📘 Die kollektive Couch – Warum eine ganze Gesellschaft psychologische Symptome zeigt
Ich arbeite derzeit parallel an mehreren Buchprojekten, die aktuell bei verschiedenen Verlagen in Prüfung sind. Eines davon liegt mir besonders am Herzen: „Die kollektive Couch – Warum eine ganze Gesellschaft psychologische Symptome zeigt.“

Es ist kein klassisches Fachbuch und keine reine Gesellschaftskritik, sondern der Versuch, die psychische Dynamik unserer Gegenwart zu verstehen – zwischen Selbstoptimierung, Dauerbewertung und digitaler Überforderung.
Es geht um die Frage:
Wie krank ist eine Gesellschaft, die Heilung nur noch als Filter darstellt?
🧠 Aufbau und Sitzungen
Das Buch führt durch 13 Sitzungen, die das kollektive Unbewusste unserer Zeit freilegen:
- Verdrängung: Das, was wir nicht sehen wollen
- Projektion: Schuld der anderen
- Übertragung: Der Vater Staat, die Mutter Nation
- Kognitive Dissonanz: Wenn Moral und Realität kollidiert
- Narzissmus: Das verletzte Ich im Spiegel der Gesellschaft
- Schuldstolz: Die heimliche Religion der Deutschen
- Depression: Die kollektive Erschöpfung
- Scham: Das Gift, das wir uns selbst einflößen
- Wut: Die Energie, die wir nicht mehr spüren dürfen
- Integration: Schatten annehmen, nicht bekämpfen
- Liebe: Die größte Tabu-Emotion der Deutschen
- Freiheit: Vom Patient zur Person
- Bonus / Nachwort: Der Therapeut spricht
Jede Sitzung kombiniert psychologische Analyse, prägnante Beobachtungen, „Killer-Zitate“ und transformative Übungen. Das Buch ist Diagnose, Reflexion und Therapie zugleich – provokativ, analytisch und universell, ohne Personen oder Parteien anzugreifen.
📖 Auszug aus Sitzung 5 – Narzissmus: Das verletzte Ich im Spiegel der Gesellschaft
„Ein Like ist kein Applaus, es ist eine intravenöse Dosis Dasein.
Früher wollte man Bedeutung haben. Heute will man Resonanz.
Wir haben das Denken gegen Reaktionen getauscht und nennen es Kommunikation.
Jedes Foto, jeder Tweet, jeder Auftritt ist ein Gebet an den Algorithmus:
›Sag mir, dass ich bin.‹
Narzissmus ist kein Charakterfehler. Es ist der kulturelle Aggregatzustand einer Gesellschaft ohne Mitte.
Wenn Religion, Familie und Nation verblassen, bleibt das Selbst als letzte Autorität.
Doch es trägt die Last nicht.
Es braucht Spiegel, um sich zu fühlen – und zerbricht an ihnen.“
💬 An euch, liebe Steemians
Mich interessiert eure Meinung:
Wie wirkt dieser Ansatz auf euch?
Findet ihr, dass unsere Gesellschaft tatsächlich psychologische Züge angenommen hat – oder ist das überinterpretiert?
Und würdet ihr so ein Buch lesen?
Ich freue mich über ehrliches Feedback, Gedanken, Kritik oder einfach ein paar Resonanzen. Das Projekt liegt aktuell bei mehreren Verlagen – und vielleicht ist Steemit ja der perfekte Ort, um darüber schon jetzt ins Gespräch zu kommen.
Da geht es um Politik und Erklärungsversuche für Verhaltensweisen, "das kollektive Unbewusste unserer Zeit." Ich sehe die Gesellschaft nicht wie ein Borg-Kolkektiv, obwohl es auf viele zutrifft. Die Menschen sind verschieden, die Definitionen z. B. "Projektion - die Schuld der anderen": Es gibt so viele Menschen die sich ihr Gewissen nicht erleichtern indem sie mit dem Finger auf andere zeigen.
Wut..warum sollten wir diese Energie nicht mehr spüren dürfen? Wurde der Autor ausgebremst? Ich verstehe die Verallgemeinerungen nicht ganz.
