𝗩𝗼𝗺 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗪𝗼𝗿𝘁 𝗯𝗶𝘀 𝘇𝘂𝗺 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴

in #deutsch19 hours ago

𝗩𝗼𝗺 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗪𝗼𝗿𝘁 𝗯𝗶𝘀 𝘇𝘂𝗺 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴 – 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝘀 𝗕𝘂𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗶𝗰𝗵 𝘄𝗶𝗿𝗸𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘃𝗼𝗻 𝗚𝗿𝘂𝗻𝗱 𝗮𝘂𝗳 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁 𝗮𝘂𝗳𝗴𝗲𝗯𝗮𝘂𝘁 📖

Auf dem Bild seht ihr eine Musterseite aus meinem Buch. So oder zumindest sehr ähnlich soll es später aussehen, wenn man das fertige Buch in den Händen hält.

Und ja, ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich mir diese Seite anschaue, bin ich inzwischen doch ein wenig stolz darauf, was in den vergangenen ungefähr zwölf Monaten entstanden ist.

Nicht deshalb, weil nun irgendein Computer ein paar Wörter zusammengesetzt und dazu ein hübsches Bild ausgespuckt hätte. So stellen sich das manche Menschen heute offenbar vor. Drei Begriffe eingeben, fünf Sekunden warten, fertig ist das Buch. Wenn es so einfach wäre, hätte inzwischen vermutlich jeder zweite Facebook-Kommentator bereits einen Literaturpreis gewonnen.

Angefangen hat alles tatsächlich mit dem ersten Wort, das ich geschrieben habe. Danach kam Satz für Satz, Seite für Seite und Kapitel für Kapitel. Irgendwann waren es weit über 100.000 Wörter, mehr als 500 Seiten und eine Geschichte, die längst viel größer geworden war, als ich ursprünglich geplant hatte.

Aber mit dem Schreiben allein ist ein Buch noch lange nicht fertig. Eigentlich beginnt danach erst der Teil, von dem ein Leser später möglichst überhaupt nichts bemerken soll.

Welches Format soll das Buch haben? Wie breit dürfen die Seitenränder sein? Welche Schrift ist auch nach 500 Seiten noch angenehm zu lesen? Wie groß müssen die Zeilenabstände sein? Wie weit steht die Kapitelüberschrift unter der Illustration? Wie groß wird der Anfangsbuchstabe? Über wie viele Zeilen soll er laufen? Wie viel Weißraum braucht eine Seite, damit sie nicht vollgestopft wirkt, aber auch nicht aussieht, als hätte man für 500 Seiten nur 300 Seiten Text gehabt?

Dinge, über die ich früher kaum nachgedacht hätte, beschäftigen mich inzwischen stundenlang. Vermutlich könnte ich mittlerweile über den Abstand zwischen einer Kapitelvignette und einer Überschrift länger diskutieren als andere Menschen über ihre Ehe.

Auch die Musterseite, die ihr hier seht, ist nicht einfach zufällig entstanden. Die Abstände, die Größe der Illustration, die Typografie, der große Anfangsbuchstabe und der gesamte Aufbau wurden immer wieder verändert, geprüft und miteinander verglichen.

Ich habe mir angesehen, wie andere Bücher gestaltet sind, welche Stilrichtungen funktionieren und was für mein eigenes Buch überhaupt passend wäre. Ich habe mich mit Fachleuten ausgetauscht, Fragen gestellt, Muster verglichen und mir erklären lassen, weshalb manche Dinge im Druck völlig anders aussehen als auf einem hellen Computermonitor.

Denn mein Buch soll nicht aussehen wie irgendein modernes Taschenbuch, das man heute druckt, morgen verkauft und übermorgen vergessen hat.

𝗜𝗰𝗵 𝗺ö𝗰𝗵𝘁𝗲, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗲𝘀 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗼 𝗮𝗻𝗳ü𝗵𝗹𝘁, 𝗮𝗹𝘀 𝗵ä𝘁𝘁𝗲 𝗺𝗮𝗻 𝗲𝗶𝗻 𝗕𝘂𝗰𝗵 𝗮𝘂𝘀 𝗱𝗲𝗺 𝗝𝗮𝗵𝗿 𝟭𝟵𝟴𝟬 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗛𝗮𝗻𝗱 – 𝗵𝗲𝗿𝗮𝘂𝘀𝗴𝗲𝗴𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘃𝗼𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝗗𝗗𝗥-𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴.

Genau deshalb wurde auch das Papier nicht einfach nach dem Grundsatz ausgesucht: Hauptsache billig und irgendwie bedruckbar.

Ich habe mir verschiedene Papiermuster zuschicken lassen, sie angefasst, gegeneinander gehalten und betrachtet, wie Schwarz darauf wirkt. Das Papier soll nicht kaltweiß und klinisch aussehen wie frisch aus einem Laserdrucker. Es soll einen warmen, leicht cremefarbenen Ton haben, angenehm in der Hand liegen und dem Buch genau diese ältere, vertraute Anmutung geben.

Es soll beim Aufschlagen nicht nach Bürobedarf aussehen, sondern nach Buch.

Auch die Typografie wurde bewusst danach ausgewählt. Keine verspielte moderne Schrift, keine Gestaltung, die den Leser alle drei Seiten daran erinnert, wie kreativ der Layouter gern sein möchte. Die Schrift soll ruhig, klassisch und selbstverständlich wirken. So, wie man es aus Büchern kennt, die vor Jahrzehnten in Verlagen der DDR erschienen sind.

