Schatz, was heißt eigentlich‚”Bösewichtinnen“?– Eine migrantische Liebesgeschichte zwischen Chaos, Shark und Mercedes

in #deutsch2 months ago

Ich habe überlebt.

Während ich dieses Buch schreibe, sitze ich am Schreibtisch – lebendig, unversehrt und mit dem guten Gefühl, heute nicht auf der Couch schlafen zu müssen.

Warum das erwähnenswert ist?

Weil ich meiner Freundin gerade die ersten Kapitel vorgelesen habe.
Und ich schwöre: Ich rechnete mit allem.

Missbilligung. Todesblick™. Langes Schweigen.
Vielleicht sogar mit einem spontanen „Du übertreibst wieder!“ in ihrer Muttersprache.

Aber stattdessen?

Sie hatte Tränen in den Augen. Vor Lachen.

Und sagte den Satz, der dieses Buch wahrscheinlich erst möglich gemacht hat:

„Für mich ist das ja normal… aber von außen betrachtet ist das irgendwie lustig.“

Damit war klar:
Unsere Beziehung ist entweder genial, bekloppt – oder das beste Material, seit Humor gedruckt wird.

Wahrscheinlich alles gleichzeitig.


Worum geht’s im Buch?

Ich erzähle die Geschichte einer deutschen-lettischen Beziehung, die eigentlich stolz auf ihre Gleichberechtigung ist – bis Sprache, Alltag und Realität irgendwann beschließen:

„Wir machen da jetzt Comedy draus.“

Es geht um:

  • eine taffe, smarte, schlanke 43-jährige Lettin, die jedes Werkzeug besser bedient als ich
  • einen 37-jährigen Deutschen, der glaubt, strukturiert zu sein (und es bis Kapitel 2 auch ist)
  • grammatische Endgegner
  • deutsche Nachbarn, die mich verurteilen, weil ich meine Freundin selbst Sachen reparieren lasse
  • „Bösewichtinnen“
  • Männer, die beim Autobasteln nur im Weg stehen
  • Emotionen, Kultur, Chaos – und sehr viel Liebe

Dieses Buch ist kein Roman.
Es ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die beim Versuch, die richtige Sprache zu finden, immer wieder in der falschen Grammatik landen.

Kapitel 1: Alles unseres – außer der deutschen Sprache


Also, wer wir sind, das sollte man am besten gleich wissen. Ich bin 37, Deutscher, eher praktisch veranlagt, manchmal chaotisch, immer bereit, zu helfen – oder es zumindest zu versuchen. Sie ist 43, Lettin, schlank, smart, taff und immer ein kleines bisschen unberechenbar. Wer „Bösewichtin“ sagt, meint eigentlich sie – und ja, sie trägt das mit einer Mischung aus Stolz und Humor, die einen oft sprachlos zurücklässt.
Wir haben von Anfang an eines klar gemacht: kein „deins“, kein „meins“, nur unser. Der Mietvertrag? Zusammen unterschrieben, keine Diskussion. Die Waschmaschine? Unser Reich, wir teilen sie, wir nutzen sie wie zwei Menschen, die wissen, dass Ordnung nur in einem gewissen Chaos existiert. Der Kühlschrank? Unser Königreich. Alles, wirklich alles, ist unser. Sogar die Fernbedienung, die Stifte auf dem Schreibtisch, die Kaffeetassen. Sie behandelt mein Zeug wie ihr eigenes, ich ihres wie mein eigenes. Und ehrlich: Es funktioniert. Wirklich.
Einzige Ausnahme: das Essen. Wir essen unterschiedlich, also ist klar, wessen Portion wessen ist. Aber auch da gilt: ich darf nie heimlich in ihren Teller greifen, sie nie in meinen. Alles andere? Wir teilen, lachen, nehmen es hin. Es gibt keine Streitereien über Kleinigkeiten, keine Besitzkämpfe – höchstens ein freundliches Kopfschütteln, wenn wir merken, dass der andere mal wieder heimlich etwas „unseres“ genutzt hat.
Was das Leben mit ihr wirklich besonders macht, ist ihre Art: unabhängig, clever, selbstständig, ein kleiner Wirbelwind, der alles selbst erledigen will. Ich mag praktisch sein, klar, ich helfe gern – aber bei ihr gilt: Männer stehen daneben, während Frauen das Chaos organisieren. Punkt. Keine Diskussion, kein Frust – nur die stille Erkenntnis, dass ihre Eigenständigkeit größer ist als mein Bedürfnis, alles selbst zu regeln.
Und ich habe gelernt: Das ist nicht etwa ein Kampf um Macht. Nein, es ist ein Tanz, ein Rhythmus, den wir beide gefunden haben. Sie wirbelt durch die Wohnung, plant, macht, organisiert, und ich stehe daneben, manchmal nickend, manchmal belustigt, manchmal hilfsbereit, wenn sie mich explizit ruft. Manchmal sitze ich nur da und beobachte sie, und in diesen Momenten denke ich: „Ja, genau so ist es.“
Natürlich lernt sie auch Deutsch, langsam, Schritt für Schritt. Manchmal höre ich sie Grammatik üben, und ich weiß schon jetzt: das wird lustig, verzwickt und für mich sehr unterhaltsam werden.
Wir lachen oft über unser gemeinsames Chaos: die Küche nach einem Kochabend, die Wäscheberge, die sich heimlich stapeln, das Wohnzimmer, das manchmal eher einem Schlachtfeld gleicht als einem Wohnraum. Aber wir beide wissen: Es ist unser Chaos, und das macht es gut.
Und dann kam der Tag, an dem sie „Bösewichtinnen“ las – und ich wusste: Jetzt fängt das richtige Abenteuer erst an. Aber das sollte erst später folgen.

