Streben nach Glück - Das harte Leben der Simultanübersetzer

in #deutsch16 days ago

Ich habe mir vorhin ein Video angesehen, in dem Auftritte unserer Politiker – insbesondere von Annalena Baerbock – zu einem Best-of der Sprachfehler zusammengeschnitten wurden.
(Spoiler: Es waren viele.)

Und während man darüber lacht oder den Kopf schüttelt, kam mir plötzlich eine ganz andere Frage in den Sinn:
Was machen eigentlich die Simultanübersetzer?

Denn die stecken in einem echten Dilemma.
Alle reden ständig von Win-Win-Situationen – neuerdings am liebsten gleich Win-Win-Win. Aber wer denkt eigentlich an die stillen Verlierer im Hintergrund? An jene Berufsgruppe, die unverschuldet immer wieder in Lose-Lose-Situationen gepresst wird?

Die Simultanübersetzer.

Stellen wir uns die Situation vor:
Eine Ministerin spricht frei. Die Sätze stolpern, Wörter verrutschen, Bedeutungen kippen. Und irgendwo in einer schallisolierten Kabine sitzt ein Mensch mit Kopfhörer und Mikrofon – und muss in Sekunden entscheiden:

Übersetze ich den Fehler eins zu eins?
Oder korrigiere ich ihn?

Beides ist unerquicklich.

Übersetzt man den Fehler wortgetreu, macht man den Redner international lächerlich. Der Patzer wird exportiert, vervielfältigt, archiviert.
Korrigiert man ihn hingegen elegant, erzeugt man einen falschen Eindruck von Präzision und Kompetenz – man retuschiert Realität. Aus einem holprigen Gedanken wird plötzlich ein sauber formulierter.

Die Wahl lautet also:
Bloßstellen oder beschönigen.
Peinlichkeit oder Propaganda.
Wahrheit oder Wirkung.

Und während das Publikum applaudiert oder buht, sitzt der Übersetzer da und weiß:
Egal wie ich mich entscheide – ich bin der Böse.

Denn im ersten Fall heißt es: „Wie konnte man das so übersetzen?“
Im zweiten: „Das hat sie doch gar nicht gesagt!“

Vielleicht ist das die eigentliche Tragik moderner Politik:
Nicht die Sprachfehler selbst, sondern dass jemand gezwungen ist, sie professionell zu verwalten.

Beides irgendwie verächtlich, hmm.

Sort:  

Aufgabe eines Übersetzers ist mich wortgetreu zu übersetzen und mir nicht die Pointe zu entwenden die zu erzielen ich beabsichtige.

BK

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Ihre Pointe bleibt selbstverständlich erhalten – wortgetreu und international.
Die Übersetzer haben nur die undankbare Aufgabe, sie zu transportieren.

Mein Beileid für die Pointe – und für die Übersetzer.

Mit vorweihnachtlichen Grüßen
JPV

Sie müssen auf jeden Fall zur Bundeswehr.

Darum haben wir die Wehrpflicht wieder eingeführt.

Nur so können wir die Demokratie verteidigen.

TBK