Französische Bauern im offenen Konflikt mit dem Staat: Wenn Seuchenschutz zur Existenzvernichtung wird

Seit dem Sommer 2025 brennt es im Südwesten Frankreichs. Nicht nur auf den Straßen, wo Traktoren Autobahnen blockieren und Reifen brennen, sondern auf den Höfen selbst. Dort, wo Familien seit Generationen Rinder züchten, wird derzeit Lebensarbeit ausgelöscht – nicht durch eine Naturkatastrophe, sondern durch staatliche Anordnung.

Auslöser ist der erstmalige Ausbruch der Lumpy Skin Disease (LSD) in Westeuropa. Die Krankheit war bislang vor allem aus Afrika und Asien bekannt, tauchte zwischen 2015 und 2017 auf dem Balkan auf – und erreichte 2025 erstmals Italien, Frankreich und Spanien.

Die Lumpy Skin Disease heißt auf Deutsch Knollenhautkrankheit oder ansteckende noduläre Dermatitis. Verursacht wird sie durch ein Virus aus der Gattung Capripoxvirus (Familie Poxviridae), derselben Virusfamilie wie die Schaf- und Ziegenpocken. Es handelt sich um ein DNA-Virus, das bei Rindern teils schwere Krankheitsverläufe auslöst.

Für Menschen ist das Virus nicht infektiös und stellt keine Gesundheitsgefahr dar.

Ein krankes Tier – und die ganze Herde wird erschossen

Nach geltendem EU-Tiergesundheitsrecht gilt für die Knollenhautkrankheit eine Null-Toleranz-Strategie. Wird in einer Herde ein positiver Fall festgestellt, muss die gesamte Herde gekeult werden – auch klinisch gesunde Tiere, auch genetisch wertvolle Zuchtlinien, auch Bio-Bestände, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden.

Die Übertragung der Knollenhautkrankheit erfolgt nicht durch direkten Kontakt von Tier zu Tier und nicht über die Luft.

Hauptüberträger sind blutsaugende Insekten, insbesondere Stechmücken, Bremsen und Stallfliegen. Das Virus wird mechanisch über den Stich weitergegeben. Eine schnelle Ausbreitung ist daher vor allem in den Sommermonaten und in Regionen mit hoher Insektendichte zu beobachten. Infektionsketten lassen sich dadurch nur begrenzt kontrollieren.

In Frankreich wurden seit Juni 2025 über 110 Ausbrüche registriert. Rund 3.300 Rinder wurden getötet, verteilt auf etwa 80 bis 100 landwirtschaftliche Betriebe. In vielen Fällen waren nur ein oder zwei Tiere tatsächlich erkrankt.

In einem besonders symbolträchtigen Fall im Département Ariège mussten die 150 Rinder eines Bio-Hofs vollständig getötet werden – obwohl lediglich zwei Tiere Symptome zeigten.

Ein Landwirt aus der Region sagt:
„Ich habe dreißig Jahre gezüchtet. Und jetzt ist alles weg – wegen eines einzigen Tests.“

Ein anderer formuliert es noch knapper:
„Die Keulung ist schlimmer als die Krankheit.“

Tränengas gegen Bauern

Besonders in den Regionen Ariège, Haute-Garonne und angrenzenden Départements eskalierte die Lage. Bauern blockierten ihre eigenen Höfe, errichteten Barrikaden und versuchten, veterinärmedizinische Einsatzteams am Zugang zu hindern.

Der Staat reagierte mit Härte. Polizeikräfte, Tränengas und gepanzerte Fahrzeuge begleiteten die Durchsetzung der Keulungen. Bilder von Landwirten, die vor ihren Ställen stehen, während ihre Tiere abtransportiert und getötet werden, gingen durch die französischen Medien.

Für viele war dies ein Wendepunkt. Nicht mehr die Krankheit, sondern das staatliche Vorgehen wurde zum eigentlichen Konflikt.

Zu spät, zu wenig: Impfungen und Entschädigungen

Erst nach der landesweiten Eskalation kündigte die Regierung eine großangelegte Impfkampagne an. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sollen zwischen 600.000 und einer Million Rinder geimpft werden, teilweise mit logistischer Unterstützung der Armee.

Für bereits betroffene Betriebe kommt diese Maßnahme zu spät. Dort greift weiterhin automatisch die Keulungspflicht.

Zusätzlichen Unmut verursachen schleppende und aus Sicht vieler Landwirte unzureichende Entschädigungszahlungen. Ein gekeulter Bestand bedeutet nicht nur den Verlust von Fleischwert, sondern den Verlust von Zuchtarbeit, Zukunftsperspektive und Identität.