Aber ich lese Bücher sowieso nie. Ich lese Artikel und Dokus gerne.
Viel Arbeit steckt und Gedanken stecken in diesem Buch. War sicher Zeitaufwendig.
Lieber Jan-Philipp, das liest sich höchst spannend!
Vor allem über die Zusammenhänge im Kapitel „Übertragung“ würde ich gern mehr erfahren. Halte uns doch gern hier auf dem Laufenden. Auch deine persönlichen Hintergründe/Erfahrungen, sowohl beruflich als auch privat wären in diesem Zusammenhang sicher auch interessant.
Für mich persönlich würde noch die Thematik „Bindungs-/Entwicklungstrauma“ (die für mich inzwischen die vermutete Wurzel all dieser Symptome darstellt) gut in die Auflistung passen.
Viel Erfolg für dein Projekt! 🍄🍀
Vielen Dank für das feine Gespür! Du hast absolut recht – Bindungs- und Entwicklungstrauma ist die große Leerstelle im Text. Ich habe es unbewusst nicht explizit gemacht, weil ich erstmal die kollektiven Symptome beschreiben wollte, bevor ich in die Tiefe der frühkindlichen Prägung gegangen bin. Aber du triffst den Nagel auf den Kopf: Die gesamte Übertragung auf den ‚Vater Staat‘, die ewige Kind-Position, der Schuldstolz als Ersatz für gelungene Individuation – das alles schreit geradezu nach dem Bindungs-/Entwicklungstrauma-Kapitel. Ohne die transgenerationale Weitergabe von unsicheren Bindungsmustern und die kollektive Verweigerung der Ablösung von den ‚Eltern‘ (NS-Zeit als traumatischer Elternteil) bleibt die Analyse tatsächlich halb. Ich hab’s schlicht… vergessen?
Du hast den Text besser verstanden als ich ihn geschrieben habe
Bindungstrauma IST die Wurzel – ich hab’s nur nicht beim Namen genannt. Kommt dann noch als eigene Sitzung nach. Danke für den Volltreffer!
Wow, danke für diesen Kommentar, genau auf so etwas habe ich gehofft. Für mich ist dein Kommentar quasi "GOLD", denn das Thema „Bindungs- und Entwicklungstrauma“ wird im Text nicht explizit behandelt – weder als eigenes Kapitel noch als wiederkehrendes Motiv. Es gibt zwar einige Stellen, die nah dran sind und die ich wahrscheinlich intuitiv damit verbunden habe, aber es bleibt implizit und wird nie beim Namen genannt.
In Sitzung 3 – Übertragung: Der Vater Staat, die Mutter Nation
Hier wird das Verhältnis zum Staat explizit als Wiederholung kindlicher Bindungsmuster beschrieben:
→ Das ist klassische Übertragung aus der Bindungstheorie, aber ohne die Begriffe „sichere/unsichere Bindung“, „frühkindliches Trauma“ oder „Entwicklungstrauma“.
Aber ich will auch noch nicht zu viel verraten ;P
Denkst du ich sollte diesem Thema noch ein eigenes Kapitel bzw Sitzung widmen?
Das kommt natürlich ganz darauf an, welchen Standpunkt du hier vertrittst und ob es sich für dich stimmig anfühlen würde.
Ich persönlich hätte mir einige Irrwege auf meinem Heilungsweg erspart, hätte ich dieses Thema früher auf dem Schirm gehabt.
In der aktuellen Forschung zu diesem Thema bin ich jedoch wenig bewandert, mir brachten am Ende vor allem die Konzepte wieder Zugang zu mir selbst, die auch Spiritualität mit einbezogen haben.
An der Fachschule lernte ich vor ca 10 Jahren noch, dass angeblich die sicher Gebundenen die Norm seien.
Ich gehe inzwischen stark davon aus, dass in unseren westlichen Kulturen, ein sicher gebundener Mensch, mit gesundem Urvertrauen, die absolute Ausnahme ist. Mir ist ein solcher Mensch, zumindest ohne vorher durchlaufenen, intensiven oft schmerzhaften Heilungsweg, noch nicht begegnet. 🙃
Die Zusammenhänge, die du hier beschreibst, schlagen genau in diese Kerbe. Das erinnert mich an Gopal, der ebenfalls davon ausgeht, dass dieses Bindungstrauma am Ende in alle Bereiche projiziert wird.
