Warum Journalisten ihre Deutungshoheit verlieren und zu Witzfiguren verkommen
In einer Welt, in der Journalisten gern als Wächter der Demokratie gefeiert werden, gibt es Momente, in denen dieses Bild Risse bekommt. Nehmen wir ein scheinbar harmloses Beispiel: Eine Reporterin, deren Profilbild mit dem Bekenntnis „Für Demokratie und Vielfalt“ geschmückt ist. Ein starkes Symbol. Offenheit. Toleranz. Diskurs.
Schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich ein anderes Bild. Zahlreiche ihrer Beiträge auf X (ehemals Twitter) sind so eingestellt, dass nur ausgewählte Nutzer antworten dürfen. Vielfalt – aber bitte kuratiert. Diskussion – aber nur mit denen, die passen.
Dieses Phänomen ist kein persönlicher Makel. Es ist ein Symptom. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

1. Predigen vs. Praxis – der Einstieg in die kognitive Dissonanz
Die Sozialpsychologie kennt für dieses Spannungsfeld einen klaren Begriff: kognitive Dissonanz. Leon Festinger beschrieb bereits 1957 den inneren Druck, der entsteht, wenn Überzeugungen und Handlungen nicht übereinstimmen.
Journalisten, die Demokratie und Vielfalt einfordern, werden implizit als Vorbilder wahrgenommen. Ihre Rolle lebt davon, dass sie Aushalten können: Widerspruch, Kritik, auch Unangenehmes. Wenn ausgerechnet diese Akteure Diskursräume verengen, entsteht ein Bruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Psychologisch ist das erklärbar. Menschen reduzieren Dissonanz, indem sie widersprechende Stimmen ausblenden. In einer Umgebung, in der Zustimmung dominiert, fühlt sich die eigene Position stabiler an. Doch genau hier beginnt das Problem: Die erzeugte Harmonie ist künstlich.

2. Der Bubble-Effekt – wenn Vielfalt selektiv wird
Geschlossene Diskursräume erzeugen Sicherheit. Sozialpsychologische Forschung zu sogenannten Echo-Kammern zeigt, dass fehlender Widerspruch zu Selbstbestätigung und langfristig zu Realitätsverzerrung führt.
Wichtig ist dabei eine Differenzierung: Journalistinnen wie Miriam Hollstein schränken ihre Replies nicht grundsätzlich und nicht bei jedem Beitrag ein. In vielen Posts ist Austausch möglich, Kritik wird zugelassen, Diskussion findet statt.
Auffällig wird das Muster jedoch vor allem bei bestimmten Themen – insbesondere bei Beiträgen über Donald Trump. Diese Themen sind von Natur aus hochgradig polarisiert, emotional aufgeladen und ziehen zuverlässig harte Gegenrede an, sobald eine Plattform geöffnet wird.
Restricted Replies sind hier weniger Ausdruck von Angst oder Boshaftigkeit als ein Versuch, Eskalation zu kontrollieren. Wer Trump thematisiert, weiß: Öffnet man den Raum vollständig, wird er sofort zum Schlachtfeld.
Doch genau an diesem Punkt kippt das Prinzip. Denn Vielfalt wird nicht dann bewiesen, wenn sie bequem ist, sondern wenn sie anstrengend wird.
Wenn ausgerechnet dort, wo der Widerspruch am größten ist, der Diskurs verengt wird, entsteht eine selektive Offenheit: Offen für Zustimmung, geschlossen gegenüber fundamentaler Gegenrede.
Miriam Hollstein ist dabei kein Sonderfall. Sie ist ein Beispiel – eines von vielen. Jeder andere Name hätte an dieser Stelle stehen können.
3. Der unangefochtene Meister der Dissonanz: Georg Restle
Wenn man über kognitive Dissonanz im deutschen Journalismus spricht, kommt man an einem Namen kaum vorbei: Georg Restle.
Niemand inszeniert Offenheit, Vielfalt und moralische Überlegenheit so konsequent – und beendet zugleich den Diskurs so routiniert per Block. Kritische Nachfragen? Faktenwiderspruch? Abweichende Perspektiven? Häufig endet alles mit einem Klick.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Konsequenz: Nach dem Block folgt Stille. Keine Kritik mehr. Kein Widerspruch. Nicht, weil er widerlegt wurde – sondern weil er den Raum geschlossen hat.
Es dürfte den Leser daher kaum verwundern, dass auch ich meine eigenen Erfahrungen mit Georg Restle gesammelt habe.

4. Von Deutungshoheit zur Karikatur
Das Problem ist nicht der einzelne Block. Es ist das Muster. Sobald Leser diese Widersprüche erkennen – durch Screenshots, Vergleiche oder eigene Erfahrungen – beginnt die Autorität zu bröckeln.
Journalisten verlieren ihre Deutungshoheit nicht, weil sie kritisiert werden. Sie verlieren sie, weil sie Kritik nicht mehr aushalten.
Was früher als moralische Instanz galt, wirkt heute oft wie eine geschlossene Blase. Die Folge ist nicht Respekt, sondern Spott. Nicht Vertrauen, sondern Distanz.
5. Ein notwendiges Wort der Relativierung
Bei aller Kritik ist eines wichtig: Es geht hier nicht um persönliche Diffamierung. Weder Miriam Hollstein noch Georg Restle sind das Problem.
Sie sind Symptome einer journalistischen Kultur, die Offenheit fordert, aber Kontrolle lebt. Die Vielfalt beschwört, aber Reibung meidet.
Niemand muss jede Eskalation zulassen. Niemand ist verpflichtet, sich permanent beschimpfen zu lassen. Doch wer Deutungshoheit beansprucht, muss Diskurs ertragen können – gerade dann, wenn er unbequem wird.
6. Schluss
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, warum einzelne Journalisten blockieren oder Replies einschränken.
Die Frage ist: Warum eine ganze Branche glaubt, Glaubwürdigkeit ohne Widerspruch bewahren zu können.
Vielfalt ist keine Pose – sie ist eine Zumutung. Und genau das macht sie wertvoll, da Sie immer wieder neu verhandelt werden muss – durch Diskurs.Und zum Abschluss eine Einladung an die Leser:
Wer von euch wurde ebenfalls von Georg Restle geblockt? Hinterlasst einen Kommentar (gern mit Screenshot) und teilt, wenn er euch auch erwischt hat!!!