🚨 𝗪𝗘𝗡𝗡 𝟱,𝟱 𝗧𝗢𝗡𝗡𝗘𝗡 𝗪𝗢𝗛𝗡𝗠𝗢𝗕𝗜𝗟

in #deutsch3 hours ago

𝗣𝗟Ö𝗧𝗭𝗟𝗜𝗖𝗛 𝗞𝗘𝗜𝗡𝗘 𝗞𝗨𝗣𝗣𝗟𝗨𝗡𝗚 𝗠𝗘𝗛𝗥 𝗛𝗔𝗕𝗘𝗡 – 𝗗𝗘𝗥 𝗔𝗗𝗔𝗖, 𝗗𝗘𝗥 𝗥𝗘𝗚𝗘𝗡 𝗨𝗡𝗗 𝗘𝗜𝗡 𝗔𝗨𝗦𝗚𝗘𝗛Ä𝗡𝗚𝗧𝗘𝗥 𝗞𝗨𝗣𝗣𝗟𝗨𝗡𝗚𝗦𝗭𝗨𝗚

Wenn du mit einem 5,5 Tonnen schweren Wohnmobil liegen bleibst und den ADAC rufen musst, ist das nicht gerade angenehm. Da stehst du schließlich nicht mit einem kleinen Golf am Straßenrand, den man zur Not zu viert auf einen Anhänger hebt. Du stehst dort mit einem rollenden Einfamilienhaus, bei dem der Abschleppdienst wahrscheinlich schon beim Lesen des Fahrzeuggewichts einen zweiten Kaffee braucht.

Ich hatte ja vorgestern sogar live davon berichtet, dass wir hinter Lübeck auf dem Weg nach Hause waren, vielmehr nach Hause fahren wollten, als beim Kuppeln plötzlich das Kupplungspedal nach unten fiel und dort auch blieb. Gestern hatte ich daraus bereits einen lustigen Beitrag aus meiner Herr-Natas-Reihe gemacht. Der war, sagen wir einmal, fast wahrheitsgetreu. Herr Natas saß vermutlich nicht wirklich auf dem Beifahrersitz und vor uns stand auch kein Lamborghini. Beim Rest würde ich meine Hand allerdings nicht unbedingt ins Feuer legen, denn bei uns passiert inzwischen so viel Unsinn, dass selbst der Teufel irgendwann um eine Urlaubsvertretung bitten dürfte.

Wir riefen also den ADAC an. Bei uns lief das Ganze so, dass wir per SMS einen Link bekamen und den Schaden online melden sollten. Dumm ist das natürlich für Menschen, die unterwegs kein Internet haben oder deren Handy genau in diesem Moment beschließt, nur noch als Taschenrechner zu funktionieren. Der Verdacht, dass irgendwo wieder ein Mensch durch einen Link ersetzt wurde, lag jedenfalls nahe. Ganz abgeschafft hat der ADAC das Telefon allerdings nicht: Die Pannenhilfe ist offiziell weiterhin telefonisch erreichbar. Man kann die Panne außerdem online oder über die App melden. Dass man den ADAC grundsätzlich nur noch über das Internet erreichen könne, wäre also nicht richtig. Bei uns war es trotzdem genau dieser digitale Hindernislauf.

Wir füllten das Formular aus, und nach ungefähr 30 Minuten rief tatsächlich jemand an und teilte uns mit, dass Hilfe organisiert werde. Den Fortschritt konnte man online beobachten. Dort stand erst „Hilfe wird organisiert“, dann „Ihre Hilfe ist unterwegs“ und schließlich plötzlich „Fall abgeschlossen“. Nun kann man sich ungefähr vorstellen, wie begeistert man ist, wenn man inzwischen seit anderthalb Stunden hinter der Leitplanke steht und das System einem mitteilt, dass die Sache erledigt sei. Offenbar hatte das Formular unser Wohnmobil bereits geistig repariert, während wir noch danebenstanden.

Dabei hatten wir die ganzen Tage ungefähr 40 Grad im Schatten und nur Sonne gehabt. Aber kaum bleiben wir mit dem Wohnmobil liegen, ziehen natürlich genau dort dunkle Wolken auf, und es fängt richtig stark an zu regnen. Wir standen also in unseren rosa Warnwesten hinter der Leitplanke, wurden langsam eingeweicht und beobachteten auf dem Handy, wie unser angeblich abgeschlossener Fall keinerlei Anstalten machte, uns von dort wegzubringen. Irgendwo saß Herr Natas vermutlich im Trockenen und lachte sich kaputt.

Also eröffneten wir einen neuen Fall. Nach ungefähr 20 Minuten kam tatsächlich ein ganz normales ADAC-Fahrzeug angefahren. Kein gewaltiger Spezialabschlepper, kein Tieflader und auch kein Schwertransport mit drei Begleitfahrzeugen. Einfach eines dieser üblichen kleinen ADAC-Autos. Der Mitarbeiter war ausgesprochen nett. Ich erklärte ihm, dass ich mir ziemlich sicher sei, dass lediglich der Kupplungszug ausgehängt sei. Er meinte nur: „Schauen wir mal.“

Dann schleppte er mein riesiges Wohnmobil mit seinem kleinen Fahrzeug ungefähr 1.000 Meter bis zur nächsten Abfahrt und weiter auf den Parkplatz eines Gewerbeparks. Auf gerader Strecke rollt offenbar selbst ein Einfamilienhaus auf Rädern irgendwann los, wenn vorne jemand entschlossen genug zieht. Für Außenstehende muss das ausgesehen haben, als würde ein Dackel einen Elefanten spazieren führen.

