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RE: Vertraust Du noch? - Na klar!

in #deutsch7 years ago (edited)

Meine Kollegen, die etwas älter sind als Du und noch das volle DDR Programm mitgemacht haben, sehen das anders.

Ich hab gerade beim Kochen noch mal über diesen Satz nachgedacht. Ich weiß nicht, welche Altersgruppe Deine Kollegen sind, habe aber aus eigenem Erleben noch etwas anzumerken.

Als ich 1995-1997 auf der gymnasialen Oberstufe war, hatten wir dort natürlich auch Politikunterricht. Bei einem Herrn Mitte oder Ende 50. Der immer wieder darauf herumritt, was für ein fürchterlicher Unrechtsstaat die DDR gewesen sei.
Ich wurde in diesen Stunden immer kleiner, denn entgegnet habe ich natürlich nichts, mündliches Argumentieren war auch damals schon nicht meine Stärke. Außerdem hatten alle ein bißchen vor diesem Lehrer Angst.
In den Pausen waren solche Aussagen dann kein Thema mehr. Ich hatte zwar Mitschüler, die mit mir von der Realschule auf besagtes Gymnasium gewechselt hatten, die mich also seit meiner schulischen Laufbahn im Westen kannten. Es hat aber nie einer danach gefragt, wie es mir in der DDR ging.

Erwartest Du ernsthaft von jungen Menschen, die mehrfach und immer wieder - in der Schule, im Kollegenkreis, usw. - zu hören bekommen, in ihrer Heimat sei doch alles schlecht gewesen, daß sie diese Aussagen nicht irgendwann für sich als Wahrheit annehmen, um nicht streiten zu müssen?
Niemandem kannst Du das erzählen, ohne denjenigen in einen Loyalitätskonflikt zu bringen!

Mein Großvater ist um die Jahrtausendwende herum gestorben. Mir hat nie jemand eingetrichtert, es sei meine Pflicht, die DDR zu verteidigen. Wenn ich jetzt über meine Kindheit berichte, mache ich das aus eigenem Antrieb. Und wegen Kommentaren wie den Deinen.

Trotzdem danke für Deine Zeit. :)

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Bei uns war die Gehirnwäsche auch nicht viel anders.
Wenn auch subtiler.
Das machen Staaten eben so.

Ich will Dir eine kleine Geschichte erzählen:
Irgendwann in den frühen 80ern.
Ich kannte zwar die Farben unserer Nationalflagge, wusste aber nicht dass es da noch ein Deutschland gibt.
Wir schauten im Fernsehen Turmspringen.
Ein Sportler mit deutschem Namen und der schwarz-rot-goldenen Flagge gewann und ich freute mich.
Darauf bekam ich von meinem Vater einen Rüffel:
"Siehst Du nicht, dass das einer von den Kommunisten aus der DDR ist?
Da brauchst Du dich nicht freuen, wenn einer von denen gewinnt."

Wir hatten auch immer Angst wenn wir an der tschechischen Grenze entlang gewandert sind. Wir sind trotzdem immer auf die andere Seite gesprungen, es hat aber nie lange gedauert und eine Streife der Tschechen kam vorbei.
Es lag auch immer irgendwie in der Luft, dass bald die Russen bei uns einmarschieren. Es gab auch regelmäßige Atomalarmübungen.
Wir wussten als Kinder nie so genau, was da hinter der Grenze ist, aber uns war bewusst, dass es ganz furchtbar sein muss.
Als man dann nach dem Fall des Eisernen Vorhangs durch den Sport die ersten Kontakte zu tschechischen Jugendlichen bekam, haben beide Seiten erkannt, was das für ein Wahnsinn war.

Aber zumindest hat man bei uns davon abgesehen, die Kinder in irgendwelche Uniformen zu stecken.
Zumindest in diesem Punkt hatte die BRD aus der Geschichte gelernt.

Aber ich stimme Dir zu, dass die DDR Bürger von den Wessis nicht gerade nett aufgenommen wurden.
Auch die tschechischen Arbeiter wurden anfangs wie der letzte Dreck behandelt.

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