😅 𝗔𝗹𝘁𝗲 𝗠ä𝗻𝗻𝗲𝗿 𝗮𝘂𝘀 𝘁𝗶𝗲𝗳𝗲𝗻 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗻 𝗪ä𝗹𝗱𝗲𝗿𝗻

in #deutsch9 days ago

𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲 𝗴𝗿𝗼ß𝗲 𝗧𝗵𝗲𝗿𝗺𝗲𝗻-𝗙𝗹𝗶𝗿𝘁-𝗞𝗮𝘁𝗮𝘀𝘁𝗿𝗼𝗽𝗵𝗲 😅

So, liebe Leute, heute gibt es mal wieder eine Geschichte aus der Kategorie: Der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald geht harmlos in die Therme und kommt mit einem leicht irritierten Ego wieder heraus. Eigentlich wollte ich ja nur brav mein neues Sportprogramm durchziehen, ein bisschen schwimmen, ein bisschen im Außenbereich herumliegen und so tun, als wäre das alles ein hochprofessioneller Gesundheitsplan. Ihr wisst schon: Reha, Bewegung, Selbstfürsorge und zwischendurch möglichst nicht aussehen wie ein gestrandeter Wal mit Handtuch.

Ich lag also ganz friedlich im Außenbereich der Therme herum, als plötzlich eine wirklich sehr attraktive junge Frau zu mir kam. Ich schätze mal irgendwas zwischen Mitte zwanzig und dreißig, aber bei jungen Menschen ist das ja immer schwer. Für mich sehen inzwischen alle unter vierzig aus, als müssten sie noch einen Elternzettel fürs Schwimmbad mitbringen. Sie fragte mich freundlich, ob ich kurz auf ihre Tasche aufpassen könnte, ihre Liege stand etwa zehn Meter entfernt. Ich natürlich: „Klar, kein Problem.“ Was soll der alte Mann auch sagen? „Nein, ich bewache nur Dinge mit Pfandsiegel und DDR-Geschichte“?

Und jetzt kommt der erste kleine Knick in der Realität: Sie zog ihre Liege samt Tasche neben mich, verschwand für eine halbe Stunde ins Innenbecken und ließ mich zurück wie einen privaten Sicherheitsdienst mit Bauchansatz. Als sie wiederkam, schob sie die Liege aber nicht zurück. Nein, sie blieb einfach neben mir liegen. Aus dem Taschenwächter wurde also plötzlich ein Liegenachbar. Ich fragte mich kurz, ob ich besonders vertrauenswürdig wirke oder einfach nur aussehe wie ein Mann, der schon zu müde ist, um mit einer Tasche wegzurennen.

Wer mich kennt, weiß: Ich bin eine Labertasche. Eine professionelle sogar. Ich rede ungefähr so viel, wie ich schreibe, und das ist, wie wir alle wissen, für die Menschheit nicht immer leicht zu ertragen. Also kamen wir recht schnell ins Gespräch. Und es war wirklich nett. Richtig nett sogar. Sie lachte, ich erzählte, sie fragte nach, ich erzählte noch mehr. Ganz ehrlich: Ich war kurz davor, Eintritt für die Unterhaltung zu verlangen. Irgendwo muss diese Möchtegern-Influencer-Karriere ja mal Geld abwerfen.

Natürlich erzählte ich ihr auch, dass ich so eine Art Möchtegern-Influencer für arme Leute bin und was ich sonst so alles veranstalte. Sie fand das tatsächlich interessant und meinte, sie hätte auch schon öfter darüber nachgedacht, selbst mal in diese Richtung zu gehen, wüsste aber gar nicht so genau, worüber sie schreiben sollte. Da war ich natürlich sofort in meinem Element. Wenn es um Schreiben, Facebook, Gruppen und öffentliches Herumlabern geht, bin ich ja ungefähr so schwer zu bremsen wie ein Einkaufswagen mit kaputtem Rad bergab.

Und dann passierte etwas, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte: Ich merkte plötzlich, dass ich flirtete. Also nicht so richtig plump, keine Sorge. Ich habe mich nicht mit Rose im Mund auf der Liege herumgerollt und „Na, schöne Frau?“ gesagt. Aber da war schon dieses kleine, lockere, charmante Hin und Her. Und ich dachte innerlich: Holger, was machst du da eigentlich? Du wirst in ein paar Wochen 61, hast ein Bäuchlein, ziehst auf Fotos heimlich den Bauch ein und flirtest hier mit einer jungen Frau, als wäre dein Geburtsjahr nur ein unverbindlicher Vorschlag.

Das Gemeine am Älterwerden ist ja: Man fühlt sich innerlich gar nicht so alt. Im Kopf ist man irgendwo bei vierzig stehen geblieben, manchmal auch bei fünfunddreißig, je nachdem, wie gut der Tag läuft. Der Körper hat davon allerdings offenbar nichts mitbekommen und arbeitet inzwischen nach einem ganz anderen Bauplan. Da hängt hier etwas, da knackt dort etwas, und wenn man morgens aufsteht, klingt es manchmal, als würde jemand eine alte Schrankwand abbauen.

Ich weiß, jetzt sagen wieder einige: „Ach Holger, Männer können doch auch im Alter noch gut aussehen.“ Ja, mag sein. Manche Frauen stehen ja auch auf reife Männer. Das Problem ist nur: Ich fühle mich nicht reif, ich fühle mich eher kurz vor Kompott. Überreif. So Kategorie Obstschale: Sieht von weitem noch okay aus, aber man sollte nicht mehr zu fest drücken.

