𝗜𝗰𝗵 𝘄𝗼𝗹𝗹𝘁𝗲 𝗲𝘂𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗻𝘂𝗿 𝗲𝗶𝗻 𝗕𝗼𝗼𝘁 𝘇𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻
… 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝗸𝗮𝗺 𝗺𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗱𝗮𝘇𝘄𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 😂🚤🇬🇷
Google Fotos hat ja diese wunderbare Funktion, einem vollkommen ungefragt mitzuteilen, wie erschreckend lange gewisse Dinge schon her sind. Andere Apps zeigen einem Werbung. Google zeigt einem dagegen direkt die eigene Vergänglichkeit. 😂
Heute kam dieses Bild: vor 19 Jahren aufgenommen.
Neunzehn!
Ich habe fast einen Schreck bekommen. Ich hätte jetzt vielleicht mit acht, neun oder meinetwegen zwölf Jahren gerechnet. Aber 19? Da hätte Google wenigstens vorher fragen können, ob mein Kreislauf stabil ist.
Das war damals unsere Griechenland-Zeit. Wir standen sechs bis acht Monate im Jahr mit unserem großen Wohnmobil auf einem Campingplatz, der für uns so eine Art Basisstation war. Wobei „mit dem Wohnmobil“ die Sache nur sehr unzureichend beschreibt.
Wir hatten natürlich noch einen Ami-Van dabei. Für Ausflüge. Hinten konnte man per Knopfdruck die Rücksitzbank zum Bett ausfahren. Damals war das einfach eine elektrische Rückbank. Heute würde das vermutlich „Smart Sleeping Mobility System“ heißen, bräuchte eine App, ein Softwareupdate und würde nach drei Jahren wegen fehlender Serverunterstützung nicht mehr funktionieren.
Dann hatten wir noch einen alten Opel Frontera. Eine herrliche Karre. Der musste nicht schön sein, der musste funktionieren. An dem hing unser kleines Motorboot.
Also kurz zusammengefasst: großes Wohnmobil, Ami-Van, Frontera und Boot.
Andere Leute fahren mit einem Koffer nach Griechenland. Wir führten praktisch eine kleine Fahrzeugkolonne Richtung Balkan. 😂
Man hätte uns eigentlich nur noch eine Marschgenehmigung ausstellen müssen.
Die zusätzlichen Autos mussten natürlich auch irgendwie nach Griechenland kommen. Dafür fanden sich Freunde, die die Autos runterfuhren oder uns unterwegs hinterherkamen. Das klingt erstmal ziemlich clever.
Bis man feststellt, dass Autos Benzin brauchen, Versicherung kosten, repariert werden wollen und die Freunde anschließend auch irgendwie wieder nach Deutschland zurückmüssen.
Da kommt der Moment, wo aus „Wir leben frei und unabhängig“ ganz schnell „Warum zum Teufel bezahlen wir eigentlich drei Autos, ein Wohnmobil, ein Boot und noch Flugtickets?“ wird. 😂
Auf dem Bild war damals ein Kumpel mit seiner Freundin bei uns. Ich glaube, sie hatten ungefähr zwei Wochen Urlaub gemacht und sich direkt auf dem Ionion Beach Campingplatz ein kleines Apartment genommen.
Später hatten wir genau hinter dem Gelände unser Haus mit direktem Blick aufs Meer.
Das haben wir vor fünf Jahren aufgegeben.
FÜNF JAHRE!
Auch wieder so eine Zahl, bei der ich kurz überlegt habe, ob Google und mein Kalender sich gegen mich verschworen haben.
Dort steht übrigens noch immer ein alter Suzuki von mir, den ich irgendwann nach Deutschland holen wollte.
Irgendwann.
Dieses herrliche Wort, mit dem Menschen Dinge beschreiben, die sie garantiert nie mehr machen. 😂
Ich vermute, inzwischen ist das Auto weniger Fahrzeug und mehr Biotop. Wahrscheinlich wohnen dort inzwischen Eidechsen, zwei Katzen und eine griechische Großfamilie.
Wenn ich ihn heute noch nach Deutschland holen würde, müsste ich vermutlich nicht zur Zulassungsstelle, sondern zum Gartenbauamt.
Ein bisschen Erde in den Motorraum, zwei Geranien rein und fertig ist der 1,6-Liter-Suzuki-Blumenkübel. 😁
Ich habe immer wieder überlegt, irgendwann noch einmal in Griechenland zu überwintern. Einfach ein paar Monate runter, Sonne, Meer, gutes Essen und morgens darüber nachdenken, ob man heute überhaupt irgendetwas tut.
Das ist schließlich auch eine Form von Lebensplanung.
Das Problem ist nur: Meine Freundin muss sich um ihre Mutti kümmern. Eine Woche kann man mal verschwinden, irgendwo herumreisen oder Urlaub machen. Mehrere Monate sind aber eben nicht drin.
Und dann kommt natürlich noch diese ärgerliche biologische Fehlkonstruktion namens Älterwerden dazu.
Man wird nämlich nicht nur älter, man wird erstaunlicherweise auch nicht gesünder.
Hat mir vorher niemand gesagt.
