🚨 𝗕Ü𝗥𝗚𝗘𝗥𝗚𝗘𝗟𝗗, 𝗕Ö𝗦𝗔𝗥𝗧𝗜𝗚𝗞𝗘𝗜𝗧 𝗨𝗡𝗗 𝗥𝗧𝗟 𝗭𝗪𝗘𝗜

in #deutsch23 hours ago

𝗗𝗘𝗨𝗧𝗦𝗖𝗛𝗟𝗔𝗡𝗗 𝗚𝗘𝗛𝗧 𝗨𝗡𝗧𝗘𝗥, 𝗔𝗕𝗘𝗥 𝗗𝗜𝗘 𝗦𝗧𝗜𝗠𝗠𝗨𝗡𝗚 𝗜𝗦𝗧 𝗚𝗨𝗧 📺

War es nicht wieder eine Freude, die vielen Kommentare von so vielen Menschen zu lesen, die offenbar ihre Medikamente nicht eingenommen, die Dosierung verwechselt oder die Packungsbeilage gleich mit der Bedienungsanleitung eines Rasenmähers vertauscht hatten? Einer meinte sogar, unser Dialekt sei „einfach nur grausam“. Und damit war offenbar nicht nur ich gemeint, sondern gleich alle Menschen aus Thüringen. Da wird also nicht mehr nur der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald beleidigt, nein, da nimmt man gleich eine ganze Bevölkerungsgruppe mit. Wenn schon Dummheit, dann bitte nicht kleckern, sondern klotzen. Vermutlich sitzt dieser sprachlich besonders begabte Mensch irgendwo in einer Region, in der jedes zweite Wort verschluckt wird, hält sich aber selbst für den unehelichen Sohn von Goethe und Schiller.

Menschen, die aus welchem Grund auch immer zu kleinen boshaften Monstern geworden sind. Und man mag es kaum glauben: Es gibt tatsächlich Leute, die sind einfach schlecht. Da muss man auch gar nicht lange drum herumreden. Jeder kennt vermutlich jemanden persönlich, bei dem man lieber die Straßenseite wechselt, das Telefon auf lautlos stellt und vorsichtshalber behauptet, man sei für die nächsten drei Jahre beruflich in der Antarktis.

Natürlich habe ich wieder auf die Profile einiger dieser freundlichen Zeitgenossen geschaut. Also auf die Profile derjenigen, die mit der sprachlichen Eleganz unserer großen Dichter und Denker Wörter aneinanderreihen, als hätten sie zehn Jahre Germanistik studiert und anschließend noch zwei Semester Aggressionswissenschaften belegt. Manche dieser Profile sind offensichtlich Fake-Accounts, andere verstecken sich hinter Blumen, Wölfen, Sonnenuntergängen oder einem Profilbild, auf dem seit 2009 ein Auto zu sehen ist. Wieder andere werden von der Außenwelt vollständig ignoriert. Drei Freunde, zwei davon vermutlich eigene Zweitprofile, und der dritte ist ein Mann aus Kasachstan, der versehentlich auf „Freund hinzufügen“ gedrückt hat.

Schaut man dann nach, wo diese Menschen sonst unterwegs sind, landet man erstaunlich oft in Gruppen und Foren, in denen es um Hartz IV, Bürgergeld, Jobcenter und die Frage geht, ob der Sachbearbeiter wirklich verlangen darf, dass man am Mittwochvormittag persönlich erscheint. Ist das nur Zufall oder gibt es da tatsächlich ein Muster? Macht Bürgergeld dumm oder bekommen besonders viele dumme Menschen Bürgergeld? Eine Frage, die man heute kaum noch stellen darf, ohne dass sofort zwölf empörte Menschen erscheinen und erklären, dass ihr Cousin dritten Grades wegen eines eingewachsenen Zehennagels seit 1998 nicht mehr arbeitsfähig sei.

Damit das gleich klar ist: Ich schere nicht alle über einen Kamm. Ein funktionierendes soziales System ist wichtig und notwendig. Menschen, die wirklich nicht arbeiten können, müssen aufgefangen werden. Und mit „nicht arbeiten können“ meine ich tatsächlich nicht arbeiten können und nicht: „Ich bin morgens müde“, „Der Bus fährt ungünstig“ oder „Mein zukünftiger Chef hat beim Vorstellungsgespräch irgendwie komisch geschaut“. Es gibt schwere Krankheiten, Behinderungen, familiäre Notlagen und viele andere Gründe, weshalb jemand zeitweise oder dauerhaft Unterstützung braucht. Genau dafür sollte ein Sozialstaat da sein.

