📢 𝗗𝗲𝗿 𝗣𝗿𝗼𝗽𝗮𝗴𝗮𝗻𝗱𝗮𝗺𝗶𝗻𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝘃𝗼𝗻 𝗙𝗶𝗻𝘀𝘁𝗲𝗿𝗯𝗲𝗿𝗴𝗲𝗻 𝗺𝗲𝗹𝗱𝗲𝘁 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘇𝘂 𝗪𝗼𝗿𝘁
Manch einer wundert sich ja, dass ich hier neuerdings auch ein wenig politisiere. Früher habe ich das eher selten gemacht, aber das wird sich ändern. Ich werde das jetzt regelmäßiger machen. Nicht, weil mir morgens beim Kaffee plötzlich langweilig ist und ich dachte: „Ach komm, heute ärgere ich mal wieder ein paar sensible Gemüter auf Facebook.“ Sondern weil mich bestimmte Themen interessieren, beschäftigen und teilweise auch gewaltig nerven.
Der eine oder andere ist dann natürlich sofort der Meinung, ich würde hier nur etwas veröffentlichen, um ein paar Cent zu verdienen. Also quasi: Holger, der alte Wald-Influencer aus dem Thüringer Unterholz, verkauft seine Seele für 50 Cent und einen Like von Tante Erna. Da muss ich euch leider enttäuschen, und ich weiß, Enttäuschung ist hier ja inzwischen ein großes Thema. Wer glaubt, ich würde wegen solcher Beträge meine Meinung verbiegen, der überschätzt Facebook gewaltig.
Ja, das hier ist ein monetarisierter Account. Und ja, mit Beiträgen kann man Geld verdienen. Aber bevor jetzt wieder einer Schnappatmung bekommt und denkt, ich sitze hier auf einem goldenen Meta-Thron und lasse mir von Zuckerberg persönlich die Scheine in den Briefkasten werfen: So ein Beitrag bringt vielleicht 50 Cent, mit etwas Glück einen Euro. Ganz selten schafft es mal ein Beitrag über die 5-Euro-Grenze. Und vor Kurzem gab es sogar mal 50 Euro für den kurzen Bericht mit dem Video über meinen Rewe-Einkauf. Da sieht man mal wieder, wie verrückt diese Welt ist: Politik interessiert kaum jemanden, aber wehe, der alte Mann kauft ein paar Lebensmittel, dann dreht Facebook durch.
Wer also glaubt, ich würde für solche Summen meine Überzeugungen verkaufen, der glaubt wahrscheinlich auch, dass man mit Payback-Punkten irgendwann Schloss Friedenstein kaufen kann. Nein, ich schreibe hier nicht über Themen, weil sie mir fremd sind. Ich schreibe darüber, weil sie mir wichtig sind. Ob das jedem gefällt, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich bin ja nicht hier, um als politisches Kuschelkissen für alle Lebenslagen zu dienen.
Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe auch eine politische Meinung. Verrückt, ich weiß. Ein alter Mann mit Meinung, Internetanschluss und Tastatur. Da kann die Gesellschaft natürlich nur schwer mit umgehen. Und dass diese Meinung einigen nicht passt, ist mir vollkommen klar. Aber ich mache daraus kein Geheimnis. Ich stehe öffentlich zu dem, was ich schreibe. Das unterscheidet mich dann vielleicht von einigen, die hinter ihrem Profilbild mit Sonnenuntergang und Hundewelpen den großen Moralapostel spielen.
Wenn ich dann lese: „Ich bin enttäuscht von dir“, dann denke ich mir immer: Wie tragisch. Da ist also irgendwo in Deutschland jemand enttäuscht, weil Holger nicht so denkt, wie er gerne hätte. Da muss ich natürlich sofort mein Leben neu sortieren, eine Kerze anzünden und mich fragen, wo ich falsch abgebogen bin. Oder eben auch nicht. Man muss mit meiner Meinung nicht übereinstimmen. Man darf widersprechen. Man darf diskutieren. Aber dieses beleidigte „Ich bin enttäuscht von dir“ ist ungefähr so sinnvoll wie ein Regenschirm im Aquarium.
