𝗘𝗜𝗡 𝗞𝗟𝗘𝗜𝗡𝗘𝗥 𝗩𝗘𝗥𝗦𝗨𝗖𝗛 𝗜𝗡 𝗟𝗬𝗥𝗜𝗦𝗖𝗛𝗘𝗥 𝗣𝗥𝗢𝗦𝗔

in #deutsch7 hours ago

Was denkt ihr, welches Lied ich gerade gehört habe, das mich zu diesem Text bewegt hat? Mal sehen, ob es sich jemand denken kann, falls ihr euch das Ganze überhaupt bis zum Ende durchlest. 😄 Von wem das Lied ist und einen Link zu YouTube findet ihr im ersten Kommentar.

Eigentlich ist es ein sehr bewegendes Thema, und ich glaube, viele werden sich darin wiedererkennen. Ich selbst Gott sei Dank nicht ganz. Irgendwann hatte ich nämlich die Kurve gekriegt. Als ich 40 wurde und mein Sohn fünf Jahre alt war, habe ich mein Unternehmen verkauft. Danach waren wir sechs Jahre lang nahezu durchgehend mit dem Wohnmobil in der Weltgeschichte unterwegs und sind schließlich für 16 Jahre in Griechenland hängengeblieben. Und weil mein Sohn Freilerner war und nicht jeden Morgen in irgendeiner Schule verschwinden musste, konnten wir unglaublich viel Zeit miteinander verbringen.

Vielleicht ist genau deshalb dieses Lied bei mir hängen geblieben. Denn es erzählt im Grunde von etwas, das wahrscheinlich viel öfter passiert, als man wahrhaben möchte.

Also, ich bin gespannt, wer tatsächlich bis zum Ende liest.

𝗜𝗥𝗚𝗘𝗡𝗗𝗪𝗔𝗡𝗡 𝗪𝗔𝗥 𝗘𝗥 𝗪𝗜𝗘 𝗜𝗖𝗛

Als mein Sohn geboren wurde, glaubte ich, jetzt würde etwas Neues beginnen. Und das tat es auch. Nur merkte ich damals nicht, wie schnell dieses Neue wieder Vergangenheit werden würde. Da war dieses kleine Wesen, winzige Hände, ein Gesicht, das noch nichts von der Welt wusste. Und ich war sein Vater. Eigentlich hätte allein dieses Wort reichen müssen, um alles andere für einen Moment unwichtig werden zu lassen. Aber das Leben funktioniert selten so. Es gab Arbeit, Termine, Rechnungen und Dinge, die unbedingt erledigt werden mussten. Zumindest glaubte ich das damals.

Während ich beschäftigt war, lernte mein Sohn laufen. Dann sprechen. Dann stellte er Fragen. Viele Fragen. Kinder haben diese erstaunliche Fähigkeit, die Welt für wichtig zu halten. Einen Stein. Eine Pfütze. Einen Käfer. Fünf Minuten mit dem eigenen Vater. Für sie kann das alles gleich bedeutend sein. Für Erwachsene leider nicht. Wir haben schließlich zu tun. Und irgendwann sagte mein Sohn voller Überzeugung, dass er einmal so werden wollte wie ich. Ich glaube, damals war ich stolz darauf. Welcher Vater wäre das nicht? Der eigene Sohn schaut zu einem auf, beobachtet, wie man lebt, wie man arbeitet, wie man mit anderen Menschen umgeht, und denkt: So möchte ich später auch einmal sein.

Nur vergessen wir Erwachsenen dabei etwas. Kinder hören nicht nur auf das, was wir ihnen sagen. Sie sehen vor allem, was wir tun.

Ein paar Jahre später war er größer. Nicht mehr dieses kleine Kind, das bei jedem Schritt meine Hand brauchte. Er wollte mit mir spielen, etwas lernen, Zeit mit mir verbringen. Und wieder war da irgendetwas. Arbeit. Ein Termin. Etwas, das nicht warten konnte. „Später.“ Dieses Wort sagt sich so leicht. Später machen wir das. Später habe ich mehr Zeit. Später holen wir es nach.

