⚠️ 𝗕𝗶𝗼𝗵𝗮𝘇𝗮𝗿𝗱-𝗔𝗹𝗮𝗿𝗺

in #deutsch5 hours ago

𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗴𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿𝗻 𝗮𝗻𝗴𝗲𝗯𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗴𝗲𝗳𝗹ü𝗴𝗲𝗹ä𝗵𝗻𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗞𝗮𝗺𝗽𝗳𝘀𝘁𝗼𝗳𝗳𝗲 𝘁𝗿𝗮𝗻𝘀𝗽𝗼𝗿𝘁𝗶𝗲𝗿𝘁 ⚠️😱

Also, das war es dann wohl. Laut einigen Kommentatoren von gestern bin ich jetzt offiziell eine wandelnde biologische Gefahrenquelle. Warum? Weil ich ein Stück Geflügel aus dem Supermarkt nach Hause transportiert habe. In einer Tragetasche. Bei etwa zehn Grad Außentemperatur. Und das Ganze auch noch in ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten Heimfahrt.

Ich weiß. Unfassbar. Der Katastrophenschutz wurde vermutlich schon informiert, das Robert-Koch-Institut hat sicher hektisch die Kaffeemaschine angeschmissen und irgendwo sucht ein besorgter Mensch bereits nach einem ABC-Schutzanzug in Größe L.

Die Empörung war jedenfalls sofort da. Nur weil ich es gewagt habe, ein Hähnchen nicht in einer klimatisierten Hochsicherheits-Kühltasche mit Edelstahl-Innenbehälter, Kühlakku, GPS-Ortung und eigenem Notstromaggregat zu transportieren.

Einige waren einfach nur besorgt. Das verstehe ich auch, ehrlich. Gute Absicht, alles gut. Aber andere kamen gleich mit diesem charmanten Tonfall um die Ecke, den man sonst nur von Leuten kennt, die morgens Essig trinken und dann das Internet anschreien.

So nach dem Motto:

„Natürlich kaufst du Dreck ein, und natürlich isst du auch noch diesen salmonellenverseuchten Fraß.“

Und ja, bei so etwas ist bei mir Schluss im Gelände. Solche Kommentare wurden gelöscht, die Kommentatoren gleich mit. Punkt, aus, vorbei. Wer meint, andere Menschen wegen eines Hähnchens beleidigen zu müssen, darf seine Freizeit gern woanders verbringen. Vielleicht im Kühlregal, da scheint er sich ja heimisch zu fühlen.

𝗡𝘂𝗻 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗺𝗮𝗹 𝗲𝗶𝗻 𝗙𝗮𝗸𝘁𝗲𝗻𝗰𝗵𝗲𝗰𝗸 𝘀𝘁𝗮𝘁𝘁 𝗚𝗹𝗮𝘂𝗯𝗲𝗻𝘀𝗸𝗿𝗶𝗲𝗴 🔬

Salmonellen entstehen nicht einfach aus der Luft. Nicht plötzlich. Nicht, weil ein Hähnchen zehn Minuten in einer Einkaufstasche liegt. Nicht, weil die Sonne mal fünf Minuten draufscheint. Und auch nicht, weil Holger mit einer Tragetasche durch den Thüringer Wald stapft.

Wenn Salmonellen vorhanden sind, dann waren sie vorher schon im oder auf dem Fleisch, auf der Verpackung oder sie kommen durch unsauberes Arbeiten dazu. Also bei Schlachtung, Verarbeitung, Verpackung oder später in der Küche. Das ist keine spontane Geburt aus dem Nichts. Salmonellen sitzen nicht irgendwo in der Luft und sagen: „Oh, guck mal, ein Hähnchen ohne Kühltasche, da ziehen wir jetzt ein.“

Das eigentliche Problem ist meist nicht die kurze Transportzeit vom Supermarkt nach Hause, sondern schlechte Hygiene und falsche Weiterverarbeitung. Wenn jemand nach dem Toilettengang keine Hände wäscht und danach Fleisch anfasst, dann kann die beste Kühltasche der Welt auch nur noch traurig in der Ecke stehen und sich fragen, warum sie überhaupt gekauft wurde.

Kühlung bremst Keime. Sie zaubert sie aber nicht weg. Hygiene verhindert, dass sie unnötig verteilt werden. Und genau da liegt der Unterschied, den manche offenbar großzügig überspringen, weil Panikmachen im Internet natürlich deutlich spannender ist als Denken.