Im ersten Kommentar seht ihr ein Video, wie ich vom ADAC abgeschleppt werde.

Auf dem Parkplatz legte sich der ADAC-Mitarbeiter unter das Wohnmobil und stellte fest: Ja, du hast recht. Der Kupplungszug war tatsächlich nur ausgehängt. Er kroch wieder hervor, ging ins Fahrerhaus und versuchte, ihn am Kupplungspedal einzuhängen. Das funktionierte zunächst nicht. Also wieder unter das Fahrzeug, den Zug dort vollständig ausgehängt, zurück ins Fahrerhaus, oben eingehängt, erneut unter das Wohnmobil gekrochen und den Zug unten wieder befestigt. Das war es. Keine neue Kupplung, kein Getriebeausbau, kein dreiwöchiger Werkstattaufenthalt und auch keine Rechnung, bei der man überlegen muss, ob man dafür lieber das Wohnmobil oder gleich eine Niere verkauft.

Hier ist es natürlich von Vorteil, wenn man zumindest ein wenig Ahnung hat und dem Pannenhelfer sagen kann, wo das Problem vermutlich liegt. Hätten wir das Wohnmobil einfach in irgendeine Werkstatt schleppen lassen, hätte die Geschichte möglicherweise ganz anders ausgesehen. Vielleicht hätte man dort ebenfalls nur den Zug eingehängt. Vielleicht hätte aber auch jemand mit bedeutungsvoller Miene erklärt, die Kupplung müsse komplett erneuert werden, das Getriebe sehe ebenfalls verdächtig aus und vorsichtshalber sollte man noch die Rückleuchten tauschen. Man weiß es nicht. Menschen entwickeln beim Anblick eines gestrandeten Wohnmobils schließlich gelegentlich eine bemerkenswerte Fantasie.

Der Mitarbeiter nahm meine Personalien auf und glich alles ab. Ich drückte ihm noch 20 € in die Hand, weil gute Arbeit auch anerkannt werden darf, und anschließend fuhren wir wieder Richtung Heimat. Die Kupplung funktionierte einwandfrei, und es gab auf der gesamten restlichen Strecke keine weiteren Probleme. Eine Reparatur von wenigen Minuten, die uns im ungünstigsten Fall wahrscheinlich ein kleines Vermögen hätte kosten können.

Unter meinem gestrigen Beitrag schrieben einige, der ADAC würde ein Fahrzeug grundsätzlich nur bis zur nächsten Werkstatt schleppen, dabei dürften höchstens 300 € an Kosten entstehen, und einen Transport in die Heimat gäbe es nicht. Das stimmt so nicht. Richtig ist: Für das unmittelbare Abschleppen nach einer Panne übernimmt der ADAC bis zu 300 €. Abgeschleppt wird normalerweise zur nächsten geeigneten Werkstatt beziehungsweise zu einem anderen gewünschten Ort, sofern dieser nicht weiter entfernt liegt. Die Abschleppkosten dürfen durchaus höher sein, nur übernimmt der ADAC dann eben nicht automatisch alles oberhalb der 300 €.

Etwas völlig anderes ist der spätere Fahrzeugtransport im Rahmen einer Plus- oder Premium-Mitgliedschaft. Kann das Fahrzeug in Deutschland am Tag nach dem Schaden nicht wieder fahrbereit gemacht werden, besteht grundsätzlich Anspruch auf den Transport zu einer Reparaturwerkstatt in Wohnortnähe. Im Ausland gilt dafür eine Frist von drei Werktagen. Genau diese beiden Leistungen werden unter Facebook-Beiträgen gern durcheinandergeworfen, weil Vertragsbedingungen offenbar schwerer zu verstehen sind als ein 5,5-Tonnen-Wohnmobil abzuschleppen.

Auch mein Wohnmobil fällt grundsätzlich darunter, denn bei Wohnmobilen gelten zwar Größen- und Gewichtsgrenzen, aber 5,5 Tonnen sind noch nicht das Problem. Einen Leihwagen, die Heimreise oder eine Übernachtung gibt es allerdings nicht einfach immer automatisch und unbegrenzt. Dafür gelten Bedingungen, und die Leistungen hängen von der Mitgliedschaft ab. Bei Plus oder Premium kann man diese Zusatzleistungen aber grundsätzlich bekommen, wenn das Fahrzeug nicht kurzfristig wieder fahrbereit ist.

Der ADAC-Mitarbeiter erklärte mir außerdem, dass bei besonders teuren Rücktransporten in Einzelfällen wohl geschaut wird, was sinnvoller ist. Denn ein Transport meines Wohnmobils von Lübeck bis in die Nähe von Finsterbergen kostet den ADAC schnell mehrere Tausend Euro. Dass sie sich dann in manchen Fällen lieber an einer Reparatur beteiligen würden, mag sein, aber darauf hat man keinen festen Anspruch. Das wäre reine Kulanz und kein Automatismus. Auch das muss man klar sagen, bevor wieder einer in den Kommentaren den Paragraphen-Reiter spielt.

Am Ende hatten wir großes Glück. Der Kupplungszug war nur ausgehängt, der ADAC-Mitarbeiter wusste genau, was er tat, und nach wenigen Minuten konnten wir weiterfahren. Dafür standen wir vorher allerdings anderthalb Stunden im Regen hinter der Leitplanke, eröffneten zwei digitale Pannenfälle und sahen dabei zu, wie das Internet unsere Panne bereits für beendet erklärte. So sieht Fortschritt aus: Das Wohnmobil ist kaputt, der Mensch ist nass, aber wenigstens war das Onlineformular zufrieden.


Veröffentlicht mit Welako