Tiefgekühlter Bockmist
Vorweg gesagt: allen Schafen geht es gut! Die Kälte an sich macht ihnen jedenfalls nichts aus, sie tragen die besten Wintermäntel, die man sich denken kann. Dennoch - so idyllisch das Bild sich auch jeden Morgen darstellen mag - haben wir alle keine Lust mehr auf diesen langen, harten Winter. Wahrscheinlich sind es eher die Menschen, die leiden, aber echt jetzt: es ist genug!
Dieser Winter verursacht ziemlich harte Arbeit. Dreimal am Tag mussten bei Temperaturen von bis zu -14°C die Wasserbütten vom Eis freigehauen werden. Das frische Wasser kommt auf der Auen-Koppel nicht mehr aus der Leitung des direkt benachbarten Feuerwehrgerätehauses, da diese nach einem Rohrbruch abgestellt wurde. Froh und dankbar bin ich, den Schlüssel zum Gemeindehaus zu besitzen, denn dort können wir das Wasser in Gießkannen abfüllen und bei Raumtemperatur über Nacht stehen lassen. Ja, gäbe es eine Weltmeisterschaft im Gießkannenstemmen, hätte ich gute Chancen auf eine Erstplatzierung: etwa 80 Liter pro Tag müssen über ca. 200 Meter geschleppt werden. Und die Tiere haben Durst! So einen Durst. Sie saufen bei der trockenen Polarluft mehr als im Sommer!


Nein, die "armen" Schäfchen schlafen nicht im Stall. Sie könnten, wenn sie wollten. Sie wollen aber offensichtlich nicht. Der große Vorteil an dieser Wetterlage ist, dass wir immer sehen können, wo die Süßen geschlafen haben.
Dieses verstärkte Outdoor-Camping der Schafe bedeutet aber auch, dass sie draußen schietern. Grundsätzlich kein Thema, nun aber treten sie sich ihre eigenen tiefgefrorenen Köddel in die Klauenspalten. Die Tiere laufen wie auf Kieseln. Der ganze Clan humpelt, die Schafe können ihr Problem aber nicht selbst lösen, nicht wie Hunde ihre Pfoten putzen. Naja, die Tiere humpeln solange, bis wir ihnen die Köddel aus den Klauen gepult haben. Bis dahin aber ist es ein weiter Weg, weil Schafens sich nicht so gern fangen lässt.
Der winterliche Alltag scheint sehr eintönig zu sein. Die Spuren im Schnee weisen darauf hin, dass die Damen und Herren stets nur kurze (und immer dieselben) Wege auf sich nehmen: von der Heuraufe zum Wasser, vom Wasser zur Raufe, vereinzelte (abenteuerlustige?) Tiere gehen mal zum Stall, aber das war's dann auch. Energie sparen, bloß nicht zu viel bewegen!
Etwas Abwechslung entpuppte sich einzig Mitte Januar. Die Jugendfeuerwehr hatte gegen eine kleine Spende die Weihnachtsbäume der Gemeindehaushalte eingesammelt und sie für das große Bikebrennen im Februar vor unserer Koppel gelagert. Hach, Schafe mögen Tannenknospen! Es gab also etwas zu knabbern und spielen. Und bald auch einen Raufenschutz vor dem eisigen, knallharten Ostwind. Also (für die Schafe) alles perfekt auf der Auen-Weide.