Man soll das Buch aufschlagen und sofort dieses vertraute Gefühl haben: Das kenne ich. So sahen Bücher damals aus.

Natürlich wird es kein billiger Nachdruck alter Gestaltung. Die Lesbarkeit muss heutigen Ansprüchen entsprechen, die technischen Vorgaben der Druckerei müssen stimmen und die Illustrationen müssen sauber gedruckt werden. Aber der Charakter soll ganz bewusst an jene Zeit erinnern.

Deshalb habe ich auch meinen selbst gegründeten Verlag nicht nach irgendeinem modernen Fantasiewort benannt, das klingt wie ein Internetanbieter für Nahrungsergänzungsmittel.

Er heißt:

𝗢𝘀𝘁𝘇𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴 – 𝗣𝘂𝗯𝗹𝗶𝗸𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝗲𝗻 𝘇𝘂𝗿 𝗗𝗗𝗥

Der Name beschreibt genau das, worum es mir geht. Bücher über ostdeutsche Geschichte, Erinnerungen, Lebenswege und Gedanken darüber, was aus diesem Land hätte werden können.

Auch die Illustrationen entstehen nicht nebenbei. Mehr als 30 Zeichnungen fehlen noch, vier sind bereits fertig. Jede einzelne muss zum jeweiligen Kapitel passen, die richtige Stimmung treffen und technisch so umgesetzt werden, dass sie später im Offsetdruck nicht zu einem grauen Fleck wird.

Die Zeichnungen bestehen aus sehr vielen feinen schwarzen Linien und Schraffuren. Auf dem Bildschirm kann das hervorragend aussehen. Beim Druck saugt das Papier jedoch Farbe auf. Sind Linien zu fein oder liegen zu dicht nebeneinander, verschwinden Einzelheiten und aus einer sorgfältig ausgearbeiteten Szene wird im schlimmsten Fall etwas, das aussieht, als hätte jemand mit einem nassen Lappen darübergewischt.

Deshalb arbeite ich mit einer sehr hohen Auflösung und werde entsprechende Probedrucke anfertigen lassen. Das kostet mehrere Hundert Euro, obwohl man am Ende vielleicht nur einige bedruckte Seiten in der Hand hält. Aber lieber bezahle ich vorher für vernünftige Drucktests, als später 500 Bücher geliefert zu bekommen und festzustellen, dass sämtliche Illustrationen aussehen wie Nebel über dem Thüringer Wald.

Neben dem Manuskript, dem Layout und den Zeichnungen ist außerdem der gesamte Rest entstanden: der eigene Verlag, die Suche nach einer geeigneten Druckerei, die Kalkulation der Auflage, die Planung des Versands, der Vorverkauf, die Internetseite und ein System, über das Vorbesteller später das Buch bereits vorab lesen und mir ihre Gedanken zu den Kapiteln mitteilen können.

Ich arbeite außerdem an einer Plattform, über die Autoren künftig ihre Texte als E-Book anbieten und direkt mit Lektoren oder Korrektoren zusammenarbeiten können. Auch dieses System entsteht nicht über Nacht, obwohl moderne Werbung gern behauptet, man könne heute praktisch alles mit drei Mausklicks erledigen.

Man kann mit drei Mausklicks sehr viel anfangen.

Das Problem sind gewöhnlich die folgenden dreitausend.

𝗘𝗶𝗻 𝗲𝗵𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗚𝗲𝗱𝗮𝗻𝗸𝗲 𝘇𝘂𝗺 𝗦𝗰𝗵𝗹𝘂𝘀𝘀

Wenn ich irgendwann das erste fertig gedruckte Exemplar in den Händen halte und es wirklich so aussieht und sich so anfühlt, wie ich es mir seit Monaten vorstelle, wird das vermutlich einer jener seltenen Momente sein, in denen selbst ich für einige Sekunden nichts zu meckern habe.

Dann halte ich nicht einfach nur ein Buch in der Hand.

Ich halte etwas in der Hand, das ich vom ersten Wort bis zur letzten Seite selbst aufgebaut habe. Die Geschichte, den Stil, die Gestaltung, die Illustrationen, das Papier, den Verlag und alles, was im Hintergrund dazugehört.

Natürlich habe ich mir Rat geholt, Fachleute befragt und mich mit Menschen ausgetauscht, die von Druck, Papier und Buchgestaltung wesentlich mehr verstehen als ich. Alles andere wäre Größenwahn. Aber jede Entscheidung habe ich am Ende selbst getroffen, weil es mein Buch ist und weil ich möchte, dass man genau das später auch merkt.

Ob das Ergebnis am Ende wirklich so gut aussieht wie diese Musterseite, wird sich erst beim fertigen Druck zeigen. Ich hoffe es sehr. Eine Garantie gibt es bei einem solchen Projekt nie.

Aber ich weiß bereits jetzt: Mehr Sorgfalt, Zeit und Herzblut hätte ich kaum hineinstecken können.

Das Buch erscheint in einer kleinen Auflage von zunächst 500 Exemplaren. 152 davon sind bereits vorbestellt, obwohl noch kein einziges Buch gedruckt wurde. Auch darauf bin ich ehrlich gesagt ziemlich stolz, denn offenbar gibt es genügend Menschen, die mir zutrauen, dieses Projekt genauso zu Ende zu bringen, wie ich es begonnen habe.

Vorbestellen könnt ihr das Buch hier:

https://ddr20buch.de/


Veröffentlicht mit Welako