𝗗𝗥𝗘𝗜 𝗦𝗧𝗨𝗡𝗗𝗘𝗡 𝗦𝗖𝗛𝗟𝗔𝗙
D𝗘𝗡𝗡 𝗭𝗨𝗠 𝗡𝗔𝗖𝗛𝗗𝗘𝗡𝗞𝗘𝗡 𝗜𝗦𝗧 𝗗𝗜𝗘 𝗡𝗔𝗖𝗛𝗧 𝗝𝗔 𝗦𝗖𝗛𝗟𝗜𝗘ẞ𝗟𝗜𝗖𝗛 𝗗𝗔
Ich hasse diese Nächte, in denen man völlig müde im Bett liegt, aber der Kopf beschließt, eine außerordentliche Vorstandssitzung einzuberufen. Anwesend sind die Druckerei, mein Buch, mein Herz, Facebook, die Künstlersozialkasse und natürlich mein Bankkonto. Nur der Schlaf hat mal wieder keine Einladung bekommen.
In der vergangenen Nacht waren es höchstens drei Stunden Schlaf. Danach war ich wieder hellwach, weil mir viel zu viel durch den Kopf ging.
Jetzt steht die Entscheidung an, wie viele Bücher ich drucken lasse. Gestern bekam ich den Drucktermin von der Druckerei und gleichzeitig die Rückmeldung, dass mein Manuskript zu 100 Prozent alle geforderten Spezifikationen erfüllt.
Das bedeutet tatsächlich: Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten richtig gute Arbeit geleistet. Darauf könnte man eigentlich stolz sein. Könnte man. Wenn sich der Kopf nicht sofort melden würde und fragte: „Schön gemacht, Holger. Und wie viele Bücher lässt du nun drucken?“ Daraufhin schaut das Bankkonto kurz hoch, hustet verlegen und verschwindet wieder unter der Bettdecke.
Gleichzeitig merke ich, dass es gesundheitlich immer weiter bergabgeht. Gestern ein paar Minuten beim Auspuffwechsel, ein bisschen Arbeit auf dem Grundstück oder einfach nur ein paar Meter laufen – und schon bekomme ich kaum noch Luft.
Es nähert sich langsam wieder dem Zustand von vor drei oder vier Jahren. Und natürlich fragt man sich dann: Was passiert, wenn es wieder so schlimm wird, dass ich keine zehn Meter mehr laufen kann?
Weil ich mich durch die Luftnot immer weniger bewegen kann, nehme ich gerade auch wieder extrem zu. Mein Körper bewegt sich kaum noch, dafür bewegt sich die Zahl auf der Waage umso schneller. Weniger Luft bedeutet weniger Bewegung, weniger Bewegung bedeutet mehr Gewicht und mehr Gewicht macht die Bewegung noch schwerer. Ein wunderbarer Kreislauf, den ich nie bestellt habe, der aber trotzdem zuverlässig geliefert wird.

Und ja, ich kenne die klugen Ratschläge: Ernährung umstellen, weniger hiervon, mehr davon, Disziplin, Intervallfasten und das ganze Blablabla. Vielleicht mache ich das auch wieder. Wahrscheinlich sogar. Aber im Moment kann ich es einfach nicht.
Es fehlt mir nicht am Wissen. Ich weiß durchaus, dass eine Tafel Schokolade kein Salat ist, nur weil Kakao ursprünglich an einem Baum wächst. Im Moment fehlt mir schlicht die Kraft, auch noch eine Ernährungsrevolution zu organisieren. Mein Kopf und mein Körper haben bereits genügend Baustellen. Die Abteilung Ernährung ist daher vorübergehend wegen Personalmangels geschlossen.
Das sind genau die Gedanken, die nachts besonders gern vorbeikommen. Tagsüber haben sie vermutlich keine Zeit. Da sind sie beschäftigt. Aber nachts, gegen vier Uhr, stehen sie vollständig versammelt am Bett und rufen: „Na, wollen wir mal gemeinsam über deine Zukunft nachdenken?“
Als wäre das noch nicht genug, sind die Einnahmen bei Facebook geradezu eingebrochen. Von knapp 1.000 Euro im Monat auf noch nicht einmal 200 Euro. Das sind 800 Euro weniger. Also kein kleiner Rückgang, sondern eher die finanzielle Version von: „Wir haben Ihnen vorsichtshalber schon einmal den Stuhl unter dem Hintern weggezogen.“
Facebook hat ein neues System eingeführt, bei dem die Beiträge vorab von einer KI geprüft werden. Diese KI entscheidet anschließend, wie viel Reichweite ein Beitrag bekommt.
