𝗗𝗜𝗘 𝗞Ö𝗡𝗜𝗚𝗜𝗡 𝗗𝗘𝗥 𝗖𝗢𝗨𝗡𝗧𝗥𝗬-𝗠𝗨𝗦𝗜𝗞 𝗜𝗦𝗧 𝗧𝗢𝗧

in #deutsch29 days ago

𝗗𝗢𝗟𝗟𝗬 𝗣𝗔𝗥𝗧𝗢𝗡 𝗜𝗦𝗧 𝗠𝗜𝗧 𝟴𝟬 𝗝𝗔𝗛𝗥𝗘𝗡 𝗚𝗘𝗚𝗔𝗡𝗚𝗘𝗡 🕯️

„When I Get Where I’m Going“ heißt eines der bekanntesten Lieder, das Dolly Parton gemeinsam mit Brad Paisley gesungen hat. Übersetzt bedeutet der Titel ungefähr: „Wenn ich dort angekommen bin, wohin ich gehe.“ Es ist ein Lied über das Ende des irdischen Weges. Über einen Ort, an dem es keinen Schmerz und keine Angst mehr gibt. Über das Wiedersehen mit denen, die bereits vor uns gegangen sind. Und über die Hoffnung, dass der Tod vielleicht nicht das Ende von allem ist.

Dolly Parton hat dieses Lied nicht selbst geschrieben. Und trotzdem passt kaum ein anderes heute besser zu ihr. Vielleicht auch deshalb, weil ihre Stimme dem Lied genau das gab, was man in solchen Momenten braucht: Wärme, Trost und die leise Hoffnung, dass hinter dem letzten Abschied vielleicht doch noch etwas auf uns wartet.

Vielleicht ist das Sterben gar kein Verstummen.

Vielleicht ist es nur der Augenblick,
in dem ein Mensch aufhört, vor uns zu stehen,
und anfängt, in unseren Erinnerungen zu wohnen.

Vielleicht endet ein Lied nicht,
nur weil die Sängerin die Bühne verlässt.

Vielleicht bleibt der letzte Ton im Raum,
lange nachdem das Licht erloschen ist.

Und vielleicht sind manche Menschen deshalb niemals ganz fort. Weil irgendwo ein Radio eingeschaltet wird. Weil die ersten Töne eines alten Liedes erklingen. Weil man plötzlich wieder weiß, wo man damals war, wer neben einem saß und wie jung man selbst noch gewesen ist.

Eigentlich ist Country-Musik nicht unbedingt meine Musikrichtung. Aber gelegentlich habe ich sie mir doch ganz gerne angehört. Und an Dolly Parton kam man dabei natürlich nicht vorbei. Wahrscheinlich musste man noch nicht einmal ein großer Freund dieser Musik sein, um sie zu kennen. Ihre Stimme, ihre blonden Haare, ihre auffälligen Kleider, ihr Lachen und ihre ganz besondere Art waren unverwechselbar. Sie gehörte einfach zu den Menschen, von denen man glaubte, sie wären schon immer da gewesen und würden auch immer bleiben.

Nun ist auch sie gegangen.

Und wieder ist eine dieser Stimmen verstummt, die uns über Jahrzehnte begleitet haben. Eine Stimme aus einer Zeit, in der wir selbst noch jünger waren. Eine Zeit, die damals vollkommen selbstverständlich erschien und von der wir glaubten, sie würde niemals enden.

𝗩𝗢𝗡 𝗗𝗘𝗡 𝗕𝗘𝗥𝗚𝗘𝗡 𝗧𝗘𝗡𝗡𝗘𝗦𝗦𝗘𝗘𝗦 𝗕𝗜𝗦 𝗔𝗡 𝗗𝗜𝗘 𝗦𝗣𝗜𝗧𝗭𝗘 𝗗𝗘𝗥 𝗠𝗨𝗦𝗜𝗞𝗪𝗘𝗟𝗧

Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 in Tennessee geboren. Sie war eines von zwölf Kindern und wuchs in äußerst einfachen Verhältnissen auf. Die Familie lebte in einer kleinen Hütte in den Bergen. Geld war kaum vorhanden, vieles musste geteilt und manches entbehrt werden. Doch es gab Zusammenhalt, Geschichten und vor allem Musik.

