🥵 𝗗𝗶𝗲 𝗙𝗹𝗶𝗿𝘁-𝗦𝗮𝗴𝗮 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮: 𝗖𝗹𝗼𝘄𝗻-𝗞𝗼𝗽𝗳 𝘀𝘁𝗮𝘁𝘁 𝗛𝗮𝗽𝗽𝘆 𝗘𝗻𝗱 🥵
So, liebe Leute, ich muss euch leider direkt am Anfang enttäuschen: Es hat sich ausgeflirtet. Endgültig. Und zwar mit ordentlichem Tiefschlag, rotem Kopf und Sonnenbrand-Bonus inklusive. Aber lest selbst, denn diese Geschichte ist natürlich wieder viel zu dämlich, um sie einfach still und heimlich untergehen zu lassen.
Ich hatte heute Morgen extra eine 5-Liter-Flasche Sonnencreme mit in die Therme genommen. Nicht etwa, weil ich plötzlich vernünftig geworden bin, Gott bewahre, so weit ist es noch nicht. Nein, der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald hatte natürlich wieder einen genialen Plan.
Mein heimlicher Hintergedanke war nämlich ungefähr so durchsichtig wie eine frisch geputzte Glastür: „Na, das Mädel von gestern kommt doch heute ganz sicher wieder. Die hat bestimmt die ganze Nacht nicht geschlafen und ständig an den alten Mann gedacht, der so heldenhaft ihre Handtasche bewacht und sie anschließend vermutlich stundenlang bewusstlos gequatscht hat.“
Und dann, so mein hochintelligenter Masterplan, hätte ich die 5-Liter-Flasche Sonnencreme ganz unauffällig aus der Tasche gezogen und gesagt: „Wenn du schon mal da bist, könntest du vielleicht kurz helfen? Ich komme da hinten so schlecht ran.“
Ganz zufällig natürlich. Total dezent. So unauffällig, wie ein übergewichtiger älterer Herr mit einem halben Kanister Sonnencreme eben sein kann.
So weit also der Plan vom Meisterstrategen.
War aber nichts. Absolut nichts. Sie war nicht da. Nicht im Außenbereich, nicht am Beckenrand, nicht im Wasser, nicht mal irgendwo zwischen zwei Rentnern mit Badelatschen zu erahnen. Spurlos verschwunden.
Ich vermute mittlerweile, im Tabarzer Thermen-Umfeld hat sich herumgesprochen, dass dort ältere Herren mit Bandana sitzen, fremde Handtaschen bewachen und danach hilflose junge Frauen so lange vollreden, bis sie innerlich freiwillig das Schwimmerbecken verlassen. So ein Ruf eilt einem heutzutage offenbar schneller voraus als jede schlechte Nachricht vom Finanzamt.
Ich dachte mir also: Holger, nimm eine extra große Flasche Sonnencreme mit, dann lässt du dich schön eincremen. Ich hatte ja gestern schon einen leichten Sonnenbrand abbekommen. Aber durch die Abwesenheit des hübschen Mädels und weil mich sonst auch niemand mit diesem Kanister Sonnencreme fachgerecht schützen wollte, habe ich jetzt einen richtig schönen Sonnenbrand.
Aber nicht irgendeinen. Nein, bei mir muss es natürlich wieder die Sonderausführung mit optischer Vollkatastrophe sein.
Das Allerschlimmste ist: Ich sehe aus wie jemand aus einem sehr schlechten Film. Und nicht mal aus einem guten schlechten Film, sondern eher aus so einer Produktion, bei der man nach fünf Minuten denkt: „Wer hat das freigegeben, und warum hatte der Mensch Zugriff auf eine Kamera?“
Ich hatte nämlich zwei Tage hintereinander mein Bandana auf dem Kopf. Also mein Kopftuch. Ergebnis: Mein Kopf ist jetzt knallrot, aber exakt nur bis über die Augenbrauen und über die Stirn. Alles, was darüber liegt, also dort, wo sich meine letzten fünf Haare noch tapfer an die Kopfhaut klammern und die ich gestern noch dezent über meine Platte gekämmt hatte, ist käseweiß geblieben.
