𝗚𝗼𝗲𝘁𝗵𝗲, 𝗦𝗰𝗵𝗶𝗹𝗹𝗲𝗿 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗿 𝗮𝗹𝘁𝗲 𝗠𝗮𝗻𝗻

in #deutschyesterday

𝗮𝘂𝘀 𝗱𝗲𝗺 𝘁𝗶𝗲𝗳𝗲𝗻 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗻 𝗪𝗮𝗹𝗱 📚😂

Was ist Weimar bitte für ein schönes Städtchen? Ich war gestern wirklich dermaßen positiv überrascht, dass ich schon überprüfen musste, ob wir tatsächlich in Thüringen gelandet sind oder das Navigationsgerät uns heimlich irgendwo in Südeuropa abgesetzt hat.

Das letzte Mal war ich zu DDR-Zeiten hier. Das ist inzwischen so lange her, dass Goethe und Schiller damals vermutlich auch noch etwas frischer aussahen. Wobei ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen möchte. Wenn ich mir das heutige Foto anschaue, haben die beiden die vergangenen Jahrzehnte jedenfalls deutlich besser überstanden als ich.

In der Altstadt reiht sich tatsächlich ein Lokal an das nächste. Restaurants, Cafés, Weinstuben und Kneipen, wohin man schaut. Ich hatte gestern schon das Gefühl, es müssten mindestens 50, 80 oder vielleicht sogar 100 sein. Für ganz Weimar werden tatsächlich fast 100 Möglichkeiten zum Abendessen aufgeführt. Ich war also nicht einmal betrunken, als ich das geschätzt habe. Zumindest nicht sehr.

Und die Lokale waren keineswegs leer. Überall saßen Menschen, vor einigen Gaststätten und auf den Plätzen gab es Livemusik, und auf den Grünflächen lagen Studenten aus aller Welt. Einige mit einem Fläschchen Wein, andere mit Gitarren und vermutlich alle mit deutlich weniger Rückenproblemen als ich.

Alles wirkte völlig entspannt. Niemand schrie herum, niemand prügelte sich um einen Parkplatz, und offenbar kontrollierte auch keiner, ob das mitgebrachte Getränk ordnungsgemäß versteuert worden war. Fast schon verdächtig friedlich.

Ungelogen: Das ganze Flair erinnerte mich ein wenig an Griechenland. Dort gingen wir meistens auch erst gegen 20 oder 21 Uhr zum Essen oder auf ein Glas Wein los. Gestern Abend sah es in Weimar ganz ähnlich aus. Die Plätze waren voll, die Lokale gut besucht, überall wurde gegessen, getrunken und geredet. Nur das Meer fehlte. Aber irgendeinen kleinen Mangel findet der Deutsche ja immer.

Sogar die Preise waren überraschend angenehm. Vermutlich liegt es an der großen Konkurrenz. Wenn neben deinem Restaurant noch zwölf weitere Lokale stehen, kannst du für ein Bier eben nicht den Gegenwert eines Kleinwagens verlangen. Eine Erkenntnis, die sich in manchen deutschen Urlaubsregionen offenbar noch nicht herumgesprochen hat.

So dumm es klingt: Hier könnte ich mir tatsächlich vorstellen, längere Zeit zu verbringen. Vielleicht sogar meinen Altersruhesitz. Ein kleines Zimmer mitten in der Altstadt, unten eine Kneipe, gegenüber ein Café und der Friedhof praktischerweise auch nicht weit entfernt. Man muss im Alter schließlich auf kurze Wege achten.

Außerdem bin ich inzwischen ein weltbekannter Schriftsteller. Zumindest in meinem eigenen Facebook-Universum und in einzelnen Teilen des tiefen dunklen Thüringer Waldes. Die Stadt Weimar hat mich vorsorglich schon gemeinsam mit Goethe und Schiller verewigt, wie man auf dem Foto eindeutig erkennen kann.

Gut, ich stehe nur vor dem Denkmal. Aber bei historischen Aufnahmen kommt es bekanntlich auf die Perspektive an.

Goethe und Schiller hätten mich damals sicherlich freundlich aufgenommen. Vermutlich hätten wir gemeinsam über Literatur gesprochen, einen Wein getrunken und anschließend hätten sie mich gebeten, nicht jeden Gedanken sofort auf Facebook zu veröffentlichen.

Es ist jetzt kurz vor neun Uhr. Der alte Mann ist selbstverständlich längst wach und wartet nur noch darauf, dass die Freundin endlich aus ihrem Schönheitsschlaf erwacht. Danach laufen wir wieder hinunter ins Städtchen, holen uns die WeimarCard Plus und schauen uns an, was diese Stadt außer Kneipen, Wein und steinernen Schriftstellerkollegen noch zu bieten hat.

Ich werde euch natürlich weiterhin den ganzen Tag mit Bildern und Beiträgen nerven. Aber eine Handvoll Menschen freut sich ja tatsächlich immer darüber, wenn ich etwas schreibe.

Und genau diese Handvoll nehme ich gerne mit auf unsere Reise. Der Rest kann wenigstens später behaupten, er sei vor mir gewarnt worden. 😂

#lifestyle #Weimar #Kurzurlaub


Veröffentlicht mit Welako