𝗪𝗶𝗲 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗲 𝗦𝘁𝘂𝗻𝗱𝗲𝗻 𝗽𝗮𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗶𝗻 𝗲𝗶𝗻 𝗕𝘂𝗰𝗵? 📖

in #deutsch20 hours ago

Hier könnt ihr einmal sehen, wie später eine Buchseite mit einer der Kapitelzeichnungen aussehen soll. Ja, die Zeichnung wurde am Computer erstellt. Nein, der Computer hat das nicht einfach allein gemacht, auch wenn manche sich das vermutlich so vorstellen: Knopf drücken, Kaffee trinken und fünf Minuten später liegt das fertige Kunstwerk auf dem Bildschirm. Schön wäre es. Ich habe daran fast einen halben Tag gesessen, immer wieder verändert, verworfen, neu angefangen und zwischendurch vermutlich öfter mit dem Rechner diskutiert als mit vernünftigen Menschen.

Ganz so, wie ich sie mir vorgestellt habe, ist die Zeichnung noch immer nicht. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Entweder man lässt es gut sein oder man verbringt den Rest seines Lebens damit, an einem Feuerwerkskörper im Hintergrund noch drei Striche zu verändern.

Was haltet ihr von diesem Stil?

Die Zeichnung gehört zu Kapitel 15 von insgesamt 37 Kapiteln. Dazu kommen noch die Einleitung, der Epilog und ein Nachtrag. Aktuell umfasst das Buch 566 Seiten. Wer jetzt denkt, ich hätte damit langsam genug geschrieben, kennt offenbar meinen Hang nicht, aus einem einfachen Gedanken noch drei weitere Kapitel herauszuholen.

Die ersten Kapitel sind weitgehend autobiografisch, später wird das Ganze dann fiktiv-autobiografisch. Oder einfacher gesagt: Am Anfang ist vieles tatsächlich so passiert, und irgendwann beginnt die Frage, was geschehen wäre, wenn die Geschichte einen anderen Weg genommen hätte.

Auf dem Bild seht ihr meine damalige und auch heutige Freundin und mich an Silvester 1999. Ja, man mag es kaum glauben: Wir sind inzwischen seit fast 40 Jahren zusammen. Vierzig Jahre. Wenn man das so hinschreibt, klingt es, als müssten wir beide längst unter Denkmalschutz stehen.

Sie war damals hochschwanger, und 24 Tage später erblickte unser Sohn das Licht der Welt. Wir feierten also die sogenannte Jahrtausendwende von 1999 auf 2000, obwohl das neue Jahrtausend rechnerisch eigentlich erst ein Jahr später begann. Aber gegen drei Nullen, Feuerwerk, Alkohol und die allgemeine Begeisterung hatte die Mathematik damals keine Chance. Vermutlich wollte auch niemand derjenige sein, der kurz vor Mitternacht auf einen Tisch steigt und ruft: „Entschuldigung, ihr feiert alle ein Jahr zu früh!“

Ich muss sagen, dass mir die Arbeit an der Bebilderung inzwischen fast genauso viel Spaß macht wie das Schreiben selbst. Man darf nur auf keinen Fall anfangen, die Stunden zusammenzurechnen. Das wäre vermutlich der Moment, in dem mir auffallen würde, dass andere Menschen in dieser Zeit ein Haus gebaut, eine Fremdsprache gelernt oder wenigstens den Keller aufgeräumt hätten. Ich habe stattdessen an Schraffuren, Gesichtern, Straßenschildern und der Frage gearbeitet, ob ein Feuerkorb im Jahr 1999 wirklich genau so ausgesehen haben könnte.

Aber diese vielen Stunden haben mir auch unglaublich viele Erinnerungen zurückgebracht. Beim Schreiben und Zeichnen beginnt man automatisch darüber nachzudenken, was gewesen wäre, wenn wir geblieben wären. Wenn es diese Wiedervereinigung, sofern man sie so nennen möchte, nicht gegeben hätte. Wenn die DDR weiterbestanden und vielleicht einen dritten Weg eingeschlagen hätte.

Natürlich ist das alles Fiktion.

Aber manchmal bin ich nach dem Schreiben eingeschlafen, habe von dieser anderen Wirklichkeit geträumt und bin am nächsten Morgen aufgewacht, während diese Welt für ein paar Sekunden noch da war. Und dann war ich manchmal tatsächlich traurig, weil sie eben nur in diesem Buch existiert.

Auf dem Bild seht ihr eine kleine Leseprobe von Seite 209. Wer wissen möchte, wie diese Geschichte weitergeht, kann das Buch inzwischen vorbestellen.

Mir ist bewusst, dass es ein Nischenprodukt ist. Aber gerade in dieser Form dürfte es auf dem deutschen Buchmarkt tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal haben: ein umfangreicher fiktiv-autobiografischer Roman über eine DDR, die nicht verschwunden ist, sondern sich weiterentwickelt hat.

Bis Ende des Monats kostet das Buch noch 35 Euro zuzüglich Versand. Danach steigt der Preis auf 39 Euro. Der spätere Buchhandelspreis wird bei 44,90 Euro liegen.

Geplant ist eine wirklich hochwertige Ausgabe. Bei 566 Seiten sind 35 Euro daher tatsächlich ein Schnäppchen. Vorausgesetzt natürlich, der Inhalt interessiert einen. Als Türstopper wäre das Buch bei dem Umfang vermutlich ebenfalls geeignet, aber dafür wäre mir die ganze Arbeit dann doch ein wenig zu schade.

https://ddr20buch.de/


Veröffentlicht mit Welako