Dann gibt es natürlich noch eine zweite Koppel: das Domizil der Böcke.
Die Jungs sind etwas anders drauf und verweilen am liebsten im Stall, welcher in diesem Fall ein Weidezelt darstellt. Zudem haben die Kerlchen ganz andere Probleme mit ihren Klauen: diese sind in der Kälte gerissen, teilweise bis an den Kronensaum. Heftig! Fragt mich nicht, weshalb dieses Phänomen nur bei den Böcken zu beobachten ist. So denn, was tun? Bei heftigen Schmerzen müssen die Klauen natürlich behandelt werden. Da geht aber maximal eine zur Zeit, denn mit steif gefrorenen Fingern kann man über längere Zeit keine Klauenschere handhaben. Schiefstand oder Schmerzen, das ist hier die Frage. Ich entschied mich für Schiefstand, der Tag für Tag reguliert werden musste. Immer eine Klaue, immer ein bisschen besserer Stand, immer eine kleine Pause, um die Finger wieder gängig zu bekommen.
Das Wasser für die Jungs kommt von zu Hause, nur etwa 100 Meter entfernt. Vormittags habe ich Wasser gekocht, damit die Bütt ein wenig länger eisfrei blieb. Hat funktioniert. Wie auch andere Tipps, wie die schwimmende Sole-Flasche. Das ist genial: eine feste Plastikflasche wird zu Dreiviertel mit Wasser gefüllt, hinzu kommt ein halbes Pfund Salz. Die Salzlösung ist mehr als gesättigt, etwas Salz setzt sich im nicht gefrierenden Salzwasser ab. In der Bütt schaukelt diese Flasche wegen ihres Ungleichgewichts stetig herum, so dass der fiese Eisrand niemals ganz verschlossen ist. Okay. Das funktionierte bei leichten Minusgraden; bei klirrenden Temperaturen eher mäßig. Aber dann gibt es ja noch die klugen Schafe, die immer jemanden abstellen, um ein winziges Wasserloch mit heißem Atem freizuhalten. Tatsächlich! Ich habe allerdings nicht herausfinden können, ob und wann sie sich abwechseln - der Beobachtungsposten war eindeutig zu kalt. Wie es auch zu kalt für die Aufgabe des durch die Herde bestimmten Tieres an sich war: morgens war die Bütt eingefroren, an einigen Schollenschichten war der Wille jedoch erkennbar.

Und dann ist da leider noch eine dritte Pflegestation in unserem Garten. Hier leben Pörcy und sein Vater Elton. Der kleine Pörcy (8 Monate alt) ist dem Tod im Dezember noch einmal von der Schippe gesprungen. Er hustete und war ziemlich schlecht drauf. Erkältung? Jo, nä? Es besserte sich aber nichts und als ich ihm eine Aufbauspritze in den Muskel geben wollte, dachte ich nur "Junge, du hast ja gar keine Keule! Hast du nichts gefressen?" Schiete, das ist der Nachteil an den puscheligen Wintermänteln: du siehst nicht, wenn die Tiere abgemagert sind.
Okay, Pörcy zur Beobachtung in den Garten - der "Alte" kommt mit, weil er sehr umgänglich ist und du ein Schaf niemals allein halten darfst!
Die Erkältung wurde zur heftigen Lungenentzündung. So schlimm, dass ich mich in Absprache mit der Tierärztin statt (der mir viel, viel lieberen) Homöopathie für die Gabe von Penicillin entschied. Gosh, der Junge hustete Eiter und konnte nicht atmen. Das Antibiotikum war zum Wochenende verbraucht, als kein Tierarzt erreichbar war. Gut so, denn ich hätte um Erlösung gebeten. Montag neue Dröhnung, noch etwas mehr, geht gut, beobachten, Hospitalismus? Pörcy hustete nicht mehr und so wurde es Zeit, die in der Zweisamkeit etwas apathisch werdenden Kerle zurück in die Bockherde zu integrieren. Haha, Pörcy freute sich so sehr, seine Halbbrüder wiederzusehen, dass er durch die Gegend rammte wie ein Bekloppter. Ups. Das war jetzt ein Großer... Gehirnerschütterung, eingeklemmter Nerv, Schiefgang, Lazarett... "Krankheit als Weg"? Im Garten gibt's die doppelte Futterration inklusive der letzten Lageräpfel...
Das weiß auch "der Alte", Papa Elton, zu schätzen. Ganz, ganz schnell stand er am Gatter als es hieß "Wer kommt mit?" Und ehrlich gesagt gehört der arme Kerl im Winter auch auf die Pflegestation: zum einen hat er diesen chronischen Klauenschmerz. Ein Symptom der Blauzungenkrankheit, die uns im Sommer 2024 betroffen hat, ist eine Kronensaumentzündung. Die hat Elton mitgenommen; sie hat dazu geführt, dass ihm an einer Sohle keine feste Hornhaut mehr wächst, sondern eher eine von der Stärke, die wir von unseren eigenen Fersen kennen. Zu dünn! Eltons Sohle klebt am Eis fest und reißt auf. Aua! Noch viel schlimmer: "Was ist denn das jetzt für eine Blutlache?" - Elton hat sich wegen seiner Klauenschmerzen angewöhnt, im Kniestand zu grasen. Dabei schubbert die Brust auf dem Boden, so dass er dort keine Haare mehr hat. Auf dem vereisten Boden ist seine Brusthaut kleben geblieben!
Oh Mann, der vermutlich nie wieder rammen könnende Pörcy und sein Vadder werden noch ein Weilchen unter bester Obhut im Garten verweilen müssen.