Wäre ich zehn Jahre jünger gewesen, hätte ich sie vielleicht tatsächlich zum Essen eingeladen. Ich kenne hier in der Gegend ein paar wirklich schöne Restaurants, und der Gedanke war kurz da. Aber dann kam der innere Realitätsbeauftragte und sagte: „Holger, bleib mal ruhig auf deiner Thermenliege liegen und übertreib es nicht. Du bist hier nicht in einer romantischen Komödie, sondern im Außenbereich einer Therme.“

Und bevor jetzt wieder einer auf falsche Gedanken kommt: Nein, hier geht es nicht darum, dass der alte Mann noch schnell irgendwo ein Abenteuer sucht. Wer mich kennt, weiß, dass mein Leben kompliziert genug ist, auch ohne dass ich mir mit Badehose und Handtuch eine Midlife-Crisis in Überlänge bastle. Außerdem gibt es da ja noch mein Anhängsel, das mich seit fast vierzig Jahren erträgt. Und wer es fast vierzig Jahre mit mir aushält, hat entweder ein riesiges Herz, sehr starke Nerven oder irgendwann innerlich einfach aufgegeben.

Das Anhängsel würde wahrscheinlich sowieso nur trocken sagen: „Mach ruhig, viel Erfolg. Aber jammer mir hinterher nicht wieder drei Stunden lang vor, dass dir der Rücken weh tut.“ Genau deshalb weiß ich auch, warum ich so lange mit ihr zusammen bin. Romantik ist schön, aber ehrliche Gemeinheiten im richtigen Moment sind in einer Beziehung viel wichtiger.

Trotzdem hat mir diese Situation heute etwas gezeigt. Es tat einfach gut, mal wieder so locker mit einem fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Ohne Handy in der Hand, ohne dieses moderne Herumgewische, ohne dass man erst drei Apps öffnen muss, um einen Satz zu wechseln. Einfach zwei Menschen auf zwei Liegen, Sonne, Wasser, ein bisschen Humor und ein alter Mann, der kurz vergessen hat, dass er eigentlich schon zur Inventarliste der Therme gehören könnte.

Und ja, ich gebe es zu: Es hat meinem alten Ego auch gefallen, dass gefühlt jeder zweite Mensch, der am Becken vorbeikam, kurz zu uns rübergeschaut hat. Ich kann es ihnen nicht mal verübeln. Sie war wirklich ein hübscher Anblick, lange Haare, tolle Tattoos, sehr sympathische Ausstrahlung. Und daneben lag ich. Vermutlich dachten die Leute entweder: „Ach, wie schön, sie ist mit ihrem Vater unterwegs.“ Oder: „Der alte Kerl muss unfassbar reich sein.“ Vielleicht aber auch: „Respekt, der Opa hat mehr Gesprächsstoff als mein WLAN Empfang.“

Als ich dann irgendwann gegangen bin, meinte sie noch: „Na, vielleicht sieht man sich ja die Tage wieder. Ich bin ziemlich oft hier, um meine Runden im Sportbecken zu schwimmen, und bei dem schönen Wetter lege ich mich dann gern noch ein bisschen in die Sonne.“ Und da stand ich dann mit meinem Handtuch, meinem Bauch, meinem Alter und meinem völlig überforderten kleinen Ego. Auf der einen Seite dachte ich: Holger, bleib realistisch. Auf der anderen Seite dachte ich: Na bitte, ganz tot ist der Charmeapparat offenbar noch nicht.

Morgen gehe ich also vielleicht wieder in die Therme. Natürlich nur wegen des Sports. Wegen der Gesundheit. Wegen der Bewegung. Wegen der Herz-Kreislauf-Geschichte. Ihr versteht schon. Rein medizinisch betrachtet wäre es natürlich absolut verantwortungslos, wenn ich nicht hingehen würde. Also praktisch ärztlich notwendig. Fast schon Pflichtprogramm. Dass dort zufällig auch hübsche Menschen auf Liegen liegen könnten, ist selbstverständlich nur ein bedauerlicher Nebeneffekt dieser hochseriösen Gesundheitsmaßnahme.

Vielleicht hat sich bis morgen ja schon herumgesprochen, dass da im Außenbereich ein leicht übergewichtiger alter Mann liegt, der Taschen bewacht, Geschichten erzählt und dabei versehentlich in Richtung Flirt stolpert. Dann stehen plötzlich links und rechts zwei Liegen bereit, mit hübschen Frauen aus ganz Thüringen, die alle nur darauf warten, dass der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald ihnen erklärt, wie Facebook funktioniert und warum sein Bauch eigentlich nur ein strategisch platzierter Energiespeicher ist.

Ja, ja, ich weiß schon: Jetzt sagt ihr wieder, der alte Mann hat eine blühende Fantasie. Stimmt. Aber lasst mir doch meinen kleinen Thermen-Tagtraum. In meinem Alter darf man das. Andere sammeln Briefmarken, ich sammle halt kurze Momente, in denen ich mich nicht ganz so alt fühle.

Und wenn morgen nichts passiert, ist das auch nicht schlimm. Dann schwimme ich eben brav meine Runden, lege mich in die Sonne und bewache wieder irgendeine Tasche. Man muss seine Karriere eben langsam aufbauen.

#thermenliebe #altermann #thüringerwald #humor


Veröffentlicht mit Welako