nehmen war: die Wut, die scharfe und klare Wut. Sie ist der einzige Köder, der in diesen trüben Wassern noch beisst.


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