Bei mir scheint sie regelmäßig zu dem Ergebnis zu kommen: „Der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald braucht keine Reichweite. Wahrscheinlich redet er ohnehin schon genug.“
Vielleicht hält die KI meine Beiträge plötzlich für zu beschissen. Vielleicht versteht sie meinen Humor nicht. Vielleicht würfelt sie auch einfach. Ich weiß es nicht. Aber offenbar habe ich bei ihr ungefähr denselben Stellenwert wie eine Bedienungsanleitung für einen Toaster von 1987.
Das wirklich Schlimme daran ist nicht einmal nur das fehlende Geld. Ohne Reichweite kann ich auch kaum noch Werbung für mein Buch machen. Entsprechend sind die Bestellungen um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.
Es läuft trotzdem noch recht ordentlich. In diesem Monat habe ich bisher etwa 25 bis 30 Bücher verkauft. Das ist keineswegs schlecht. Im Vergleich zum vergangenen Monat ist es jedoch ein gewaltiger Unterschied. Leider haben meine Bücher bislang noch nicht gelernt, sich durch Gedankenübertragung selbst zu verkaufen.
Also liegen nachts mehrere Themen gleichzeitig neben mir im Bett: die Entscheidung über die Höhe der Druckauflage, deutlich weniger Einnahmen, das steigende Gewicht und die Frage, wie es gesundheitlich weitergeht. Für den Schlaf bleibt da schlicht kein Platz mehr.
Das Gute ist: Ich habe inzwischen wieder 40 Abonnenten. Das sind ungefähr 80 Euro, mit denen ich jeden Monat sicher rechnen kann. Vielleicht werden es irgendwann wieder 100 oder mehr Abonnenten. Dann wäre das schon eine enorme Hilfe.
Diese Einnahmen gehen auf mein Geschäftskonto und zählen zu meiner Tätigkeit als Autor und Content Creator. Ich muss schließlich auf rund 4.000 Euro Gewinn im Jahr kommen, damit ich in der Künstlersozialkasse bleiben kann. Sonst fliege ich dort wieder raus.
Eine so günstige Krankenversicherung und vor allem Rentenversicherung bekomme ich nie wieder. Die Künstlersozialkasse ist deshalb für mich verdammt wichtig. Man muss nur genügend verdienen, um versichert zu bleiben, darf dabei aber offenbar nicht darauf vertrauen, dass Facebook einem auch weiterhin Reichweite gibt. Ein herrlich einfaches System. Fast so übersichtlich wie eine Steuererklärung auf Chinesisch.
Jetzt wisst ihr, warum ich seit vier Uhr morgens nach gerade einmal drei Stunden Schlaf wieder wach bin.
Und bevor ich stundenlang in ein dunkles Zimmer starre, sitze ich eben wieder am Computer. Der Bildschirm leuchtet wenigstens, und wenn ich auf die Tastatur drücke, passiert meistens etwas. Das ist derzeit mehr Verlässlichkeit, als mir Facebook bietet.
Und nein, das ist kein Gejammer. Wer mir wirklich folgt, weiß, dass das Schreiben für mich ein Ventil ist. Ich berichte darüber, was mich bewegt, wie mein Alltag aussieht und was gerade in meinem Kopf vorgeht.
Wenn es mir gut geht, schreibe ich darüber. Wenn es mir schlecht geht, schreibe ich ebenfalls darüber. Und wenn ich gar nicht schlafen kann, wird der Beitrag eben etwas länger.
Andere nennen das vielleicht öffentliches Nachdenken. Ich nenne es Druckablassen, bevor mir neben dem Auspuff auch noch der Kopf platzt.
#GedankenInDerNacht #SchreibenIstMeinVentil #DasLebenIstKeinWerbeprospekt
Veröffentlicht mit Welako
immer raus lassen
ja,dass problem mit der KI ,ob bei FB oder YT,
ich kenne das auch
wenn du dann im kopf nachts alles durchgespielt hast,irgendwann kommt der schlaf dann auch zurück
aber kräfte zehrend ist das ohne frage
wünsche dir dann die tage wieder mehr klarheit und gute führung
Veo que la foto del manuscrito bajo la luz te deja sin aliento, como cuando la mochila pesa demasiado en una ruta nocturna. Si la pregunta de cuántos libros imprimir te agota, tal vez una breve aventura de diez metros al aire libre pueda recargar el presupuesto de energía. ¡A darle una vuelta a la ruta antes de que la balanza sea tu nuevo destino!
Miren esto, esas tres horas de sueño y la imagen del manuscrito me recuerdan al silencio del Pantanal al anochecer; ¿cuántos ejemplares creés que bastarán para que la historia no se pierda? Valió la pena compartirlo, se siente tan denso como la niebla sobre el Río Paraguay 🌫️