𝗪𝗮𝘀 𝗴𝗹𝗮𝘂𝗯𝘁 𝗶𝗵𝗿 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵, 𝘄𝗶𝗲 𝗱𝗮𝘀 𝗳𝗿ü𝗵𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁 𝘄𝘂𝗿𝗱𝗲?

Manchmal frage ich mich wirklich, wie einige Menschen glauben, dass Lebensmittel früher überhaupt existiert haben. Da gab es nicht an jeder Ecke Kühltaschen, digitale Thermometer, Warn-Apps und Menschen, die hysterisch „Geflügel! Geflügel!“ rufen, sobald jemand eine Einkaufstasche trägt.

Früher wurde geschlachtet, gewurstet, verarbeitet, transportiert und gekocht. Und nein, das Fleisch wurde nicht innerhalb von 0,8 Sekunden nach dem letzten Atemzug des Tieres in eine Hochleistungskühlkammer teleportiert. Auch beim Hausschlachten oder Wursten läuft nicht alles wie in einem sterilen Weltraumlabor der NASA ab.

Ich habe sechzehn Jahre in Griechenland gelebt. Wer dort gesehen hat, wie Lebensmittel im ganz normalen Alltag transportiert werden, auch Fleisch, der bekommt bei einer zehn- bis fünfzehnminütigen Heimfahrt bei zehn Grad in Deutschland keinen Nervenzusammenbruch. In Griechenland hätte man mich für diese Diskussion vermutlich ausgelacht und mir danach noch einen Kaffee hingestellt.

𝗗𝗮𝘀 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺 𝗵𝗲𝗶ß𝘁 𝗛𝘆𝗴𝗶𝗲𝗻𝗲 🚽

Wenn Fleisch sauber verarbeitet wurde, kurz transportiert wird, danach wieder in den Kühlschrank kommt und später ordentlich durchgegart wird, dann ist das kein Weltuntergang. Wenn aber jemand vorher auf Toilette war, sich nicht die Hände wäscht und dann lustig am rohen Geflügel herumfummelt, dann haben wir ein Problem. Und zwar völlig unabhängig davon, ob daneben eine Kühltasche mit goldener Innenverkleidung liegt.

Da helfen dann auch keine Kühlakkus, keine Tragetaschen-Debatten und keine Facebook-Kommentare mit maximaler moralischer Erregung. Dann ist einfach vorher schon etwas schiefgelaufen.

𝗨𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗧𝗲𝗶𝗹, 𝗱𝗲𝗻 𝗺𝗮𝗻𝗰𝗵𝗲 𝗼𝗳𝗳𝗲𝗻𝗯𝗮𝗿 𝘃𝗲𝗿𝗴𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻

Niemand. Wirklich niemand. Macht aus rohem Geflügel Sushi.

Geflügel wird durchgegart. Nicht gestreichelt, nicht besprochen, nicht mit guten Gedanken versehen und dann halb roh gegessen. Es wird erhitzt. Ordentlich. Wenn Geflügel im Inneren ausreichend erhitzt wird, werden Salmonellen zuverlässig abgetötet. Deshalb ist gründliches Durchgaren entscheidend. Nicht außen kurz braun machen und innen hoffen, dass der liebe Gott den Rest erledigt.

Also ja: Kühltasche ist besser. Besonders im Sommer, bei langen Wegen oder wenn man nach dem Einkaufen noch stundenlang durch die Gegend gondelt. Das ist völlig richtig. Aber nein, ein frisch gekauftes Stück Geflügel wird nicht automatisch zur biologischen Waffe, nur weil es bei kühlen Temperaturen zehn oder fünfzehn Minuten in einer Einkaufstasche nach Hause gefahren wird.

Entscheidend ist: kurze Transportzeit, keine pralle Sonne, danach wieder kühlen, sauber arbeiten und ordentlich durchgaren.

Alles andere ist wieder diese schöne deutsche Spezialität: Aus einem normalen Hähnchenschenkel erst ein Hygieneseminar machen, daraus dann eine Glaubensfrage stricken und am Ende noch Menschen beleidigen, weil sie ihr Geflügel nicht im gepanzerten Kühltransporter nach Hause fahren.

Einfach nur traurig. Aber immerhin war das Hähnchen vermutlich entspannter als manche Kommentatoren. 🌲


Veröffentlicht mit Welako