𝗪𝗲𝗿 𝗔𝗳𝗗 𝘄𝗮̈𝗵𝗹𝘁, 𝗵𝗮𝘁 𝗮𝗹𝘀𝗼 𝗸𝗲𝗶𝗻 𝗴𝘂𝘁𝗲𝘀 𝗞𝗮𝗿𝗺𝗮 𝗺𝗲𝗵𝗿?
Manchmal bekommt man Nachrichten, da fragt man sich wirklich, ob das jetzt noch ernst gemeint ist oder ob irgendwo eine versteckte Kamera läuft.
Es geht um eine Person, die mir seit Jahren folgt. Eine Person, an deren Bekannte ich vor einiger Zeit ein Lebensmittelpaket verschickt habe. Kostenlos. Sie hatte damals 10 Euro für die Versandkosten auf das Vereinskonto überwiesen, was völlig in Ordnung war. Aber ich habe vorher nicht gefragt, welche Partei dort gewählt wird.
Und genau so halte ich es grundsätzlich. Ob Lebensmittelpaket oder kostenloser Ferienplatz: Hautfarbe, Religion, ethnische Herkunft oder politische Gesinnung spielen für mich keine Rolle. Selbst wenn ich es wüsste, würde es an meiner Entscheidung nichts ändern. Wer Hilfe braucht und wer in das Projekt passt, dem helfe ich, soweit es mir möglich ist.
Bei mir gibt es keinen Gesinnungstest vor dem Lebensmittelpaket und keine politische Eingangskontrolle am Ferienhaus. Ich frage nicht, ob jemand die Katzenstreichelpartei wählt, die Partei „Wir lieben den bösen Wolf“ oder die große Bewegung „Hauptsache, alle anderen sind schuld“.
Mir ist das nämlich grundsätzlich egal.
Und genau deshalb enttäuscht mich so etwas besonders.
Bin ich ein anderer Mensch, nur weil ich offen schreibe, dass ich bei der nächsten Wahl höchstwahrscheinlich der AfD meine Stimme geben werde? Bin ich deshalb plötzlich nicht mehr sozial eingestellt? Helfe ich deshalb nicht mehr? Fange ich jetzt Katzen in der Nachbarschaft ein oder mache aus Eichhörnchen Eintopf?
Nein.
Ich bin derselbe Mensch wie vorher. Nur mit einer politischen Entscheidung, die einigen offenbar nicht passt. Und für manche scheint genau das schon unerträglich zu sein.
Ich mache daraus kein Geheimnis. Warum auch? Ich habe mir das Wahlprogramm angeschaut. Ich sage nicht, dass dort alles perfekt ist. Ich sage auch nicht, dass danach automatisch alles besser wird. Vielleicht enttäuschen sie genauso wie andere Parteien vorher. Vielleicht wird manches besser, vielleicht manches schlechter. Das wird man sehen.
Aber ich entscheide nicht nach hysterischen Schlagworten, sondern danach, was ich selbst lese, denke und für richtig halte.
Ich habe in den letzten Jahren genug Parteien erlebt, die vor der Wahl das eine erzählt und nach der Wahl das Gegenteil gemacht haben. Auch Parteien, mit denen ich sympathisiert habe, haben mich enttäuscht. Gerade hier in Thüringen hatte ich oft das Gefühl, dass es am Ende weniger um die Menschen ging und mehr um Posten, Macht und Absprachen im stillen Kämmerlein.
Aber wenn man darüber spricht, ist man unbequem.
Und wenn man dann sagt, dass man vielleicht einer anderen Partei eine Chance geben will, ist man plötzlich der böse Mensch. Dann zählt die Hilfe nicht mehr. Dann zählt nicht mehr, dass man sich seit Jahren für soziale Projekte den Hintern aufreißt. Dann zählt nur noch, wo man eventuell sein Kreuz machen könnte.
In der Nachricht stand sinngemäß, man habe mir eigentlich bei meinem Häuschen unter die Arme greifen wollen, aber jetzt habe niemand mehr Bock.
Ach so. Na dann bin ich ja froh, dass diese große Hilfsarmee, die offenbar jahrelang unsichtbar im Gebüsch lag, ihren Einsatz nun offiziell abgesagt hat.

Ich wusste nicht einmal, dass sie unterwegs war.
