Ich suchte ‚Bösewichtinnen‘ im Duden – und verlor mein Vertrauen in die Grammatik

in #deutsch4 months ago (edited)

Eine kleine Liebesgeschichte zwischen Mensch, Sprache und Wahnsinn

Deutsch ist keine Sprache – es ist ein Abenteuerpark mit 16 Fällen, mehreren Geschlechtern und täglich neuen Überraschungen. Meine Freundin, die gerade Deutsch lernt, ist tapfer. Sie kämpft sich durch Artikel, Kasus und Konjunktive, als wollte sie Goethe persönlich beeindrucken. Doch dann kam der Tag, an dem sie auf die Polizei traf. Zumindest sprachlich.

Ich saß gerade am Rechner, als sie aus dem Wohnzimmer rief:
„Was sind bitte Bösewichtinnen?!“

Ich dachte zuerst, sie hätte sich verlesen. Aber nein – es stand da. Offiziell, von der Polizei Hamburg. „Die Durchsuchung führte zur Ergreifung eines Bösewichts und zweier Bösewichtinnen…“
Sie schaute mich an, als hätte sie soeben den Untergang der Grammatik erlebt.

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„Ich finde das Wort nicht im Duden“, sagte sie entsetzt.
Ich nickte verständnisvoll und erklärte, das sei modernes, inklusives Deutsch.
Sie googelte. Nichts.
„Dann ist das also falsch?“
„Nein“, sagte ich vorsichtig, „das ist richtig gemeint. Das ist jetzt wichtiger.“

Dann stieß sie auf das Wort Polizeiende.
„Heißt das, die Polizei hört jetzt auf?“, fragte sie mit erschrecktem Blick.
„Im übertragenen Sinne vielleicht“, murmelte ich.

Sie begann zu grübeln:
„Also… die Bösewichtinnen wurden von den Polizeienden verhaftet?“
Ich: „Korrekt.“
„Und das steht so offiziell da?“
Ich: „Leider ja.“
„Dann ist das Satire?“
Ich: „Nein, das ist Realität. Satire ist nur, wenn man’s merkt.“

Nach einer Weile kam sie mit dem Duden zurück.
„Hier steht Gast, aber keine Gästin!“
Ich lächelte müde. „Das nennt man sprachliche Gerechtigkeit.“
Sie schüttelte den Kopf. „Das nennt man sprachliche Selbstaufgabe.“

Seitdem ist sie stiller geworden. Manchmal höre ich sie leise murmeln: „Ich wollte Deutsch lernen, nicht… kämpfen.“

Ich schwanke bis heute zwischen Aufklärung und Flucht. Beides endet vermutlich im Duden.


Fazit

Vielleicht ist das ja der wahre Test, ob man in Deutschland angekommen ist: nicht die Steuer-ID, nicht der Sprachtest – sondern der Moment, in dem man „Bösewichtinnen“ liest und trotzdem weitermacht.