Schon als Kind sang Dolly in der Kirche. Früh trat sie bei örtlichen Radio- und Fernsehsendungen auf. Direkt nach ihrem Schulabschluss zog sie nach Nashville. Sie hatte kaum Geld, aber einen Traum, eine Gitarre und den festen Willen, aus ihrem Leben etwas zu machen. Zunächst schrieb sie Lieder für andere Künstler, bevor sie selbst immer stärker ins Rampenlicht rückte.

1967 erschien ihr erstes Album „Hello, I’m Dolly“. Im selben Jahr wurde sie durch die Fernsehsendung des Country-Sängers Porter Wagoner einem großen Publikum bekannt. Gemeinsam wurden die beiden zu einem erfolgreichen Duo. Dolly Parton wollte jedoch nicht für immer nur die Frau an seiner Seite bleiben. Sie ging ihren eigenen Weg – und schrieb zum Abschied von Porter Wagoner ein Lied, das später zu einem der bekanntesten Liebeslieder überhaupt werden sollte: „I Will Always Love You“.

Viele Jahre später machte Whitney Houston daraus einen Welthit. Doch geschrieben und bereits 1974 erstmals veröffentlicht hatte dieses Lied Dolly Parton. Es war kein klassisches Liebeslied zwischen zwei Menschen, die zusammenbleiben wollten. Es war ein Lied über einen Abschied, bei dem die Liebe trotzdem erhalten bleibt. Vielleicht ist es gerade deshalb bis heute so berührend.

Auch „Jolene“, „Coat of Many Colors“, „9 to 5“, „Here You Come Again“ und zahlreiche weitere Lieder wurden zu Klassikern. Dolly Parton schrieb im Laufe ihres Lebens mehr als 3.000 Songs und verkaufte weltweit über 100 Millionen Tonträger. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und schaffte etwas, das nur wenigen Künstlern gelingt: Ihre Musik überdauerte mehrere Generationen.

Sie war aber nicht nur Sängerin und Songschreiberin. Dolly Parton spielte erfolgreich in Filmen wie „Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?“ und „Magnolien aus Stahl“. Sie gründete Unternehmen, eröffnete mit Dollywood einen eigenen Freizeitpark und bewies, dass sich hinter den großen blonden Haaren, dem Glitzer und den auffälligen Kleidern eine kluge und außergewöhnlich geschäftstüchtige Frau verbarg.

Dabei nahm sie sich selbst nie zu ernst. Sie machte Witze über ihr Aussehen, über ihre Schönheitsoperationen und über die künstliche Welt des Showgeschäfts. Vielleicht mochten sie gerade deshalb so viele Menschen. Sie versuchte nicht, jemand anderes zu sein. Sie wusste genau, wie sie auf andere wirkte, und war meistens die Erste, die darüber lachen konnte.

Doch hinter diesem Humor steckte auch eine Frau, die ihre Herkunft nie vergessen hatte. Ihr Vater konnte weder lesen noch schreiben. Zu seinen Ehren gründete sie 1995 die „Imagination Library“. Das Projekt verschickt kostenlos Bücher an Kinder – unabhängig davon, wie viel Geld deren Eltern besitzen. Mehr als 300 Millionen Bücher wurden inzwischen verschenkt. Jeden Monat kommen weitere Millionen hinzu.

Das ist vielleicht eines ihrer größten Vermächtnisse. Nicht die goldenen Schallplatten, nicht die Auszeichnungen und nicht der Freizeitpark, sondern all die Kinder, die durch sie ihr erstes eigenes Buch in den Händen hielten.

𝗘𝗜𝗡𝗘 𝗟𝗜𝗘𝗕𝗘 𝗙𝗔𝗦𝗧 𝗘𝗜𝗡 𝗚𝗔𝗡𝗭𝗘𝗦 𝗟𝗘𝗕𝗘𝗡 𝗟𝗔𝗡𝗚

Fast 60 Jahre lang war Dolly Parton mit Carl Dean verheiratet. Kennengelernt hatten sie sich 1964, kurz nachdem sie nach Nashville gezogen war. Zwei Jahre später heirateten sie. Während Dolly auf den größten Bühnen der Welt stand, hielt sich Carl Dean nahezu vollständig aus der Öffentlichkeit heraus. Er suchte weder Kameras noch Ruhm und lebte lieber zurückgezogen.

Vielleicht war genau das das Geheimnis ihrer langen Ehe. Sie gehörte der Öffentlichkeit, aber ihr gemeinsames Leben gehörte nur ihnen.