Kinder glauben einem dieses „später“. Vielleicht, weil sie noch nicht wissen, dass Erwachsene damit oft nur „nicht jetzt“ meinen. Und manchmal bedeutet „nicht jetzt“ irgendwann „gar nicht mehr“. Mein Sohn nahm es hin. Kinder tun das erstaunlich oft. Sie werden enttäuscht und schaffen es trotzdem, uns noch anzulächeln. Dann gehen sie weg und fragen am nächsten Tag vielleicht noch einmal. Bis sie irgendwann nicht mehr fragen.

Die Jahre gingen weiter. Er wurde älter. Aus dem Jungen wurde langsam ein junger Mann. Und plötzlich war ich derjenige, der dachte: Setz dich doch noch einen Moment zu mir. Erzähl mir etwas. Wie geht es dir? Was machst du? Was beschäftigt dich? Aber nun hatte er andere Dinge im Kopf. Freunde, Pläne, sein eigenes Leben. Manchmal brauchte er etwas von mir. Einen Gefallen, vielleicht das Auto, vielleicht Geld oder irgendeine Hilfe, die Eltern eben geben, weil sie Eltern bleiben, selbst wenn das Kind längst größer ist als sie selbst.

Dann war er wieder fort. Und ich stand da. Nicht böse, nicht enttäuscht. Zumindest redete ich mir das ein. Schließlich war ich genauso gewesen. Ich hatte auch mein Leben gelebt, meine Arbeit gehabt, meine Termine, meine wichtigen Dinge. Vielleicht beginnt man erst dann zu verstehen, was man selbst versäumt hat, wenn man plötzlich auf der anderen Seite steht.

Irgendwann wurde aus dem jungen Mann ein erwachsener Mann. Und aus mir wurde ein alter Mann. Das geht übrigens viel schneller, als man glaubt. Es gibt keinen Morgen, an dem man aufwacht und jemand sagt: So, ab heute bist du alt. Es passiert still. Man merkt es daran, dass Ärzte plötzlich wichtiger werden als Diskotheken, dass man von Dingen erzählt, die für andere schon Geschichte sind, und daran, dass man auf einmal viel mehr Zeit hat als früher.

Ausgerechnet dann. Als die Kinder klein waren, fehlte die Zeit. Wenn sie groß sind, ist sie plötzlich da. Ein ziemlich schlechter Scherz des Lebens.

Mein Sohn hatte inzwischen sein eigenes Zuhause, seine Arbeit, seine Verpflichtungen, vielleicht eine Familie und Menschen, für die nun er verantwortlich war. Ich dachte manchmal: Es wäre schön, ihn zu sehen. Einfach zusammensitzen. Keine große Veranstaltung, kein besonderer Anlass. Nur ein paar Stunden. So wie früher.

Also meldete ich mich bei ihm. Und plötzlich hörte ich Sätze, die mir merkwürdig bekannt vorkamen. Im Moment ist so viel zu tun. Die Arbeit macht Stress. Zu Hause ist auch einiges los. Diese Woche wird schwierig. Vielleicht demnächst. Später.

Da war dieses Wort wieder. Nur kam es diesmal nicht von mir.

Und auf einmal verstand ich etwas. Er hatte tatsächlich einmal gesagt, dass er so werden wollte wie ich. Und irgendwann war genau das passiert. Nicht nur bei den Dingen, auf die ich damals stolz gewesen war. Nicht nur bei den Eigenschaften, die ich ihm gern mitgegeben hätte. Sondern auch bei denen, über die ich nie nachgedacht hatte.

Er hatte gelernt, dass Arbeit wichtig ist. Dass Verpflichtungen zuerst kommen. Dass man Dinge erledigen muss. Und dass Menschen, die einen lieben, schon verstehen werden, wenn heute keine Zeit bleibt. Denn morgen gibt es schließlich auch noch. Oder nächste Woche. Oder irgendwann.

Genau das hatte ich ihm vorgelebt. Nicht mit Worten. Mit meinem Leben.

Ich hatte ihm beigebracht, wie man beschäftigt ist. Wie man funktioniert. Wie man Verantwortung übernimmt. Und vielleicht auch, wie man jemanden warten lässt, den man liebt. Als mir das bewusst wurde, konnte ich ihm nicht einmal böse sein. Wie hätte ich das gekonnt? Er machte nichts anderes als das, was er jahrelang bei mir gesehen hatte.

