Gekaufte Follower, Doppelstandards – Wer darf online beliebt sein?

ChatGPT Image 17. März 2026, 10_00_09.png

In den sozialen Medien dreht sich aktuell alles um angeblich „gekaufte Follower“. Alice Weidel steht im Rampenlicht: Viele ihrer Likes und Follower sollen aus Nigeria stammen. Die Analyse von Reset Tech, einer kommerziellen Influence-Farm, ergab, dass von 1.203 untersuchten TikTok-Accounts 57 % aus Nigeria kamen. Einige Beobachter sprechen von koordinierter Flut-Content. Die AfD selbst betont: „Wir haben keinerlei Kampagnen in Auftrag gegeben.“ (WELT, 11.03.2026)

Sofort ist die Empörung da: „Seht ihr, die AfD hat gar keine echte Unterstützung! Alles Fake!“

Dasselbe Phänomen bei anderen Politikern – nur anders bewertet

Wenn man genauer hinsieht, fällt auf: Das Gleiche passierte vor ein paar Jahren auch bei linken Politikern – nur reagierte die Öffentlichkeit völlig anders. Beispiel: Ricarda Lang.

Vor einigen Jahren tauchten bei ihr Likes und Interaktionen von Accounts auf, die offenbar automatisiert waren oder keine eigenen Tweets verfassten. Viele dieser Accounts kamen aus dem asiatischen Raum und hatten identische Bio-Texte wie „Babysitter“ oder „High-Heel-Lover“. Experten wie Simon Hegelich von der TU München erklärten damals, dass es sich um sogenannte Social Bots handelte: automatisierte Accounts, die Likes setzen, ohne echte Reichweite zu erzeugen. Hegelich betonte: Es sehe nach Scam oder gezieltem Piesacken aus, nicht nach Kauf durch Lang selbst. (FOCUS, Thomas Sabin, 25.08.2023)

Lang selbst bestritt ausdrücklich, Likes oder Follower gekauft zu haben. Die Medien wiesen außerdem darauf hin, dass andere die Bots gekauft haben könnten, um Lang gezielt zu diskreditieren. Viele Indikatoren sprachen damals dafür, dass sie schlicht „in den Bot-Filter geraten“ war, nicht aktiv manipuliert hatte.

Bei Weidel hingegen wird eine solche Möglichkeit kaum noch in Betracht gezogen. Jeder Hinweis auf ausländische Follower wird sofort als Beleg für „gekaufte Popularität“ interpretiert. Doppelstandards, die so durchsichtig sind, dass man sich fragt, ob es um politische Narrative geht oder gezielt kritische Storys konstruiert werden.

Realität versus Social-Media-Aufregung

Und mal ehrlich: Selbst wenn ein paar Likes künstlich wären – ändern sie irgendetwas an der Realität? Nein. Wahlen und Umfragen zeigen klar: Die AfD hat breite Unterstützung in Deutschland. Laut ARD-Deutschlandtrend März 2026 liegt sie bei 23 %, je nach Institut leicht variierend. Social Media ist ein Spiegel, aber kein Thermometer für politische Stimmung. Wer sich also an ein paar ausländischen Followern aufhängt, ignoriert, dass reale Wähler in Umfragen und an der Urne ganz klar zeigen, wie beliebt die Partei ist.

Fazit: Kontext ist alles

Wer Online-Zahlen dramatisiert, darf nicht selektiv urteilen. Wenn man schon über Bots, Likes und Follower spricht, sollte man die ganze Palette betrachten – bei allen Parteien. Alles andere ist nichts als politisches Fingerspitzengefühl in Reinform: clever aussehen, ohne wirklich Argumente zu liefern.

Am Ende zeigt diese Debatte vor allem eins: Social Media ist ein launischer Spiegel, und Politiker müssen damit leben. Wer daraus jedoch moralische Urteile bastelt, ohne den Kontext zu verstehen, betreibt nichts anderes als selektive Empörung – und das ist weder fair noch aufschlussreich.

Teilt eure Meinung: Sind das echte Doppelstandards oder nur selektive Aufregung?

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