Leider habe ich aber den Eindruck, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die staatliche Leistungen beziehen, durchaus in der Lage wäre, wenigstens einige Stunden in der Woche zu arbeiten. Vielleicht nicht acht Stunden täglich auf dem Bau, aber zwei oder drei Stunden, ein paar Tage in der Woche, in einem Bereich, der zur jeweiligen Situation passt. Dadurch hätten viele wieder eine Aufgabe, Kontakte, ein soziales Umfeld und vielleicht sogar das Gefühl, gebraucht zu werden. Dann müsste man nicht den ganzen Tag am Handy oder am Computer sitzen und Boshaftigkeit in Kommentarspalten verspritzen, weil das eigene Leben ansonsten nur noch aus RTL Zwei, einer Tiefkühlpizza und der Frage besteht, ob der Nachbar seinen Müll wieder falsch getrennt hat.

Oder ist das Ganze vielleicht sogar gewollt? Wer dauerhaft von staatlicher Unterstützung abhängig ist, hat natürlich Angst, diese Unterstützung zu verlieren. Und wer Angst hat, wählt möglicherweise lieber Parteien, von denen er glaubt, dass sie dieses System niemals grundsätzlich verändern werden. Jahrelang gab es immer wieder höhere Leistungen und zusätzliche Entlastungen, die dann als große soziale Wohltat verkauft wurden. Brot und Spiele, nur dass das Brot heute vom Discounter kommt und die Spiele abends bei „Armes Deutschland“ laufen.

Wir haben mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem sich viele Menschen ernsthaft fragen, warum sie überhaupt noch arbeiten gehen sollen. Wer nur den Mindestlohn oder geringfügig mehr bekommt, acht Stunden täglich arbeitet, zum Arbeitsplatz fahren muss, Benzin bezahlt, sein Auto unterhält und vielleicht noch Betreuungskosten hat, vergleicht am Monatsende seine tatsächlichen Einnahmen mit denen eines Leistungsempfängers und denkt sich: Bin ich eigentlich blöde? Wofür mache ich das alles? Natürlich steht ein Arbeitnehmer in vielen Fällen finanziell besser da, aber der Abstand ist oft so gering, dass die Motivation irgendwo zwischen Tankstelle und Lohnabrechnung vom fahrenden Zug springt.

Das ist nicht die Schuld derjenigen, die wirklich Unterstützung brauchen. Es ist die Schuld eines Systems, das Arbeit viel zu stark belastet und gleichzeitig kaum noch einen spürbaren Unterschied zwischen Erwerbstätigkeit und vollständiger Abhängigkeit schafft. Ein vernünftiger Staat müsste dafür sorgen, dass jeder, der arbeitet, deutlich mehr zur Verfügung hat als jemand, der es nicht tut, obwohl er arbeiten könnte. Das wäre weder unmenschlich noch rechtsradikal, sondern schlicht gesunder Menschenverstand. Aber gesunder Menschenverstand gilt in Deutschland inzwischen vermutlich als nicht zugelassene Substanz und darf nur noch unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

Wer dann jahrelang von einem solchen System abhängig ist, wählt natürlich weiterhin fleißig links, rot und mittlerweile teilweise auch schwarz, solange nur garantiert wird, dass die monatliche Überweisung pünktlich kommt. Die Parteien wissen das sehr genau. Solange die Menschen mit sich selbst beschäftigt sind und lieber nach unten treten, stellt niemand die wirklich unangenehmen Fragen nach oben. Man beschimpft den Nachbarn, weil er angeblich fünf Euro zu viel Bürgergeld bekommt, während gleichzeitig Milliarden in alle Welt verteilt werden, unsere Brücken zerfallen, Schulen aussehen wie Drehorte für einen Katastrophenfilm und man auf einen Facharzttermin länger wartet als früher auf einen Trabant.