Carl Dean starb im März 2025. Dolly sprach danach offen über ihre Trauer und darüber, wie sehr ihr der Mann fehlte, der fast ihr gesamtes Erwachsenenleben an ihrer Seite gewesen war. Nun ist sie ihm nur eineinhalb Jahre später gefolgt.

Vielleicht ist es nur ein tröstlicher Gedanke. Aber vielleicht ist sie nun wirklich dort angekommen, wovon sie einst gemeinsam mit Brad Paisley sang. Vielleicht gibt es diesen Ort ohne Schmerz und Angst tatsächlich. Vielleicht stand Carl dort und wartete auf sie. Und vielleicht musste sie ihm gar nicht viel erklären, weil er ohnehin immer gewusst hatte, dass sie eines Tages wieder zu ihm kommen würde.

𝗗𝗜𝗘 𝗕Ü𝗛𝗡𝗘 𝗨𝗡𝗦𝗘𝗥𝗘𝗥 𝗝𝗨𝗚𝗘𝗡𝗗 𝗪𝗜𝗥𝗗 𝗜𝗠𝗠𝗘𝗥 𝗟𝗘𝗘𝗥𝗘𝗥

Was mich an solchen Nachrichten inzwischen besonders nachdenklich macht: Es gehen immer mehr von denen, mit denen wir mehr oder weniger aufgewachsen sind. Sänger, Schauspieler, Sportler und andere bekannte Persönlichkeiten, deren Gesichter und Stimmen uns über Jahrzehnte begleitet haben.

Wir kannten diese Menschen nicht persönlich. Und trotzdem gehörten sie irgendwie zu unserem Leben. Ihre Lieder liefen im Radio. Ihre Filme kamen im Fernsehen. Ihre Bilder hingen an Wänden oder erschienen in Zeitschriften. Sie waren da, während wir uns verliebten, heirateten, Kinder bekamen, arbeiteten, lachten und manchmal auch weinten.

Wenn einer dieser Menschen stirbt, trauern wir deshalb nicht nur um einen Sänger oder eine Schauspielerin.

Wir trauern auch um eine Zeit.

Um die Jahre, in denen diese Stimmen noch neu waren. Um die Menschen, die damals neben uns saßen und vielleicht selbst schon lange nicht mehr da sind. Um die eigene Jugend, von der man damals glaubte, sie würde nie vorbeigehen.

Früher standen diese Menschen auf der Bühne, während wir selbst noch jung waren und dachten, das Leben läge endlos vor uns. Heute lesen wir ihre Todesmeldungen, schauen in den Spiegel und begreifen, dass auch unsere eigene Zeit weitergelaufen ist.

Die Bühne unserer Jugend wird langsam leerer.

Ein Licht nach dem anderen geht aus.

Eine Stimme nach der anderen verstummt.

Und mit jedem Abschied verschwindet wieder ein kleines Stück jener Welt, in der wir einmal zu Hause waren.

Dolly Parton war sicherlich nicht für jeden die bevorzugte Musikrichtung. Auch für mich nicht. Aber sie war ohne Zweifel eine ganz Große. Eine Frau, die aus ärmsten Verhältnissen kam, sich bis an die Spitze der Welt arbeitete und trotzdem nie vergaß, wo ihre Geschichte begonnen hatte.

Nun ist sie dort angekommen, wohin ihr letzter Weg sie geführt hat.

Mach’s gut, Dolly.

Deine Stimme ist verstummt.
Deine Lieder sind geblieben.
Und solange irgendwo jemand eines davon hört,
wirst auch du nicht ganz verschwunden sein. 🕯️


Veröffentlicht mit Welako

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El verso “When I Get Where I’m Going” me recordó ese último tramo de ruta de mochilero, cuando el presupuesto ya no importa y solo cuenta llegar al destino. ¿Alguna vez escuchaste esa canción al atardecer en una carretera solitaria? 🎒

Miren esto, la línea “Tal vez el último tono quede en el aire después de que la luz se apague” me trae la imagen del sol que se desvanece sobre el Chaco, dejando una estela de recuerdos en la bruma. No se lo pierdan, esa idea de la música que sigue viva como una radio en la llanura me hizo pensar en cómo cada foto del lago Ypacaraí conserva ese susurro de eternidad. 🌅