Ihr müsst euch das ungefähr so vorstellen: unten Grillpaprika, oben Quark. Dazwischen ein Gesichtsausdruck, der sagt: „Ich habe wieder Entscheidungen getroffen.“
Ich sehe inzwischen aus wie ein halb geschminkter Karnevals-Clown, der zu lange neben dem Grill gestanden hat. Oder wie eine Warnlampe mit Resthaarbestand.

Ich würde euch ja wirklich gerne ein Foto einstellen, damit ihr das volle Ausmaß erkennen könnt, aber irgendwo muss auch ich noch Restwürde vortäuschen. Ich habe eben ein Selfie gemacht und das sicherheitshalber der KI übergeben. Selbst die fand das schon sehr grotesk. Wahrscheinlich würden Kinder erschrecken, Hunde bellen und Nachbarn vorsorglich die Vorhänge zuziehen.
Heute Nacht wird jedenfalls spannend. Ich werde vermutlich nicht von hübschen jungen Mädels träumen, die ich im Außenbereich eines Schwimmbades charmant bezirze. Nein. Ich werde wahrscheinlich damit beschäftigt sein, eine Schlafposition zu finden, in der mein Kopf nicht brennt, sticht oder sich anfühlt, als hätte ich ihn vorher in eine Heißluftfritteuse gehalten.
Umdrehen wird vermutlich schwierig. Aufstehen auch. Leben allgemein könnte heute Nacht etwas unangenehm werden.
Ich sehe schon meine Nachbarin gegen drei Uhr morgens wach im Bett sitzen, weil aus meiner Wohnung Geräusche kommen wie aus einem schlecht gedämmten Horrorfilm. Dann ruft sie am Ende noch den Rettungswagen und sagt: „Ich glaube, der alte Mann nebenan ist jetzt endgültig fertig. Der schreit, als würde ihm jemand After-Sun mit Schleifpapier auftragen.“
Vielleicht ist das ja die Rache irgendeiner bisher unbekannten Gottheit. Vielleicht gibt es irgendwo eine höhere Macht, die einfach nicht möchte, dass Senioren, die ein wenig übergewichtig sind und schon leicht weich in der Birne werden, sich mit attraktiven Mädels unterhalten.
Vielleicht saß da oben jemand auf einer Wolke, hat mich mit meiner 5-Liter-Flasche Sonnencreme gesehen und gesagt: „Dem zeigen wir jetzt mal, was passiert, wenn Selbstbewusstsein und Realität zu weit auseinanderlaufen.“
Und zack, wurde der Sonnengott direkt auf meinen Schädel losgelassen. Einmal schön über den Kopf gebraten, damit ich aussehe wie ein halb geschminkter Clown, und danach noch den Sonnenbrand als Bonus obendrauf. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Das ist mir jetzt eine Lehre. Ab heute ignoriere ich kategorisch alles Weibliche unter siebzig Jahren. Ich denke, da haben die Gottheiten, wo immer sie auch zu Hause sind, nichts mehr einzuwenden. Vielleicht belohnen sie mich dann irgendwann mit einer durchgehenden, gleichmäßigen Bräune. Und wenn sie schon dabei sind, könnten sie meinen Bauch auch gleich von selbst verschwinden lassen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Also, wie ihr sehen könnt: Es gab kein Happy End.
Einige von euch hatten ja schon geschrieben, dass sie sich auf die Folgegeschichte freuen und natürlich wissen wollten, ob ich heute wieder das Mädel zugelabert habe. Vielleicht sogar mit Visitenkarte vom alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald in der Hand.
Nein. Habe ich nicht.
Dummerweise hatte ich an diese Visitenkarten-Idee gestern wirklich gar nicht gedacht. Dabei wäre das natürlich großartig gewesen:
„Holger – Handtaschenbewachung, Dauerbeschallung und Sonnencreme-Logistik. Diskret, redselig, leicht verbrannt.“
Aber wie immer fällt mir so etwas erst ein, wenn die Gelegenheit längst vorbei ist. Mein Gehirn funktioniert eben noch. Nur leider meistens zeitversetzt.