Ich versuche deshalb wirklich, so viel wie möglich herumzureisen und noch Dinge zu unternehmen. Eigentlich klappt das auch ganz gut. Ich bin glücklicherweise in der Lage zu sagen: „So, ich fahre jetzt einfach los.“
Wäre da nicht diese lästige Erfindung namens Geld.
Ich habe mir zwar jede Menge Arbeit selbst aufgehalst, die ich theoretisch gar nicht machen müsste. Aber ich habe eben immer im Hinterkopf, was passiert, wenn ich irgendwann Pflege brauche.
Wenn man zwei oder drei Jahre Pflege privat bezahlen muss, löst sich nämlich eine schöne Summe Geld ungefähr so schnell in Luft auf wie ein Eisbecher im August.
Ich bekomme nach aktuellem Stand keine normale Rente, weil ich eben nicht entsprechend eingezahlt habe. Das ist völlig richtig. Wer nichts einzahlt, kann hinterher schlecht an der Tür stehen und fragen, wann das Geld kommt.
Eine Erwerbsminderungsrente gibt es ebenfalls nicht, weil mir die Anwartschaft fehlt.
Dafür darf ich meine Krankenversicherung natürlich bis ans Lebensende selbst bezahlen.
Aktuell knapp 300 Euro im Monat.
Und Krankenversicherungen sind bekanntlich sehr zurückhaltend bei Beitragserhöhungen. Die sitzen jedes Jahr zusammen und sagen: „Ach komm, dieses Jahr lassen wir Holger mal in Ruhe.“
😂😂😂
Natürlich nicht.

Wenn das irgendwann 500 Euro oder mehr im Monat sind, würde mich das ungefähr so sehr überraschen wie Regen im November.
Also wird weiter Geld verdient.
Und nein, das ist kein Gejammer. Ich komme gut zurecht und habe mir inzwischen auch ein paar Dinge aufgebaut, die hoffentlich noch eine ganze Weile funktionieren. Social Media gehört natürlich dazu. Solange Facebook nicht irgendwann morgens beschließt, dass wir alle genug miteinander geredet haben und den Laden einfach abschaltet, kann man damit durchaus noch ein bisschen Geld verdienen. 😂
Und dann ist da ja noch mein Buch, das mehr oder weniger fertig ist und noch dieses Jahr veröffentlicht wird. Und wenn der liebe Herrgott will, oder Herr Natas nicht wieder irgendeinen Vertrag mit besonders klein gedruckten Zusatzklauseln aus der Tasche zieht, soll im nächsten Jahr gleich das nächste Buch folgen. 😈😂
Das Schöne an Büchern ist nämlich: Die werden nicht automatisch schlecht, nur weil sie ein paar Jahre alt sind. Zumindest hoffe ich sehr, dass man meine auch in fünf, zehn oder vielleicht noch mehr Jahren verkauft bekommt. Das wäre natürlich ideal. Einmal die ganze Arbeit machen und anschließend über Jahre immer mal wieder ein Buch verkaufen. So ungefähr stelle ich mir vernünftige Altersvorsorge vor. Andere kaufen Aktien, ich schreibe Bücher und hoffe, dass Herr Natas die Verkaufszahlen nicht nach unten korrigiert. 😂
Und auch Social Media könnte ich theoretisch noch machen, wenn ich irgendwann im Bett liege und körperlich nicht mehr viel geht.
Solange das Oberstübchen funktioniert.
Wenn dort allerdings irgendwann die Vögel so laut zwitschern, dass ich morgens meinem Nachttisch „Guten Morgen, Herr Doktor“ sage, dem Fernseher meine Bankkarte gebe und mich mit dem Kühlschrank über meine Steuererklärung streite, wird es wahrscheinlich schwierig. 😂
Wobei ich selbst dann wahrscheinlich noch irgendeinen Facebook-Beitrag daraus machen würde:
„Heute Streit mit meinem Kühlschrank. Der Kerl wird immer unverschämter. Ganze Geschichte unten.“ 🤣
Und jetzt merkt ihr vielleicht gerade selbst, was hier passiert ist.
Ich wollte euch eigentlich nur dieses Foto zeigen.
Darauf sieht man unser kleines Motorboot, das wir damals gerade ins Wasser gelassen haben.
Mehr wollte ich überhaupt nicht erzählen.
Ein kleines Bild.
Ein Boot.
Griechenland.
Fertig.
Und ein paar Minuten später sind wir bei drei Autos, einem Wohnmobil, Pflegekosten, Krankenversicherung, Social Media, zwei Büchern, Herrn Natas, einem verwilderten Suzuki und meiner möglichen geistigen Verwirrung im hohen Alter angekommen.
Aber ihr kennt mich ja inzwischen.
Wenn ich anfange zu erzählen, weiß vorher niemand, wo wir am Ende landen.
Ich am allerwenigsten. 😂😂😂
#lifestyle #griechenland #wohnmobil
Veröffentlicht mit Welako
Se nota que viviste cada momento y no solo pasaste por los lugares para sacar fotos. Eso se valora.
Gracias por compartir este pedacito de tu viaje. Me hiciste viajar un rato desde casa sin moverme.
Great post! I really enjoyed reading your thoughts and the way you explained the topic. Thanks for sharing this with the Steem community.