Die Märchenerzähler schreien „Fake News“ – Der Spiegel, Relotius und die Angst vor Entlarvung
Es ist eine der zynischsten Verdrehungen der jüngeren Mediengeschichte: Ausgerechnet jene Medien, die nachweislich gelogen, erfunden und manipuliert haben, erklären sich heute zu Hütern der Wahrheit – und fordern Verbote gegen diejenigen, die ihre Lügen offenlegen.
Der Spiegel, das Medium des Claas Relotius, erhebt sich erneut zur moralischen Instanz. Und diesmal richtet sich der Zeigefinger gegen Nius – ein Portal, das recherchiert, belegt und dokumentiert hat, was andere lieber unter den Teppich kehren würden. Dass gerade Nius den Spiegel und Autoren wie Lemm entlarvt hat, ist kein Zufall. Es ist der eigentliche Skandal.

Relotius war kein Unfall – er war ein Symptom
Claas Relotius hat nicht einfach gelogen. Er konnte lügen, weil er in einem System arbeitete, das Haltung über Wahrheit stellte, Narrative über Fakten und Selbstgewissheit über Kontrolle. Seine Texte wurden gefeiert, prämiert, verteidigt – bis sie nicht mehr zu halten waren.
Und was hat der Spiegel daraus gelernt? Offenbar vor allem eines: Dass Entlarvung gefährlich ist. Nicht für die Demokratie – sondern für das eigene Geschäftsmodell.
Der Fall Lemm zeigt, dass das Problem fortbesteht. Wieder Ungenauigkeiten, wieder fragwürdige Darstellungen, wieder Abwehr, Relativierung, Schweigen. Und wieder sind es externe Kritiker, die den Finger in die Wunde legen.
Die Projektion: Eigene Schuld wird zum Vorwurf gegen andere
Was wir derzeit erleben, ist ein klassischer psychologischer Mechanismus: Projektion. Diejenigen, die Fake News verbreitet haben, sehen plötzlich überall Fake News – allerdings nie bei sich selbst, sondern immer bei denen, die sie kritisieren.
Dass ausgerechnet der Spiegel und seine Chefredakteurin Melanie Amann nun den Chor anführen, der „Abgründe“ sozialer Medien beklagt und Einschränkungen fordert, ist an Ironie kaum zu überbieten. Nach der eigenen Logik dieses Milieus müsste der Spiegel selbst als Erstes reguliert, markiert oder „eingedämmt“ werden.
Denn wenn Desinformation ein Verbotskriterium ist, dann beginnt die Liste nicht bei Nius – sondern bei Relotius.
Nius als Störfaktor – weil recherchiert wurde
Der eigentliche Grund für die Aggression ist offensichtlich: Nius hat recherchiert. Nius hat belegt. Nius hat Widersprüche aufgezeigt, Quellen geprüft, Narrative zerlegt. Genau das, was Journalismus eigentlich leisten sollte – und was viele etablierte Medien längst verlernt haben.
Dass die Reaktion darauf nicht Selbstkritik, sondern der Ruf nach Delegitimierung ist, entlarvt das Machtproblem: Wer sich selbst als „Qualitätspresse“ etikettiert, duldet keine Korrektur von außen.
Die Wahrheit ist: Nicht Nius bedroht die Demokratie. Bedroht wird ein Kartell aus Deutungshoheit, moralischer Selbstüberhöhung und institutioneller Immunität.
Das vorgeschobene Argument „Schutz vor Fake News“
Befürworter dieser neuen Zensur-Rhetorik behaupten, man müsse die Gesellschaft vor Desinformation schützen. Doch geschützt wird vor allem eines: der eigene Ruf, die eigene Autorität, die eigene Unfehlbarkeit.
Ein Medium, das sich selbst nach Relotius noch für überlegen hält, während es Kritiker als „Abgründe“ diffamiert, hat jedes Recht auf moralische Belehrung verspielt.
Wer diejenigen verbieten will, die Lügen aufdecken, weil sie unbequem sind, ist nicht Verteidiger der Demokratie – sondern ihr Problem.
Fazit: Der eigentliche Skandal
Der größte Skandal ist nicht, dass alternative Medien existieren. Der Skandal ist, dass etablierte Medien, die nachweislich versagt haben, nun bestimmen wollen, wer noch sprechen darf.
Dass die Märchenerzähler von gestern heute „Fake News!“ schreien und die Aufklärer verbieten wollen, markiert einen historischen Tiefpunkt.
Zynischer und entlarvender kann Machtmissbrauch im Namen der Wahrheit kaum sein.
Anmerkung:
Melanie Amann war über Jahre stellvertretende Chefredakteurin des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und Teil des dortigen Editorials. Sie gehörte bis Ende August 2025 zur Führung des Hauses und prägte in dieser Zeit die politische und publizistische Linie des Magazins mit.
Seit Januar 2026 arbeitet sie nicht mehr beim Spiegel, sondern ist Chefredakteurin Digital der Zentralredaktion der FUNKE Mediengruppe, unter anderem bei der Berliner Morgenpost.
Die hier geäußerte Kritik bezieht sich daher nicht auf eine aktuelle Spiegel-Veröffentlichung, sondern auf die publizistische und personelle Kontinuität eines Milieus, das den Relotius-Skandal hervorgebracht und lange verteidigt hat. Unter der Führung von Frau Amann selbst.
https://katholisch.de/artikel/66721-papst-leo-xiv-meinungsfreiheit-auch-im-westen-beschraenkt
Paßt ein bißchen zu Deinem Text...