Kapitel 2: Zwei Welten, ein Wohnzimmer


Es war seltsam, wie schnell aus ihrem Akzent ein Teil unserer Wohnung wurde. Anfangs hörte ich ihn kaum bewusst. Er war einfach da — wie das Ticken unserer Küchenuhr oder das Knistern der alten Lampe, die wir nie austauschten, weil sie uns an irgendetwas erinnerte, das keiner von uns benennen konnte.
Doch mit jedem Satz, den sie auf Deutsch versuchte, wurde ihre Welt sichtbarer. Es begann harmlos:
„Warum sagt man der Tisch, aber die Gabel? Das ist… äh… unlogisch.“
Und jedes Mal sah sie mich dabei an, als hätte ich dieses sprachliche Unheil persönlich erfunden.
Ich:
„Ich hab die deutsche Grammatik nicht geschrieben.“
Sie:
„Ja, aber du benutzt sie!“
Das war unser Alltag:
zwei Sprachen, drei Nationen, vier Missverständnisse — pro Stunde.

Manchmal sprach sie so schnell Lettisch, dass ich dachte, sie rezitiere ein Gedicht. Dabei wollte sie oft nur wissen, wo ihre Kopfhörer sind. Und wenn sie Russisch sprach, bekam jede Silbe eine kleine Melodie, die nicht zu ihrer Härte passte. Ihre Mutter nannte sie damit liebevoll „solnyschko“ – mein kleines Sonnenkind. Ich verstand kein Wort, aber ich verstand alles.
Sie liebte Deutschland. Oder besser: Sie liebte die Vorstellung davon. Ordnung, Pünktlichkeit, Logik. Dann traf sie auf das deutsche Formularwesen, und die Liebe bekam ihre erste Krise.
„Das ist nicht Ordnung, das ist Folter!“ rief sie einmal, als ein Online-Antrag wegen eines einzigen fehlenden Häkchens zurückgesetzt wurde.

Unser Wohnzimmer wurde zum Schauplatz dieser kleinen kulturellen Kollisionen. Sie brachte aus Riga einen Sinn für Eleganz mit: klare Linien, dezentes Licht, ein Sofa, das aussah wie aus einem Design-Katalog, aber unbequem war wie ein Parkhaus. Ich brachte aus Deutschland: Bücher, Ordner, Papier. Viel Papier. Wir trafen uns irgendwo dazwischen — in einem Raum, der gleichzeitig Minimalismus und Bürokratie ausstrahlte.
Und dann war da diese Sache zwischen uns, die weder Sprache noch Möbel kannte: ein stilles Einverständnis, das sich durch alles zog. Sie hatte diese Art, mich anzusehen, wenn ich einen Witz machte, den sie eigentlich nicht verstand. Erst kam die Konzentration, dann die Erkenntnis — und dann das Lachen. Immer dieses Lachen.

Erst später sollte ich begreifen, dass in dieser Zeit ein Muster entstand:
Sie kämpfte mit der Sprache.
Ich kämpfte mit meinen Gedanken.
Und wir beide kämpften dafür, uns nicht zu verlieren in all den Dingen, die noch auf uns warten würden.
Aber das wussten wir damals nicht. Noch nicht.
Denn das eigentliche Abenteuer begann an einem Abend, an dem sie auf dem Sofa saß, einen Stift in der Hand, und mich mit einem Blick ansah, der sagte:
„Ich habe eine Frage… eine große Frage.“
Welche — das erfuhr ich erst, als sie tief Luft holte und begann:
„Also… erklär mir bitte eins: Warum sagt man…“
Doch den Rest behalt ich für Kapitel 3.

Wer jetzt wissen will, welche grammatikalische Katastrophe als nächstes passiert und warum meine Nachbarn mich für einen Frauenschinder halten:

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(Taschenbuch folgt in wenigen Tagen)