Thälmann bleibt!

in #deutsch13 hours ago

Wie gehen wir mit unseren Denkmälern um?

Ein trauriges Bild ergibt sich, wenn man am Ernst-Thälmann-Denkmal vorbeigeht, dem Mahnmal des kommunistischen Führers Deutschlands. Ernst Thälmann mit erhobener Faust ist längst Teil des Berliner Stadtbildes geworden, nicht nur, weil es unter Denkmalschutz steht. Als ich im Radio hörte, dass das Denkmal wegen Schwierigkeiten bei der Sockelsanierung eventuell entfernt werden könnte, ließ meine Nackenhaare Aufrechtstehen. Wie leichtfertig geht man doch mit deutscher Geschichte um, besonders wenn es um Bauwerke aus der DDR geht. Dabei war das Ensemble aus den Achtzigerjahren international einmal gelobt worden. Jetzt steht es eingezäunt da, wartend auf eine Grundsanierung. Rote Nelken hängen am Bauzaun und klagen um den Eingesperrten. Welche Ironie, sollte er eines Tages erneut verschwinden. Damals waren es die Nationalsozialisten, heute scheuen Demokraten nicht davor zurück, Unerwünschtes zu beseitigen. Noch immer blickt er nicht zu mir herüber, sondern fokussiert nach vorn, ein Zeichen des fortwährenden Ringens ums Überleben. Um das Überleben der Erinnerung und darum, die Vergangenheit niemals zu vergessen. Die kleinen blauen Vergissmeinnicht am Rande des Parks versuchen genau das zu sagen und hoffen dennoch auf jeden Sonnenstrahl.