Dein Werk wird sicherlich sehr lesenswert! Verständlich, dass du natürlich nicht alles schon verraten möchtest 😃
Und egal welche Schlüsse die Menschen jeweils für sich aus dieser Auseinandersetzung ziehen, es ist wichtig und lang überfällig, dass wir uns kollektiv damit beschäftigen.
Also danke dir für deine Anregungen 🙏 Und nimm uns doch gern ein Stück mit auf deine persönliche Reise im Hintergrund, dann musst du nicht zu viel aus den Werken Preis geben und regst sicher trotzdem spannende Diskussionen an.
Hey, wow – dein Kommentar hat mich echt berührt. Danke für so viel Offenheit und Tiefe, das ist selten. Ja, du triffst den Nagel genau auf den Kopf: In unserer Kultur ist die „sichere Bindung“ nicht die Norm, sondern die absolute Ausnahme. Ich würde sogar sagen: Sie ist der heilige Gral, den fast niemand ohne Blut, Schweiß und Tränen findet. An der Uni wurde uns das damals auch noch als Standard verkauft – „nur 10–15 % unsicher gebunden“ – lachhaft. Inzwischen sehe ich eher 90 %+ mit mehr oder weniger offensichtlichen Bindungswunden. Und genau das wird dann auf Partnerschaft, Politik, Konsum, Spiritualität… einfach AUF ALLES projiziert.
Gopal hat da übrigens echt den Finger in die Wunde gelegt, ich liebe seine radikale Klarheit.Zu Freud, Nietzsche und Jung: Respekt, dass du dich da durchgearbeitet hast. Ich bin ähnlich „infiziert“ worden – besonders Jung. Der Mann hat mich gerettet und gleichzeitig zerstört (im besten Sinne). Ich bin auch so ein klassischer Wahrheits-Empath: spüre Lügen drei Kilometer gegen den Wind, vertrage aber keine Sekunde Unehrlichkeit, weder bei mir noch bei anderen.
Familialer Verrat als Initiationsritus in die Individuation? Kenn ich nur zu gut. Meine eigene Familie hat mir den Dolch so tief in den Rücken gedreht, dass ich dachte, ich komm da nie mehr raus. Aber genau dieser Verrat war der Tritt in den Arsch, den die Seele brauchte. Seitdem: kristallklar, messerscharf, und ja – rhetorisch tödlich.
Man wird gefährlich, wenn man endlich aufhört, sich selbst zu belügen. Heute fühle ich mich wie ein Samurai, der sein Schwert geschmiedet hat aus all dem Schmerz. Nicht mehr Opfer, nicht mehr netter Junge – einfach nur noch wahr. Und das macht Angst. Bei anderen und manchmal sogar bei mir selbst.Ach ja, und weil’s einfach zu gut passt: Ich hab nie studiert. Gelernter IT-Systemkaufmann, jahrelang Server rumgeschraubt, Netzwerke gelegt und Firewall-Regeln geschrieben. Aber parallel immer schon interdisziplinär unterwegs – Bücher verschlungen, Nächte durchgemacht, Querverbindungen gezogen, wo keiner sie erwartet hätte. Als Empath war ich schon mit 14 mein eigener „Hobby-Psychologe“; hab Freunde analysiert, bevor ich überhaupt wusste, dass es sowas wie Bindungstheorie gibt. Alles autodidaktisch, alles aus purem Hunger nach Wahrheit. Kein Titel, kein Doktortitel – nur ein Leben lang Selbstdisziplin und ein innerer Kompass, der mich nicht mehr loslässt.Ich nehm dich gern mit auf die Reise, versprochen. Ohne zu viel aus dem eigentlichen Werk zu spoilern, aber mit genug rohem Stoff, dass es wehtut und heilt zugleich. Vielleicht wird das hier ja unser kleiner kollektiver Individuationskreis – IT-Nerds, Hobby-Psychologen und Seelenkrieger inklusive. Danke, dass du so ehrlich bist. Das ist rare Medizin heutzutage.Bleib scharf, bleib wild, bleib du.