Wer mich hier schon länger kennt, weiß ganz genau: Ich drehe mein Fähnchen nicht in den Wind. Ich schreibe nicht angepasst, nur damit alle artig klatschen. Das könnte ich natürlich machen. Ich könnte weichgespülte Beiträge schreiben, die keinem wehtun, niemanden stören und am Ende klingen wie ein Beipackzettel für Kamillentee. Damit könnte man vielleicht sogar mehr Reichweite bekommen. Aber dann wäre es eben nicht mehr meine Seite, sondern betreutes Denken mit Herzchen-Reaktion.

Ja, ich werde Beiträge auch mal reißerisch formulieren. Natürlich. Facebook ist schließlich kein Lesekreis für pensionierte Oberstudienräte, die sich bei lauwarmem Pfefferminztee gegenseitig Fußnoten vorlesen. Hier muss man manchmal etwas deutlicher schreiben, sonst scrollt der durchschnittliche Nutzer schneller weiter, als man „Algorithmus“ sagen kann. Aber eines mache ich nicht: Ich schreibe nicht über Dinge, mit denen ich mich überhaupt nicht identifiziere oder die mir in Wahrheit egal sind. Dafür ist mir meine Zeit dann doch zu schade, und so jung bin ich nun auch nicht mehr, dass ich sie sinnlos verplempern müsste.
Wem das alles nicht passt, der kann mich mit einem einzigen Klick blockieren. Das ist bei Facebook eine wunderbare Funktion. Danach bekommt man nie wieder etwas von mir angezeigt und kann in Frieden weiterleben, zumindest theoretisch. Praktisch sucht man sich dann vermutlich den nächsten, über den man enttäuscht sein kann. Irgendeiner muss ja schuld sein, wenn die Welt nicht exakt so denkt, wie man selbst.
Und mal ehrlich: Bei Facebook ist es ohnehin so, dass 80 bis 95 Prozent der Beiträge den eigenen Followern gar nicht erst angezeigt werden. Von denen, die es angezeigt bekommen, lesen es dann auch wieder nur einige wirklich durch. Und von denen versteht es dann auch nicht jeder. Am Ende diskutieren also oft Menschen über einen Text, den sie nicht gelesen, nicht verstanden oder innerlich schon beim ersten Satz beleidigt verlassen haben. Willkommen im Internet, diesem digitalen Streichelzoo für aufgeregte Meinungen.
Ich freue mich über jeden, der mir folgt. Wirklich. Aber wer mir folgt, sollte mich dann bitte auch so akzeptieren, wie ich bin. Mit Meinung. Mit Ecken. Mit Kanten. Mit Humor. Und gelegentlich auch mit einem Text, bei dem man merkt: Der alte Mann hat schon wieder Kaffee getrunken und dabei Nachrichten gelesen. Eine gefährliche Kombination, ich gebe es ja zu.
Und um Himmels willen: Muss man denn heute bei allem einer Meinung sein? Kann man nicht einfach mal akzeptieren, dass jemand bei dem einen oder anderen Thema anders denkt? Früher nannte man das unterschiedliche Meinung. Heute wirkt es für manche schon wie ein persönlicher Angriff, wenn jemand nicht exakt denselben geistigen Einkaufszettel im Kopf hat.
Nehmen wir mal ein harmloses Beispiel: Wenn ich Fan der Katzenstreichelpartei wäre, dann wäre das meine Sache. Wenn ich nach außen sage, dass ich Katzen streichle, dann ist das ebenfalls meine Sache. Natürlich muss niemand Katzen mögen. Manch einer kann Katzen absolut nicht ausstehen. Andere finden Katzen toll. Wieder andere würden vielleicht lieber Meerschweinchen kraulen oder Wellensittiche politisch vertreten. So ist das Leben. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Haustiere. Eigentlich gar nicht so schwer, aber offenbar doch eine intellektuelle Himalaya-Besteigung für manche.
