Vorläufige Insolvenzzahlen abgeschafft – Wenn Frühwarnsysteme politisch unerwünscht werden

in #deutsch28 days ago

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Es ist eine stille, aber folgenschwere Entscheidung: Die vorläufigen Insolvenzzahlen – jahrelang ein zentraler Frühindikator für die wirtschaftliche Lage – werden nicht mehr gesondert veröffentlicht bzw. in ihrer bisherigen Aussagekraft zurückgefahren. Offiziell aus statistischen oder methodischen Gründen. Faktisch jedoch verschwindet damit eines der wenigen Instrumente, mit denen sich wirtschaftliche Stresslagen frühzeitig erkennen ließen.

Hinter jeder Insolvenz stehen nicht nur Zahlen – sondern Menschen, die ihre Existenz verlieren, Familien, die unter Druck geraten, und Kommunen, denen die wirtschaftliche Grundlage entzogen wird.

Was Insolvenzzahlen wirklich bedeuten

Insolvenzzahlen sind keine bloße Statistik. Sie sind ein Seismograph für:

  • Liquiditätsengpässe im Mittelstand
  • Nachfrageeinbrüche
  • steigende Finanzierungskosten
  • strukturelle Standortprobleme
  • politische Fehlanreize

Gerade die vorläufigen Insolvenzzahlen waren deshalb so wichtig, weil sie zeitnah abbildeten, was sich erst Monate später endgültig in der amtlichen Statistik niederschlägt. Sie fungierten als Frühwarnsystem – für Politik, Investoren, Kommunen und Arbeitnehmer.

Wer diesen Frühindikator abschafft, schaltet nicht das Problem aus, sondern die Wahrnehmung des Problems.

Warum der Frühindikator unbequem war

Die Entwicklung war absehbar – und politisch unerquicklich. Bereits die letzten veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigten einen deutlichen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen.

Laut Destatis stiegen die Insolvenzanträge im Jahr 2025 um 15,2 % gegenüber 2024. Die im Jahr 2026 weitergeführte statistische Umstellung – einschließlich des Wegfalls der klar ausgewiesenen vorläufigen Zahlen – wurde offiziell mit methodischen Gründen erklärt, entzog der Öffentlichkeit jedoch genau jene Transparenz, die in wirtschaftlichen Stressphasen notwendig wäre.

Vorläufige Zahlen hätten früh gezeigt, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht stabilisiert, sondern weiter zuspitzt. Wer politische Narrative von „Resilienz“, „Transformation“ und „robuster Wirtschaft“ aufrechterhalten will, kann solche Signale schlecht gebrauchen.

Die kommende Insolvenzwelle – und ihre Folgen

Die Realität lässt sich jedoch nicht wegmoderieren. Was sich derzeit aufbaut, ist keine konjunkturelle Delle, sondern eine mehrjährige Insolvenzwelle:

  • dauerhaft hohe Energiepreise
  • explodierende Bürokratiekosten
  • steuerliche Belastungen
  • regulatorische Unsicherheit
  • Investitionszurückhaltung
  • Abwanderung von Kapital

Die Folgen reichen weit über einzelne Unternehmen hinaus. Insolvenzen führen zwangsläufig zu einem Einbruch der Steuereinnahmen:

  • weniger Körperschaftsteuer
  • weniger Gewerbesteuer
  • weniger Einkommensteuer
  • gleichzeitig steigende Sozialausgaben

Kommunen trifft es zuerst. Länder folgen. Am Ende der Bund.

Der Standort Deutschland blutet aus

Besonders alarmierend ist, dass es längst nicht mehr nur um Insolvenzen geht, sondern um systematische Abwanderung. Zahlreiche Großunternehmen und Mittelständler haben ihre Produktions- oder Verwaltungsstandorte bereits verlagert – oder planen es offen.

Die Entwicklung ist öffentlich dokumentiert:

  • BASF investiert Milliarden in neue Standorte in China, während Investitionen in Ludwigshafen zurückgefahren werden
  • Volkswagen verlagert Produktionskapazitäten nach Osteuropa
  • Auch mittelständische Zulieferer kündigen offen an, Teile der Fertigung zu verlagern (vgl. Handelsblatt)

Nicht aus ideologischen Gründen, sondern wegen:

  • planbarer Rahmenbedingungen
  • deutlich niedrigerer Energiekosten
  • geringerer Bürokratie
  • investitionsfreundlicherer Standortpolitik

Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft beziffern den Verlust durch Produktionsverlagerungen auf 30 bis 50 Milliarden Euro Wertschöpfung pro Jahr. Geld, das weder in Steuereinnahmen noch in Arbeitsplätzen in Deutschland ankommt.

Statistikpolitik ersetzt keine Wirtschaftspolitik

Das Abschaffen oder Relativieren vorläufiger Insolvenzzahlen ändert nichts an der Realität. Es verschiebt lediglich den Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr zu leugnen ist.

Wer Frühwarnsysteme deaktiviert, handelt nicht verantwortungsvoll, sondern kurzfristig opportunistisch. Eine funktionierende Volkswirtschaft braucht:

  • Transparenz statt Beschönigung
  • Daten statt Narrative
  • Ehrlichkeit statt Statistikpolitik

Fazit

Die Abschaffung vorläufiger Insolvenzzahlen ist kein technisches Detail. Sie ist ein Symptom – für eine Politik, die Probleme lieber unsichtbar macht, als sie zu lösen.

Statistikpolitik mag bequem sein – aber die Realität lässt sich nicht abschaffen. Nur verschleppen. Und der Preis dafür wird hoch sein.

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BK