Ich wollte eigentlich nur trollen. Dann wurde es plötzlich Politik.

Ich hatte heute nicht vor, mich politisch zu bewerben. Ich hatte nicht mal vor, ernst genommen zu werden.

Dann rief Norbert Bolz zur Wahl von Team Freiheit auf – und ich schrieb, halb im Spaß, halb aus Neugier, einen Tweet. Ironisch, leicht überdreht, mit einem Augenzwinkern. So, wie man eben schreibt, wenn man eigentlich denkt: „Das hier ist Satire. Entspann dich.“

Nur: Es blieb nicht dabei.

Aus einem Tweet wurde ein Gedanke. Aus einem Gedanken eine kleine Dynamik. Und aus der Ironie plötzlich eine Frage, der ich selbst nicht mehr ausweichen konnte:

Was, wenn das hier kein Witz mehr ist?

Ich habe in meinem Leben oft erlebt, wie Politik funktioniert, ohne dass sie sich wie Politik anfühlt. In Behörden, vor Gerichten, bei Mietfragen, im Sozialrecht. Nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht theoretisch, sondern existenziell.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mein ironischer Ton bei manchen hängen blieb. Weil er nicht aus Zynismus kam, sondern aus Erfahrung.

Wenn ich schreibe, dass Transparenz ehrlicher wäre als moralische Sonntagsreden, dann meine ich das nicht als Provokation. Ich meine es als Feststellung.

Wenn ich über Kickbacks, Deals und Nebenverdienste spotte, dann nicht, weil ich Korruption lustig finde – sondern weil ihre stillschweigende Normalisierung absurd ist.

Manchmal ist Humor die einzige Sprache, in der man Dinge sagen kann, die im Ernstton längst niemand mehr hören will.

Was mich selbst überrascht hat, war nicht die Resonanz. Sondern mein eigener Gedanke danach:

Wenn mich eine Partei ernsthaft in Erwägung ziehen würde, würde ich das ernsthaft durchziehen.

Nicht aus Ehrgeiz. Nicht, um „jemand zu werden“. Sondern weil Verantwortung kein Spiel ist – und Ironie kein Schutzschild bleiben darf, wenn es konkret wird.

Ich halte nichts von ungeplanten Karrieren. Aber ich halte noch weniger davon, vor einer Möglichkeit davonzulaufen, nur weil sie unbequem ist.

Mir ist klar, dass ich kein klassischer Kandidat bin. Keine Parteilaufbahn, kein Politsprech, kein Hochglanzprofil. Dafür eine klare Sprache, eine niedrige Toleranz für Bullshit und die unangenehme Angewohnheit, Fragen zu stellen, die nicht im Skript stehen.

Vielleicht ist das ein Makel. Vielleicht aber auch genau das, was vielen inzwischen fehlt.

Denn wenn ein ironischer Tweet ausreicht, um mehr politische Ehrlichkeit zu transportieren als manch durchchoreografierte Kampagne, dann sagt das weniger über mich als über den Zustand unseres politischen Betriebs.

Ich schreibe diesen Text nicht, um meine Kandidatur zu erklären. Ich schreibe ihn, um etwas offenzulegen:

Dass Politik heute nicht mehr nur dort entsteht, wo sie geplant wird. Sondern dort, wo Menschen merken, dass sie Verantwortung nicht mehr delegieren wollen.

Ob daraus etwas wird, weiß ich nicht. Vielleicht bleibt es eine Episode. Vielleicht ein Denkanstoß. Vielleicht auch mehr.

Aber eines weiß ich sicher: Wenn aus Ironie Ernst wird, sollte man nicht so tun, als hätte man es nicht kommen sehen.

Und vielleicht ist genau das der Anfang von etwas Ehrlicherem.