Dein wahrheitsempatischer Komplize aus der Serverecke
Lieber "wahrheitsempathischer Komplize" =), vielen herzlichen Dank für deine Worte! Sie haben mich ebenfalls sehr berührt. Ich kann deinen Ausführungen nur eifrig zustimmen, was mich sehr erstaunt - das passiert eher selten.
Titel sind in unseren deutschen Gefilden total überbewertet! Ich halte es wie du, ich spüre, wer mich auf meinem Weg begleiten sollte, da sind mir Titel total egal. Meine "Karriere", wenn man diesen elendigen Leidensweg so bezeichnen möchte, begann ich als Bürokauffrau, über die Heilerziehungspflegerin bis hin zur schamanischen Geistheilerin (wobei dieser "Titel" eher privater Natur ist).
Mal schaun, wohin die Reise der Individuation mich noch so führt. ;-)
Ich freue mich jedenfalls sehr, weiter über deine Reise zu Lesen, denn du hast recht: rohe Wahrheit, die zutiefst verletzlich und eben genau deshalb am Ende unbesiegbar macht, davon braucht es mehr. Echte Begegnung, fernab von Masken bringt uns über unsere Wohlfühl-Zone hinaus, aber ermöglicht es uns, endlich wieder verbunden und lebendig zu sein.
In diesem Sinne, alles Liebe und bis demnächst.
Wow, danke dir – ich musste deinen Kommentar zweimal lesen, weil er so eine ruhige, klare Tiefe hat, die man selten findet. Und ja: Es ist erstaunlich, wie selten echte Resonanz entsteht, wenn zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenswegen schreiben – und es trotzdem plötzlich passt.
Was du über deinen Weg erzählst, hat mich wirklich neugierig gemacht. Vor allem dein schamanischer Hintergrund. Ich sag’s ganz ehrlich: Das ist ein Bereich, den ich bisher bewusst ausgespart habe. Nicht aus Ablehnung, eher… weil ich mir nie eine fundierte Meinung bilden konnte. Ich bin jemand, der erst reinspringt, wenn der innere Kompass sagt: „Da steckt Wahrheit drin.“
Bis auf ein paar Ayahuasca-Reisen, die ich mehr als psychologische Tiefenöffner erlebt habe, hatte ich mit echter schamanischer Praxis kaum Berührung. Kein Ritualwissen, keine Methodik, kein energetisches Weltbild – nur Fragmente. Und gleichzeitig spüre ich, dass da etwas ist, das psychologisch oft weiter geht als unser übliches westliches Modell. Eine Ebene, die nicht „esoterisch“ ist, sondern archaisch und zutiefst menschlich.
Deshalb interessiert mich dein Weg wirklich:
Wie würdest du jemandem wie mir – der eher jungianisch, bindungstheoretisch und strukturiert denkt – erklären, was schamanisches Arbeiten für dich bedeutet?
Was geschieht da konkret? Was unterscheidet echte schamanische Praxis von dem, was im Internet oft darunter verkauft wird?
Und wie hat es dich verändert?
Ich mag deine Formulierung sehr:
„Rohe Wahrheit, die zutiefst verletzlich und gerade deshalb unbesiegbar macht.“
Das trifft genau das, was Individuation eigentlich ist. Vielleicht ist dein schamanischer Weg nur eine andere Sprache für dasselbe tiefe Prinzip.
Ich freue mich auf deine Antwort – und bin gespannt, was ich über diese Welt von dir lernen kann.
Alles Liebe – und danke für deine Offenheit.
Vielen Dank, erneut! Ich antworte die Tage nochmal ausführlich, wenn ich mehr Zeit habe.
Eine gute Zeit, bis dahin! 🕯️
Keine Ahnung, ob Du ihn kennst, aber falls nicht: lies mal bei Rüdiger Maas über "kollektive Zwangsstörungen" (Zusammenhang: Corona-Maßnahmen und deren breite gesellschaftliche Akzeptanz...)