Das einzige, was derzeit neben der Liebe zu den Schafen und der Liebe, die diese zigfach zurückgeben, Spaß macht, ist das Abäppeln: du kannst die tiefgefrorene Scheiße wie einen Golfball locker aus der Hand auf die Schaufel kicken.
Heute? Nach 15 cm Neuschnee in der Nacht brüllte die Sonne. Der Schnee ist angetaut und jetzt zeigt das Thermometer schon wieder -10° C an. Dieser Winter ist vielleicht gut für die Natur, alles in allem aber (tiefgekühlter) Bockmist!


Banner (incl. natural arts) by @chriddi - You may use it!
![]() | Herzlich willkommen in der Community Deutsch Unplugged! | Be smart, steem on - mit Netiquette! |
|---|




ich drücke die daumen,dass es bald frühling wird...
bei bockmist unter den klauen,also quasi laufen wie auf eiern,da musste ich lachen,meine damen hatten kot,schlamm kugeln an den krallen,die in verbindung mit futter,mega hart wurden,sie hatten also kugeln an den füßen :-)
ja,mit tieren hast du immer jemanden zuhause,und viel zu tun
beste grüße sende ich dir
auf das das wetter bei euch echt bald frühlingshaft wird
0.00 SBD,
3.17 STEEM,
3.17 SP
Denke, der Frühling kommt. Es ist zwar noch eiskalt, aber das heutige Wetter stimmt mich versöhnlich. Wunderschön! Und wenn in solchen Bäumen bereits die Balzgesang von sich gebenden Meise sitzen, kann das nur Gutes bedeuten... 😉
Dir und deinen Süßen noch einen schönen Sonntag.
Auf saubere Füße im Frühjahr... 😘
0.00 SBD,
0.21 STEEM,
0.21 SP
Krass, ist aber ein harter Job!
Naja, vielleicht sind die Jungs bei den Schafen die helleren Köpfe? :-)
Mir fällt unser Husky ein, sie schlief nachts lieber draußen und lag bis so etwa -10 Grad im Freien, erst bei tieferen Temperaturen, was zu der Zeit eher selten war, verzog sie sich in ihre Hütte. Ich meine, da baut man extra eine Luxus-Sweet, wer hat schon eine doppelwandige, isolierte Hundehütte und dass sowas. Nee, die Mädls...
Und ja, langsam reichts mit der Kälte!
Und ich sage das, obwohl es bei uns noch milder als bei euch ist. Ach, da fällt mir ein, bei uns kommen die ersten Schneeglöckchen raus, gibt's also nicht nur im Siebengebirge. Hoffnung ist in Sicht...
0.00 SBD,
2.12 STEEM,
2.12 SP
Hihi, könnte sein. Oder die Jungs sind Stubenhocker und Sesselpupser.
Ich meine, wer liegt denn schon bei solchem Wetter wie heute im stinkigen Zelt herum?!
Naja, solange sie friedlich chillen, prügeln sie sich wenigstens nicht... 😉
Keine Blümchen weit und breit. Wie auch? Heute Morgen gab's noch mal kuschelige -14,8° C...
Verkehrte Welt - die Winterolympianiken sporten auf Kunstschnee im strömenden Regen.
Gestern holte ich meine Freundin vom Bahnhof ab, sie hatte Ski-Urlaub in Garmisch gemacht. Ihre ersten Worte waren "Boah, hier liegt mehr Schnee als in den Alpen!"
0.00 SBD,
1.20 STEEM,
1.20 SP
You must be gaining more muscle than an Olympian at this rate! Lifting 80 liters a day is no joke
0.00 SBD,
1.92 STEEM,
1.92 SP
Haha, that could be. I want to run a half marathon in April. I should really be training, but that's impossible with black ice and freezing temperatures. So I have to find other ways to keep fit... 😉
0.00 SBD,
0.20 STEEM,
0.20 SP
Auf den Pferdekoppeln sieht man öfter Konstruktionen aus Holzverschalung und Grablichtern drin - hällt überraschend gut und lange frostfrei... Dickes Stück Holz statt der Salzwasserflasche funktioniert auch gut (für Pferde zumindest; die stupfen dann beim Saufen das Holz nach unten...) Für heiße Steine ist das alles zu weitläufig bei Euch, schätze ich. Also: auf Holz klopfen, beten oder schamanisch tanzen für baldigst besseres Wetter!
Die gerissenen Klauen bei den Böcken liegen ggf. an Hormonen? Vielleicht kann man da gegensteuern?
0.00 SBD,
0.83 STEEM,
0.83 SP