Die Leute wohnen nicht weit weg. Sie wussten, dass ich gesundheitlich oft kaum noch konnte. Sie wussten, dass ich mit dem Ferienhausprojekt seit Jahren kämpfe. Sie wussten, wie viel Arbeit hier liegt. Hilfe gesehen habe ich keine. Hilfe geleistet habe ich aber schon.
Das sind eben die kleinen feinen Unterschiede.
Und genau deshalb fühlte sich diese Nachricht für mich nicht einfach nur wie Kritik an. Kritik kann ich ab. Andere Meinungen kann ich ab. Aber das hier fühlte sich an, als ob mir jemand mit Anlauf in den Allerwertesten getreten hat und danach noch freundlich hinterherruft, man habe es doch eigentlich nur gut gemeint.
Besonders schräg fand ich den Satz, dass jemand, der nicht versteht, was die AfD bedeutet, das gute Karma nicht bekommen soll. Und danach dann noch ein „Dir alles Gute“ mit Kleeblatt.
Ich unterstelle nicht, dass damit gemeint war, mein Gesundheitszustand solle sich verschlechtern. Aber wenn man einem gesundheitlich angeschlagenen Menschen erst schreibt, er solle kein gutes Karma bekommen, und danach ein Glückssymbol anhängt, wirkt das schon ziemlich daneben. Vielleicht war es nett gemeint. Vielleicht sollte es versöhnlich wirken. Vielleicht war es auch nur diese moderne Art von: „Ich wünsche dir alles Gute, aber eigentlich hast du es nicht verdient.“
Man weiß es nicht. Menschen schaffen es inzwischen sogar, ein Kleeblatt passiv-aggressiv wirken zu lassen. Auch eine Leistung.
Für mich zeigt das sehr schön, wie weit Toleranz bei manchen Menschen wirklich reicht.
Solange man genau das sagt, was sie hören wollen, ist man sozial, gut und menschlich. Sobald man politisch anders denkt, ist plötzlich alles vorbei. Dann zählt nicht mehr, wer man ist. Dann zählt nur noch, was man vielleicht wählen könnte.
Das ist für mich keine Toleranz.
Das ist moralische Erpressung mit Schleifchen drum.
Man kann mit mir über alles reden. Man kann anderer Meinung sein. Man kann mir sagen, dass man meine Entscheidung falsch findet. Damit habe ich kein Problem. Aber dieses hintenrum, dieses moralische Aburteilen, dieses „Wir hätten dir ja geholfen, aber nun nicht mehr“, das ist einfach enttäuschend.
Und ja, ich bin sauer.
Nicht, weil mir jemand entfolgt. Das ist mir egal. Jeder darf gehen, wohin er möchte. Aber ich bin enttäuscht, wenn Menschen, die jahrelang mitlesen, die Hilfe erlebt haben und wissen, wie ich ticke, mich plötzlich auf ein mögliches Kreuz auf einem Wahlzettel reduzieren.
Ich bleibe trotzdem der, der ich bin.
Ich helfe weiter, wo ich helfen kann. Ich sage weiter offen, was ich denke. Und ich werde auch weiterhin niemanden vorher fragen, welche Partei er wählt, bevor ich ihm helfe.
Denn genau das ist für mich sozial.
Nicht nur dann tolerant sein, wenn alle brav dasselbe denken. Sondern auch dann anständig bleiben, wenn man unterschiedlicher Meinung ist.
Alles andere ist keine Haltung.
Das ist nur Gruppenkuscheln mit moralischem Zeigefinger.
Und damit jeder weiß, worauf ich mich beziehe, hier die komplette Nachricht, die ich erhalten habe:
„Ich werde dir nun entfolgen, obwohl ich deine soziale Ader wirklich grossartig fand. Immerhin habe ich wenigstens 2 Kommentare da gelassen, damit du etwas verdienst. Aber wer nicht versteht was die AfD bedeutet soll das gute Karma nicht bekommen. Dir trotzdem alles Gute , aber so eine Hetze zu betreiben ist für mich nicht okay. Es tut mir leid das du gesundheitlich keine andere Arbeit mehr findest als mit Klicks dein Geld zumachen. Eigentlich hatten wir vor dir ordentlich unter die Arme zu greifen bei deinem Häuschen, aber nun hat niemand mehr Bock. Dir alles Gute 🍀“
Veröffentlicht mit Welako
„Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich ein Schwein an ihr reibt?“