Wenn ich also eine Partei, eine Bewegung oder einen Verein unterstützen würde, der sich für das Streicheln von Katzen einsetzt, dann müsste man das nicht gut finden. Aber man könnte es zur Kenntnis nehmen, ohne gleich aus dem Fenster zu rufen: „Ich bin enttäuscht von dir, Holger!“ Die Katze wäre vermutlich übrigens auch enttäuscht, aber nur, wenn das Futter alle ist. Und damit hätte sie wenigstens einen nachvollziehbaren Grund.
Was man mir inzwischen alles andichtet, ist sowieso großes Kino. Ich hatte ja vor Kurzem schon darüber geschrieben, was ich so an Nachrichten bekomme. Erstens bin ich ein elender Nazi. Zweitens bin ich linksversifft. Drittens war ich natürlich bei der Stasi. Viertens bin ich jetzt auch noch Putinversteher. Da fragt man sich schon, ob manche Leute morgens einfach einen politischen Zufallsgenerator starten und dann schauen, welches Etikett heute auf Holger geklebt wird.
Zum Thema Putinversteher hatte ich ja bereits geantwortet: Ja, ich verstehe Putin, ich bin der russischen Sprache nämlich ein wenig mächtig. Das ist natürlich für manche schon verdächtig. Wer Russisch kann, muss selbstverständlich sofort im Keller eine geheime Kreml-Zentrale betreiben. So einfach ist die Welt, wenn man sie nur ausreichend flach denkt.
Und ja, ich mag Moskau. Nicht wegen Politik, sondern weil ich Moskau als Stadt beeindruckend finde. Eine wirklich tolle Stadt. Das ist mein Sohn dann wohl übrigens auch, ein ganz gefährlicher Fall. Der war nämlich schon in Moskau, spricht perfekt Englisch, dazu ein bisschen Spanisch, Griechisch und was weiß ich nicht alles. Und jetzt lernt er auch noch Mandarin und, man glaubt es kaum, Russisch. Die Grundzüge beherrscht er schon, sein Ziel ist das TRKI/TORFL-Zertifikat. Furchtbar, diese Bildung. Früher hätte man gesagt: Respekt. Heute fragt vermutlich einer: „Aber warum nicht nur Deutsch und Empörung?“
Ja, ja, wir hier im tiefen dunklen Wald. Alles Kommunisten, Russlandfreunde, Katzenstreichler und vermutlich sitzen wir abends im Kreis, trinken lauwarmen Tee und planen die Weltherrschaft mit einem alten Laptop und schlechtem WLAN. Mich nennt man ja nicht umsonst den Propagandaminister von Finsterbergen. Und natürlich finden hier regelmäßig Antifa-Treffen statt. Immer mittwochs nach dem Holzholen, direkt neben der geheimen Stasi-Zentrale im Geräteschuppen. Eintritt frei, Katzen bitte an der Leine führen. 😄
Am Ende ist es ganz einfach: Ich schreibe hier, was ich denke. Nicht, weil es jedem gefallen muss. Nicht, weil es am bequemsten ist. Und ganz sicher nicht, weil ich für 50 Cent meine Meinung verkaufe. Wer damit klarkommt, ist herzlich willkommen. Wer nicht damit klarkommt, findet bei Facebook bestimmt irgendwo eine Seite, auf der nur Dinge stehen, die er ohnehin schon glaubt. Das Internet ist groß genug für alle, sogar für Enttäuschte mit Blockierfunktion.
Veröffentlicht mit Welako
Es una excelente opinión personal que comparto pues dice muchas verdades y que defiende la libertad de expresión. Hablar de política no tiene ningún impedimento o censura y si es cierto que publicar en esta plataforma no devenga un beneficio económico.
También es cierto que las críticas y los detractores siempre estarán allí, es porque no tienen nada que hacer o están aburridos y lo peor no tienen ideas para debatir porque no comprenden la profundidad de los planteamientos.
Las redes sociales exigen claridad y fuerza para retener la atención pero muchas veces no asimila la autenticidad incorruptible. La internet es un gran universo donde cada quien tiene su espacio, si los detractores no soportan el pensamiento crítico y el debate con aristas pueden hallar el que le parezca más confortable.
Que bueno que tu hijo ha aprendido tanto, eso si es educación y que le abre las puertas del mundo. Le deseo todo el éxito..!
Saludos y bendiciones..!
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