Jetzt will man offenbar auch noch Minijobs unattraktiver machen beziehungsweise Arbeitgeber stärker belasten. Was das für Gastronomie, kleine Betriebe und private Haushalte bedeutet, scheint wieder niemanden ernsthaft zu interessieren. Viele Menschen beschäftigen jemanden auf Minijobbasis zum Putzen, zur Unterstützung im Haushalt, zur Betreuung, zur Pflege oder für kleine Arbeiten, die sonst niemand erledigt. Werden diese Beschäftigungen immer teurer und komplizierter, verschwinden sie entweder ganz oder wandern in die Schwarzarbeit. Aber auch darüber wird nur ein wenig im Internet geschimpft. Man setzt einen wütenden Smiley, schreibt „Unfassbar!“ und geht anschließend beruhigt schlafen, weil man dem politischen System damit richtig gezeigt hat, wo der Hammer hängt.

Und vergessen wir nicht: Diese Mehrheiten bestehen nicht nur aus CDU und SPD. Vieles wird von Grünen, Linken und regional sogar vom BSW mitgetragen. Das beste Beispiel ist Thüringen, wo selbst das BSW, in das viele Menschen große Hoffnungen gesetzt hatten, am Ende einen Voigt unterstützt hat. Da sitzt man dann da, reibt sich die Augen und fragt sich, ob man versehentlich eine Folge der „Heute-Show“ eingeschaltet hat. Aber nein, das ist echte Politik. Satire wäre inzwischen viel zu unrealistisch.

Jeder, wirklich jeder Politiker scheint am Ende vor allem daran interessiert zu sein, seinen Posten, seine Bezüge und seine Altersversorgung zu sichern. Erst kommt das Land, dann die Partei, dann der Bürger und ganz oben auf der Liste steht natürlich das eigene Schäfchen, das möglichst trocken, beheizt und mit Dienstwagen untergebracht werden soll. Ob es die AfD anders machen würde, weiß niemand. Auch dort reden viele laut, solange sie keine Verantwortung tragen müssen. Ich kann deshalb nur hoffen, dass sie beispielsweise in Sachsen einmal eine echte Mehrheit bekommt und anschließend beweisen muss, ob hinter den großen Worten tatsächlich etwas steckt oder ob dort am Ende genauso gelogen, getrickst und um Posten geschachert wird wie bei allen anderen.

Sollte sich auch dort herausstellen, dass wieder nur leere Phrasen gedroschen wurden, dann kann man Deutschland endgültig gute Nacht wünschen. Dann sind wir alle, abgesehen von einer kleinen politischen, wirtschaftlichen und medialen Elite, zum langsamen Untergang verurteilt. Aber keine Sorge: Der Untergang wird selbstverständlich sozialverträglich organisiert. Es gibt dazu ein Informationsschreiben vom Amt, einen QR-Code, drei Formulare und eine Hotline, bei der man nach 47 Minuten aus der Leitung fliegt.

Und das eigentlich Witzige daran ist: Den meisten Menschen scheint es inzwischen vollkommen egal zu sein. Man geht mit einem Lächeln auf den Lippen gnadenlos unter. Die Brücke ist gesperrt, der Arzt nicht erreichbar, das Geld reicht nicht mehr bis zum Monatsende, aber im Fernsehen läuft RTL Zwei und irgendwo streiten sich gerade sechs Menschen in einer Einzimmerwohnung darum, wer die letzte Zigarette geraucht hat. Der Deutsche sitzt auf seinem sinkenden Schiff, macht noch schnell ein Selfie, beschimpft in den Kommentaren den alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald und erklärt nebenbei allen Thüringern, dass ihr Dialekt beschissen sei. Anschließend fragt er, ob es für den Untergang vielleicht Bürgergeldzuschuss gibt.

Herr Natas hat vorsichtshalber bereits seine zehn Sekretärinnen der ewigen Verdammnis angewiesen, alle besonders geistreichen Kommentare zu archivieren. Der Hater-Pokal wird frisch poliert, RTL Zwei läuft im Hintergrund und Deutschland fährt mit Vollgas gegen die Wand. Aber bitte nicht zu schnell, denn vor der Wand steht vermutlich noch eine Baustellenampel, die seit 2017 auf Rot geschaltet ist.

#lifestyle #Deutschland #Bürgergeld #Politik


Veröffentlicht mit Welako