Kleiner Piks, große Verwirrung – Warum Impf-Überschriften mehr schaden als nutzen

„Impfungen schützen auch vor Krebs und Herzerkrankungen“ – so lautet eine Schlagzeile, die derzeit kursiert. Wer sie liest, denkt unweigerlich an Corona-Impfungen. Und genau hier beginnt das Problem.

Denn der zugrunde liegende Artikel bezieht sich nicht auf mRNA-Impfstoffe oder Covid-19, sondern auf klassische, seit Jahrzehnten eingesetzte Impfungen – insbesondere die HPV-Impfung, die in Deutschland seit etwa 2006 empfohlen wird und deren Nutzen zur Prävention bestimmter Krebsarten gut dokumentiert ist.

Diese Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit, sondern zentral.

Wenn alles „die Impfung“ ist, ist nichts mehr differenziert

Im öffentlichen Diskurs wird seit der Corona-Pandemie der Begriff „Impfung“ oft pauschal verwendet, dass war Memetik(Ich empfehle Andreas Popp zu dem Thema) und durchaus auch so gewollt – aber als wäre jede Impfung identisch in Technologie, Zulassungsverfahren, Langzeiterfahrung und Nutzen-Risiko-Abwägung.

Das ist fachlich falsch. Und es ist kommunikativ fatal.

Die HPV-Impfung ist keine neue Technologie. Sie wurde über viele Jahre hinweg eingeführt, begleitet und evaluiert. Wer diese Impfung heute mit der unter massivem Zeitdruck entwickelten Corona-Impfkampagne sprachlich in einen Topf wirft, erzeugt genau das, was er vorgibt zu bekämpfen: Misstrauen.

Journalismus oder Reichweitenlogik?

Natürlich kann man argumentieren, dass der Artikel inhaltlich korrekt ist. Das Problem liegt nicht zwingend im Text selbst, sondern in der Überschrift und im Framing.

Eine Schlagzeile, die bewusst offenlässt, welche Impfungen gemeint sind, lebt von Assoziationen. Und diese Assoziationen sind im Jahr 2025 nun einmal eindeutig: Corona.

Wer so arbeitet, informiert nicht, sondern triggert. Und wer anschließend Kritiker pauschal als „Quarkdenker“ oder „Querdeppen“ diffamiert, ersetzt Argumente durch moralische Abwertung.

Das ist kein Qualitätsjournalismus. Das ist Übersetzungs- und Verpackungsjournalismus – schnell, laut, reichweitenoptimiert.

Differenzierung ist kein Impfgegner-Argument

Es ist kein Zeichen von Wissenschaftsfeindlichkeit, zwischen Impfstoffen zu unterscheiden. Im Gegenteil: Differenzierung ist die Grundlage von Wissenschaft.

Wer heute noch immer so tut, als sei jede kritische Nachfrage automatisch „Impfgegnerschaft“, hat aus den letzten Jahren nichts gelernt – oder will nichts lernen.

Fazit

Ja: Bestimmte Impfungen – wie die HPV-Impfung – können nachweislich das Krebsrisiko senken.

Nein: Daraus folgt keine pauschale Aussage über „die Impfung“ als solche.

Und erst recht folgt daraus nicht das Recht, jede kritische Einordnung mit Spott und Diffamierung zu überziehen.

Was wir brauchen, ist weniger moralische Überhöhung und mehr saubere Trennung von Themen. Nicht jeder „kleine Piks“ ist derselbe. Und nicht jede Kritik ist „wirrer Unfug“.