Früher wartete er auf mich. Heute wartete ich auf ihn. Früher fragte er: „Hast du Zeit für mich?“ Heute wollte ich dieselbe Frage stellen. Und die Antwort war im Grunde dieselbe geblieben: Nicht heute. Vielleicht später.

Manchmal frage ich mich, wie viele Stunden ich damals tatsächlich gewonnen habe, weil ich etwas anderes wichtiger fand. Und was ich mit all diesen gewonnenen Stunden eigentlich gemacht habe. Ich weiß es nicht mehr. Aber an manche verlorene Stunde erinnere ich mich.

Merkwürdig, oder?

Die Arbeit, die damals unbedingt erledigt werden musste, habe ich längst vergessen. Die Rechnung, die bezahlt werden musste, weiß ich nicht mehr. Den Termin, für den keine Zeit verloren werden durfte, könnte ich heute nicht einmal benennen. Aber ich weiß noch, dass irgendwo ein kleiner Junge auf mich gewartet hat.

Vielleicht ist das eine der bittersten Erkenntnisse des Älterwerdens. Man erkennt plötzlich den Wert von Dingen, die damals kostenlos waren. Eine Stunde. Ein Gespräch. Ein gemeinsamer Nachmittag. Ein Kind, das einfach nur möchte, dass sein Vater da ist.

Heute ist mein Sohn erwachsen. Er hat sein eigenes Leben. Und das ist richtig so. Kinder gehören uns nicht. Wir dürfen sie ein Stück begleiten, mehr nicht. Irgendwann gehen sie ihren eigenen Weg.

Aber manchmal denke ich daran, dass ich mir früher so oft gewünscht hatte, er würde einmal etwas von mir übernehmen. Meine Stärke. Meine Selbstständigkeit. Meinen Ehrgeiz. Vielleicht auch meine Art, durchs Leben zu gehen.

Heute weiß ich: Kinder übernehmen viel mehr von uns, als wir ihnen bewusst beibringen. Auch unsere Fehler. Auch unsere Prioritäten. Auch unsere Art, Zeit zu verteilen.

Und manchmal bekommen wir Jahre später unser eigenes Leben wie einen Spiegel vorgehalten. Dann schaut man hinein und erkennt plötzlich:

Er ist tatsächlich geworden wie ich.

Früher hatte ich keine Zeit für ihn.

Heute hat er keine Zeit für mich.

Und vielleicht ist genau das die Antwort auf eine Frage, die ich mir damals niemals gestellt habe:

𝗪𝗮𝘀 𝗹𝗲𝗿𝗻𝗲𝗻 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘃𝗼𝗻 𝘂𝗻𝘀, 𝘄ä𝗵𝗿𝗲𝗻𝗱 𝘄𝗶𝗿 𝗴𝗹𝗮𝘂𝗯𝗲𝗻, 𝘄𝗶𝗿 𝗵ä𝘁𝘁𝗲𝗻 𝗴𝗲𝗿𝗮𝗱𝗲 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗭𝗲𝗶𝘁 𝗳ü𝗿 𝘀𝗶𝗲?

Einige von euch haben wahrscheinlich längst erkannt, welches Lied mich zu diesem Text gebracht hat. Für alle anderen: Von wem das Lied ist und den Link zu YouTube findet ihr im ersten Kommentar.


Veröffentlicht mit Welako

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Einige von euch haben es vielleicht erkannt: Das Lied heißt 𝗖𝗮𝘁'𝘀 𝗶𝗻 𝘁𝗵𝗲 𝗖𝗿𝗮𝗱𝗹𝗲 und ich habe gerade die Version von 𝗨𝗴𝗹𝘆 𝗞𝗶𝗱 𝗝𝗼𝗲 gehört. Genau dieses Lied hat mich zu dem Text gebracht.

Hier könnt ihr es euch auf YouTube anhören:

Veröffentlicht mit Welako

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No conocia ese destino. Ya lo agrego a mi lista de lugares pendientes para visitar.

Paraguay necesitaba mas viajeros que muestren lo lindo que es. Buen laburo el tuyo. @greece-lover