Männer sind sooo naiv!

in #deutch2 months ago

Ich weiß nicht, warum wir Männer so ticken, aber wir haben dieses angeborene Urvertrauen in unsere eigenen Entscheidungen. Ein Mann kauft nichts, ohne zu wissen, wofür er es braucht. Ein Mann kauft nichts, ohne zu wissen, wie es funktioniert. Und ein Mann kauft vor allem kein Reinigungsgerät, ohne sicher zu sein, dass die Sache danach erledigt ist.

Ich also: Shark-Fleckenreiniger gekauft → Übergabe an die Freundin → Mission erfüllt. Dachte ich. Ich… naiver Idiot.

Der Sisalteppich — der Anfang vom Ende

Sie fängt an zu reinigen. Spray → schrubben → saugen.

Sie schaut in den Schmutzwassertank. Fast leer. Sie runzelt die Stirn.

„Hm… wahrscheinlich braucht der Teppich einfach MEHR Wasser.“

Und bevor ich irgendwas sagen kann, steht sie bereits im Bad, dreht den Hahn auf, und ich höre, wie ein Eimer sich langsam und bedrohlich füllt. Plätscher. Plätscher. Plätscher. Wie die Soundkulisse eines herannahenden Unglücks.

Ich google währenddessen – halb neugierig, halb misstrauisch – „Sisal nass reinigen“.

Die Ergebnisse:

  • „Sisal saugt Wasser auf wie ein Schwamm.“
  • „Wird wellig, verzieht sich, schimmelt.“
  • „Auf keinen Fall durchnässen!“

Ich starre auf den Bildschirm. Dann wandert mein Blick nach links. Auf mein Growzelt.

Es macht KLICK. Ein gefühlter Blitzschlag trifft mich:

Sisal + Wasser = Schwamm → Schwamm + Raum = Luftfeuchte über 70% → Luftfeuchte + letzte Blütewoche = BUDROT → BUDROT = GAU

Ich renne los wie ein Feuerwehrmann im Pyjama.

Der Rettungseinsatz im Bad

Sie steht da am Waschbecken, Eimer halb voll, bereit, den Sisalpokal der Verdammnis über den Teppich auszukippen.

Ich: „STOP! SCHATZ! WENN DU DAS MACHST, KANN ICH MEINE GANZE ERNTE WEGWERFEN! Luftfeuchte! 70%! BUDROT! Bitte nicht!“

Sie schaut mich an, dann aufs Growzelt, dann auf den Eimer.

„Oh… ja stimmt. Okay.“

Ich atme durch. Geschafft. Gerettet. Happy End. Dachte ich.

Zu früh gefreut – das Sofa muss jetzt „dran glauben“

Ich komme zurück ins Wohnzimmer, erleichtert, den Sisal-Teppich und meine Pflanzen vor dem sicheren Untergang bewahrt zu haben.

UND DANN!

Sie steht schon da, Shark in der Hand, vor dem Sofa. Und sagt:

„Da! Hier ist ein Fleck — den mach ich jetzt weg. Nur mal testen, vorher/nachher.“

Ich werde blass. Nicht, weil sie etwas Neues verursacht hätte — sondern weil ich sehe, wie groß dieser Fleck ist. Und wie viel Wasser sie dafür einzuplanen scheint.

In meinem Kopf laufen wieder Horror-Szenarien ab: feuchte Sofa-Polster → feuchte Raumluft → feuchte Blüten → feuchter Albtraum.

Ich sofort wieder im Notfallmodus: Handtücher, drücken, saugen, Föhn auf kalt. Der Shark läuft, meine Pulsuhr auch. Willkommen zurück im Live-Modus „Katastrophenprävention“.

Die männliche Naivität

Und da wurde es mir klar: Männer sind sooo naiv.

Wir glauben ernsthaft,

  • dass ein Gerät kaufen = Aufgabe erledigt bedeutet,
  • dass Frauen wissen, wie sie ihre Geräte bedienen wollen,
  • dass weniger Sprühen besser ist als alles fluten,
  • dass kein Haushaltgerät eine Beziehung gefährden kann,
  • dass ein Sisalteppich grenzenlos strapazierbar ist.

Wir sind romantische Vollidioten der Technik.

Meine Lehre des Tages: Nie wieder gehe ich davon aus, dass irgendjemand – außer Männern – etwas nicht erst DURCH BENUTZEN herausfinden möchte.

Ich liebe sie. Aber den Shark werde ich ab jetzt bewachen wie Gollum seinen Ring. Zumindest wenn ich nicht in der Veg-Phase bin...