Oder war das Ganze vielleicht sogar ein ganz böser Scherz von meinem Anhängsel? Hat sie das attraktive Mädel heimlich beauftragt, damit ich mich so richtig schön zum Larry mache? Hat sie irgendwo im Hintergrund gesessen und gedacht: „Warte ab, morgen geht er wieder hin, schleppt seine 5-Liter-Flasche Sonnencreme mit und sieht abends aus wie eine schlecht lackierte Verkehrsampel.“
Fragen über Fragen, die wohl niemand beantworten wird. Aber ganz ausschließen möchte ich das nicht. Frauen sind da manchmal deutlich strategischer unterwegs, als Männer es jemals begreifen werden. Männer denken, sie hätten einen Plan. Frauen wissen meist schon vorher, wie peinlich es endet.
Morgen kommt die Freundin ja wieder übers Wochenende zu Besuch. Und ich sehe es schon kommen: Wir gehen zusammen in die Therme, ich sitze dort mit meinem rot-weißen Warnkopf, und genau dann steht das Mädel von gestern plötzlich wieder vor mir.
Natürlich genau dann. Nicht heute, als ich allein mit meiner Sonnencreme dastand wie ein schlecht vorbereiteter Wellness-Casanova. Nein, morgen. Wenn die Freundin daneben sitzt. Das Leben hat schließlich Humor. Leider meistens auf meine Kosten.
Dann sage ich ganz beiläufig: „Guck mal, wer da kommt.“ Und plötzlich sitzen wir zu dritt da. Links Realität, rechts Fantasie, und in der Mitte ein alter Mann, der aussieht wie ein frisch lackierter Feuerwehrhelm mit Haaransatz.
Und da ich ja eine Frau beziehungsweise ein Mädel niemals ohne Eis nach Hause schicken würde, müsste ich beide natürlich auch noch einladen. Da muss der alte Mann dann ganz tief in die Tasche greifen. Also zumindest symbolisch.
Es hatte ja unter dem letzten Beitrag jemand kommentiert, ich sei so ein ärmliches Kerlchen und könnte mir solche Sachen wie meinen letzten Einkauf gar nicht leisten. Darüber hatte er sich laut eigener Aussage maßlos aufgeregt. Nun gut, dann halte ich morgen eben kurz beim Lidl an und hole eine Sechserpackung Wassereis aus dem Tiefkühlfach. Vielleicht sogar im Angebot.
So denke ich, und so handle ich. Denn wie man sehen kann, lasse ich mich nicht lumpen. Dann bekommt jeder sogar zwei Eis am Stiel, und das Ganze hat mich exakt 1,99 Euro gekostet. Mehr Romantik kann man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nun wirklich nicht erwarten.
Liebe geht eben durch den Magen. Nicht zwingend durch die Geldbörse.
Lustig wäre das alles auf jeden Fall. Und sollte es morgen tatsächlich zu dieser absurden Thermen-Dreiecksgeschichte kommen, werde ich euch selbstverständlich wieder berichten. Seltsamerweise haben ja doch einige den letzten Beitrag, der nun wirklich elendig lang war, bis zum Ende durchgelesen. Man glaubt es kaum, dass es in dieser schnelllebigen Zeit noch Menschen gibt, die freiwillig so lange bei einem alten Mann im geistigen Whirlpool sitzen bleiben.
So, jetzt kümmere ich mich erstmal um meinen knallroten Schädel, suche After-Sun, bewege mich möglichst wenig und hoffe, dass ich heute Nacht nicht an der Bettdecke festklebe. Wenn ihr morgen nichts von mir hört, hat die Nachbarin am Ende doch den Rettungswagen gerufen.
Und die Moral von der Geschichte: Wer im Alter noch flirten will, sollte entweder Charme haben, Sonnencreme richtig benutzen können oder wenigstens jemanden dabeihaben, der rechtzeitig sagt: „Holger, du siehst langsam aus wie ein Warnschild.“ 🌲
Veröffentlicht mit Welako
Wenn Du aussiehst wie ein Warnschild ist es schon zu spät...
😂