LSD ist nur der Auslöser

Die Seuche trifft auf eine Landwirtschaft, die seit Jahren unter Druck steht: sinkende Einkommen bei steigenden Produktionskosten, zunehmende Dokumentations- und Umweltauflagen sowie das geplante EU-Mercosur-Abkommen, das zusätzliche Konkurrenz durch südamerikanische Agrarimporte erwarten lässt.

Vertreter der Confédération Paysanne sprechen offen von einer systematischen Verdrängung kleiner und mittlerer Höfe. Große Bauernverbände sind gespalten. Während Teile der FNSEA den staatlichen Kurs mittragen, wächst an der Basis der offene Widerstand.

Politischer Sprengstoff

Der Konflikt ist politisch hoch aufgeladen. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen europäischer Regulierung und nationaler Realität tritt offen zutage. Nationale Parteien nutzen die Proteste, um grundsätzliche Kritik an der EU-Agrarpolitik zu formulieren.

Die Regierung hält dagegen: Seuchenschutz sei zwingend erforderlich, um langfristig größere wirtschaftliche Schäden zu verhindern.

Ausblick

Nach einer kurzen Beruhigung über die Weihnachtszeit 2025 haben mehrere Bauernverbände neue Protestaktionen für Januar 2026 angekündigt. Die Fronten bleiben verhärtet.

Der Konflikt um die Knollenhautkrankheit ist längst kein rein veterinärmedizinisches Thema mehr. Er steht exemplarisch für eine Landwirtschaft am Limit – und für eine grundlegende Frage: Wie viele Höfe muss der Staat noch zerstören, bevor er erkennt, dass er gerade seine eigene Landwirtschaft erschießt?

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die massenstallhaltung,auf masse gezüchtet,wenig platz und völlig gestresste tiere,das immunsystem im keller.....

ich bin immer für eine natürliche durchseuchung,denn nicht jedes tier stirbt an solchnen krankheiten
aber wenn man mit den tieren,profit generieren will,tja,dann müssen halt alle weg
für mich ein absolutes no go

wer einmal die pocken hatte,bekommt diese nicht ein 2 tes mal
dazu müsste man sich aber informieren,zeit nehmen und mit seinen tieren durch gehen
geld geld geld,lässt das nicht zu
dann lieber alle töten und dann auch noch wegschmeißen
auch das für mich ein no go
denn ab 70 grad sterben diese viren ab und man könnte zumindest noch was draus machen

ein thema was mich aufregt und ich das ohne ende kenne
ich habe selber eine geflügelpocken durchseuchung durch
und meine tiere die das überlebt haben,sind immun

aber wer nur züchtet auf profit,da ist sowas natürlich unpassend
lieber töten und neue holen
da arbeitet der staat und der landwirt gut zusammen,denn der landwirt kann keine durchseuchung ausführen

ich bin für kleine selbstversorgerhöfe
denn wenn auf masse gezüchtet wird und man nur noch die dollar zeichen im koppe hat,dann passieren die schlimmsten dinge am tier

Ja genau das ist der Punkt. Die Bauern laufen ja deswegen STURM, weil die EU die Regeln so hart angesetzt hat.

1 Tier krank = Ganze Herde Keulen

das ist die EU Regel und die Bauern kennen solche Seuchen ja schon, aber so streng waren die Regeln nie!

Und klar du hast Recht, es geht ums Geld. Jedes Tier prüfen zu lassen, professionell kostet eben! Aber für viele ein investment in die Herde und Zukunft.

Interessant finde ich auch, dass es durch Insekten übertragen wird, deren Vernichtung oder Bekämpfung gar nicht thematisiert wird. Das deutet eher daraufhin, dass man die Landwirtschaft die Milch und Fleisch produziert reduzieren möchte. Um das Auszugleichen direkt den Import aus Südamerika erleichtert.

Aber du hast vollkommen Recht. Durchseuchung war mal das Mittel der Wahl. Immunsystem und Natur sind stark. Nicht alle schaffen es aber einige... werden diese auch gekeult stirbt die Immunisierung mit den Tieren, als ob genau das gewollt ist.

Danke für deinen Input... ich schätze Erfahrungen aus erster Hand =)

es sind keine bauern mehr,sondern landwirte die wirtschaft betreiben,ob politik oder der landwirt,
keulen bedeutet verlust,den man in kauf nimmt,denn ein landwirt will keine durchseuchung

die krankheit wird noch anders übertragen :
wind,feinstaub der haut und das fell
klamotten stiefel des landwirtes

ja,ich habe erfahrung damit und als kleiner krauter mit einem anderen bewusstsein als aus der masse das meiste heraus zu holen
kenne ich eine durchseuchung
war hart,aber ich habe es gepackt mit den tieren
und kläre andere personen auf
wer keine lust drauf hat,darf mir sein geflügel vorbeibringen,
und wenn es nicht stirbt,behalte ich es danach auch
denn bei mir steckt ganz viel zeit,herzblut,schweiß,futter,geld und mega viel liebe drin