Das Leben ist kein Ferrero Rocher!
Warum wir wieder lernen müssen, nach innen zu schauen
Wir alle kennen diese Bilder: Alles glänzt in Goldfolie, alles wirkt perfekt, süß und verlässlich. Doch wer mit Hashimoto lebt, weiß: Das echte Leben hält sich nicht an Werbeversprechen. Mein Leben ist kein Ferrero Rocher. Es ist eine unvorhersehbare, oft verdammt harte Achterbahnfahrt.
Die Lüge der Goldfolie
Ich saß einmal bei meinem Arzt. Ich war in einer Phase der Überfunktion, hatte massiv Gewicht verloren und wirkte nach außen hin wohl „fit“ und „schlank“. Er sah mich an, schaute dann auf meine katastrophalen Laborberichte und sagte diesen einen Satz, den ich nie vergessen werde:
„Wissen Sie, wenn ich Sie nicht kennen würde, würde ich denken: Was für eine tolle Frau! Aber ich kenne Ihre Blutwerte.“
Dieser Satz traf mich wie ein Schlag. Er legte die Kluft offen, in der ich lebe: Nach außen die „tolle Frau“, im Inneren ein hormoneller Tsunami, der mich auszehrt.
Während die Welt mich für mein „tolles Aussehen“ beglückwünscht, kämpfe ich innerlich gegen Herzrasen, zitternde Hände und eine bleierne Erschöpfung an.
Es ist die absurde Realität einer unsichtbaren Krankheit: Man bekommt Komplimente für einen Körper, der sich gerade selbst bekämpft.
Der Kampf gegen den „Scheißkerl“
Es gibt Tage, da macht mich diese Achterbahnfahrt wütend. Wenn die Überfunktion in den freien Fall der Unterfunktion kippt, wenn der Brain Fog meine Gedanken vernebelt und jedes Gramm auf der Waage zur Last wird.
Dann schaue ich diesen Hashimoto an, diesen ungebetenen Gast in meinem System, und sage ihm ganz direkt:
„Eines sag ich dir: Wenn ich irgendwann gehe, dann nehme ich dich mit, du Scheißkerl! Du wirst mich nicht besiegen, ohne dass ich das letzte Wort habe.“
Ein Ruf nach Menschlichkeit
Doch hinter all dem Kampf steht eine viel größere Erkenntnis. Wir müssen endlich aufhören, uns gegenseitig nur nach der äußeren Betrachtung zu bewerten. Wir scannen das Gewicht, das Aussehen, die Fassade – und übersehen das Wichtigste.
Ich bin ein Mensch.
Wir sind alle Menschen.
Und wir sind alle zerbrechlich.
Diese Zerbrechlichkeit ist kein Fehler im System. Sie ist das, was uns verbindet. In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, dass wir uns darauf besinnen. Wir leben in einer Ära der Filter und der perfekten Oberflächen.
Aber unter der Goldfolie sind wir alle verletzlich.
Mein Fazit
Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit. Wir müssen wieder lernen, einander wirklich nach innen zu schauen.
Mein Leben ist kein Ferrero Rocher. Die Schale ist rau, die Fahrt ist wild und manchmal verdammt bitter. Aber ich nehme meine Zerbrechlichkeit an. Denn wahre Verbindung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch das Eingeständnis, dass wir alle nur Reisende in dieser Achterbahn sind, die manchmal eine helfende Hand und ein offenes Herz brauchen
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen sonnigen Tag
Eure Biggi

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