Ein literarischer Jahresrückblick auf UNSERE Steemit-Abenteuer 2025
Ach, liebes Tagebuch der digitalen Feder –
nun ist es Januar 2026. Das Feuerwerk ist verklungen, die Server haben sich beruhigt, und irgendwo zwischen kaltem Kaffee, leeren Böllerverpackungen und zu viel Restschokolade sitzt man da und denkt: Was war das bitte für ein Jahr?
Als ich im Juli 2025 auf Steemit aufschlug, war das alles nicht geplant. Wirklich nicht. Der ursprüngliche Gedanke lautete ungefähr:
„Nur ein bisschen trollen. Ein paar lose Gedanken. Vielleicht ein paar Sticheleien.“

Und dann… nun ja.
Über 445 Beiträge später blicke ich zurück auf ein Jahr, das eher einem literarisch-politischen Dauerfeuerwerk glich: Skepsis, Satire, Reverse-Scams, Rechtsstaatssorgen, Ideologiekritik und gelegentliche Ausflüge in die Abgründe digitaler Mensch-Maschine-Kommunikation.
Der Einstieg war unspektakulär, fast schüchtern – ein leises Plopp im Sommer. Doch schnell wurde klar: Auf Steemit geht es nicht um Katzenvideos. Es geht um Narrative, Macht, Moral – und darum, wer eigentlich noch denkt und wer nur wiederholt.
Früh schon stolperten wir über Europa. Oder besser: über die Rechtsunion, die sich still und leise in eine Schulden- und Abgabenunion verwandelte. Europa erschien dabei wie ein ewiger Teenager: immer neue Ausgaben, immer neue Begründungen, aber Verantwortung? Später vielleicht. Wir lachten, wir seufzten, wir fragten uns: Ist das noch Integration – oder schon finanziell verbrämter Gruppenzwang?
Dann kam er, der berühmte Modus:
„Ich wollte eigentlich nur trollen. Dann wurde es plötzlich Politik.“
Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durchs Jahr zog.
Aus kleinen Stichen wurden tiefere Bohrungen: Hamburgs verschwundene Holzöfen, Simultanübersetzer als emotionale Hochrisikoberufe (insbesondere bei Baerbock-Liveauftritten), DHL-Brandbomben-Narrative, bei denen man lernte, dass Skepsis zwar notwendig, aber selten beliebt ist.
Und dann war da plötzlich der Alltag. Der ganz reale, deutsche Alltag.
Der Dritte-Klasse-Patient, der lernen musste, dass Gesundheitsversorgung heute offenbar nach Dringlichkeit, Status und Formularlage sortiert wird. Die Router-Odyssee, bei der ein Stück Hardware mehr Beharrlichkeit erforderte als manche politische Debatte. Kleine Geschichten – und doch perfekte Metaphern für ein System, das funktioniert, solange man nichts von ihm will.
Ein besonderes Kapitel: die Reverse-Scam-Serie.
Teil I, Teil II, der legendäre Honeytrap-Live-Zerleger. Bots wurden nicht nur entlarvt, sondern freundlich eingeladen, sich selbst zu überführen. „Hi Hallo“ verwandelte sich in „1000 € für ein Treffen“, und irgendwo saßen wir mit metaphorischem Popcorn und notierten: Bots sind nicht schlau. Aber sie sind ausdauernd.
Es folgten die philosophischeren Abwege: das Schock-Restaurant-Gedankenexperiment (alles hypothetisch, Ehrenwort), die erfundene Herkunft der Beachy Head Woman als Lehrstück darüber, wie Ideologie Fakten formt, linkes Friendly Fire via Hashtag – ein Milieu, das sich mit beeindruckender Konsequenz selbst moralisch zerlegt.
Parallel dazu wurde es ernster. Sehr viel ernster.
Verfassungsbeschwerden fanden ihren Weg in die Texte – nicht als Affekt, sondern als Ergebnis fachlicher und technischer Präzision. So korrekt, so formal sauber, dass der Weg durch den AR gleich mehrfach genommen wurde. Nicht aus Prinzip, sondern weil der Stoff es hergab.
Und doch blieb am Ende diese eigentümliche Erfahrung: ernst genommen zu werden, ohne gehört zu werden. Auf der Zielgeraden entschied sich der Senat gegen die Annahme – nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Distanz. Eine Diskrepanz, die mehr über das System erzählt als über den Einzelfall.
Die Konsequenz daraus war keine Resignation. Sondern Klarheit. Weitermachen. Weiter schreiben. Weiter strukturieren. Denn wer formal korrekt bleibt, zwingt das System zumindest hinzusehen – auch wenn es sich entscheidet, nicht zu handeln.
Dazwischen immer wieder diese Themen: Klarnamenpflichten, Meinungssanktionen, HateAid, Verdienstkreuze als Loyalitätsabzeichen, Impf-Überschriften, die mehr verwirren als erklären. Und stets dieselbe Frage im Hintergrund:
Wo endet der Rechtsstaat – und wo beginnt die Haltungsshow?
Gegen Ende des Jahres wurde es persönlicher. Ein neues Format klopfte an: „Vieth fragt“ – weniger Monolog, mehr Gespräch. Ein Versuch, dem Denken wieder Zeit zu geben, bevor geantwortet wird. Ob daraus Geschichten, Dialoge oder einfach gute Chats entstehen, wird 2026 zeigen.
Was bleibt also von 2025?
Ein Tanz auf der Klinge – zwischen Troll und Denker, zwischen Scam-Jäger und Gesellschaftsbeobachter, zwischen Humor und dem leisen Unbehagen, dass wir gerade kollektiv etwas verlernen: das Aushalten von Widerspruch.
Steemit war dabei unser kleiner, chaotischer Garten. Nicht immer ordentlich. Manchmal voller Unkraut. Manchmal lädt nichts. Aber ein Ort, an dem Ideen wachsen durften – auch gegen den Wind.
Auf 2026.
Dasselbe Spiel, derselbe Stachel –
nur diesmal von Anfang an.
Danke an alle, die mitgelesen, gelacht, widersprochen oder still den Kopf geschüttelt haben. Wir sehen uns im nächsten Jahr. Oder im nächsten Scam-Chat.
Euer
Jan-Philipp Vieth
(Steemit-Abenteurer, Schmetterling mit Stachel, gelegentlicher Wurzelgräber)
wünsche dir ein frohes neues jahr mit vielen ideen
neuen posts und krassen gedankengängen
beste grüße von la gomera,eine kleine insel inmitten des atlantiks wo die sonne aufgeht und abends wieder unter
wo die menschen gelassen sind und froh
wo man seine zeit sinnvoll und bedacht mit ruhe und gelassenheit,einsetzt
ein leben sorgsam,achtsam und immer ein bisschen feierlich :-)
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