Wenn "Brokolie" gelb wird – Ein humorvoller, aber lehrreicher Blick auf pH-Werte, Bikarbonat und Pflanzenphysik
Ein Erfahrungsbericht aus meinem legalen Indoor-Garten
Seitdem in Deutschland der private Eigenanbau legalisiert wurde, dachte ich: Wie schwer kann das schon sein? Drei Pflanzen, ein bisschen Licht, ein wenig Dünger – fertig. Dachte ich.
Bis meine „Brokolie“-Pflanze anfing, in der Blüte auszubleichen, als hätte jemand einen Instagram-Filter "Vintage Gelb" darübergelegt.
Dieser Artikel soll anderen Hobbygärtnern helfen, die ähnliche Symptome beobachten – und gleichzeitig humorvoll zeigen, wie schnell man über die unsichtbaren Fallstricke der Pflanzenphysik stolpern kann.

🌿 Der Anfang: Ein vermuteter CalMag-Mangel – und die erste Fehlspur
Bevor ich die wahre Ursache kannte, sah alles nach einem klassischen CalMag-Mangel aus:
- Blätter wurden heller,
- die Blattadern blieben grün,
- die Symptome zeigten sich zuerst an älteren Blättern.
Da mein Leitungswasser sehr magnesium- und calciumarm ist, erschien mir das logisch. Also habe ich zunächst bei jedem Gießvorgang mit CalMag aufgedüngt, um das Defizit auszugleichen.
Doch nach einigen Tagen wurde es schlimmer statt besser.
😬 Neue Vermutung: Bodenversalzung
Weil CalMag letztlich auch Salze sind, befürchtete ich, ich hätte den Boden schleichend versalzt, bis es zu einem Nährstoff-Lockout kam. Ein Szenario, das in der Blütephase schnell kritisch werden kann.
Also suchte ich nach der Ursache – und fand sie erst, als ich begann, systematisch zu messen.

🧪 Die tatsächliche Ursache: Hoher Bikarbonatgehalt im Leitungswasser
Das eigentliche Problem war mein Leitungswasser – und zwar nicht ein bisschen, sondern massiv.
- Calcium: kaum messbar
- Magnesium: ebenfalls kaum vorhanden
- Hydrogencarbonat (Bikarbonat): satte 278 mg/l
Damit hatte ich ein Wasser, das quasi kein CalMag liefert, aber gleichzeitig einen extrem starken Basenpuffer besitzt. Perfekt, um das Substrat langsam und zuverlässig zu alkalisieren, selbst wenn das Gießwasser korrekt eingestellt ist.
Warum Bikarbonat ein Problem ist
Mit 278 mg/l Bikarbonat schiebt jedes Gießen den Substrat-pH ein Stück nach oben. Wer ähnlich helle Blätter hat, sollte unbedingt seine Wasseranalyse checken:
Faustregel: Alles über ~150 mg/l Bikarbonat kann langfristig pH-Probleme verursachen – je nach Erde, Dünger und Gießfrequenz.
Bikarbonat wirkt wie ein Basenpuffer, der den pH-Wert des Substrats langsam, aber konstant nach oben drückt.
🌿 Das Problem: Ausbleichende Blätter in der Blüte
Die ersten Anzeichen waren harmlos:
- Die unteren Blätter wurden heller.
- Die Adern blieben dunkelgrün.
- Die Pflanze sah insgesamt etwas „ausgewaschen“ aus.
Ich dachte an alles: zu wenig Dünger, zu viel Dünger, Lichtstress, Magnesiummangel, Nährstoffdefizit, genetische Varianz…
Aber dann kam der entscheidende Hinweis.
📉 Messwerte, die mich stutzig machten
- pH des Gießwassers: 6,1 (eigentlich perfekt)
- pH im Drain: 7,3 (viel zu hoch)
Anfangs dachte ich: Das kann doch nicht stimmen! Aber doch, es stimmte. Das Leitungswasser selbst hat den Boden langsam basisch gemacht, egal wie brav ich den pH zuvor eingestellt hatte.
🌿 Was jetzt zu tun ist (legal, sicher, grow-freundlich)
✔️ pH dauerhaft sanft senken
Gießwasser konsequent etwas saurer einstellen (ca. 5,6–5,8), damit der pH im Topf wieder sinken kann.
✔️ Leitungswasser entschärfen
- mit destilliertem Wasser mischen
- oder Osmosewasser nutzen
- oder ein Calcium-/Magnesium-Präparat verwenden, das nicht die Karbonathärte erhöht
✔️ Magnesium nur noch moderat geben
Nicht übertreiben – Bittersalz ist gut, aber nur als ergänzender Helfer.
🟢 Ergebnis
Nach ein paar Tagen stabilisierte sich die Farbe der neuen Blätter wieder. Die alten bleiben zwar hell (das ist normal), aber die Pflanze kam sichtbar wieder in Balance.
Und ich habe gelernt: Nicht jeder gelbe Farbton ist ein Düngerproblem – manchmal ist es einfach "Heimwasserchemie 1x1".
📝 Fazit – Was jeder Hobbygärtner daraus mitnehmen sollte
- Miss nicht nur das Gießwasser, sondern auch den Drain.
- Bikarbonat ist einer der größten „unsichtbaren“ pH-Verursacher.
- Wenn Blätter hell werden, liegt es oft nicht am Dünger.
- Wasserchemie ist der unterschätzte Endgegner.
- Fehler sind normal – wichtig ist, dass man sie erkennt und versteht.
Und das Beste zum Schluss:
Kaum war das Problem gelöst, stecke ich schon im nächsten Rabbit Hole – Osmoseumkehranlagen.
Der Garten hört eben nie auf, einen weiterzubilden. 😄
Hello @jan-philippvieth, thank you for your contribution to our account.
Oh Gott, das wäre mir zu viel Arbeit..warum ist das bei dir so? Bei meiner Freundin sprießen die Pflanzen ohne Doktorarbeit 🤣.
Lg
Haha, ja das höre ich von meiner Freundin auch ständig:
„Meine Mama gießt nur mit Wasser – probier das doch auch mal!“ 😅
Was sie dabei immer vergisst: Ihre Mutter nutzt Brunnenwasser. Wenn deine Freundin auch einen Brunnen hat (oder vielleicht sogar eine Osmoseanlage), dann wachsen die Pflanzen natürlich ohne Doktorarbeit.
Leitungswasser ist von Region zu Region komplett anders. Manche haben weiches Wasser – andere (so wie ich) haben flüssigen Backpulver-Ersatz aus dem Hahn. 🙈
Am besten einfach mal in die Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserwerks schauen. Da sieht man sofort, wie hoch Bikarbonat, Calcium und Magnesium wirklich sind. Dann weiß man gleich, ob man im „Profi-Modus“ spielen muss oder entspannt gießen kann. 😉
Das ist der klassische Fehler bei Wasser mit hohem Bicarbonat + niedrigem Calcium (wie bei mir):
Du willst Calcium reinbringen → aber das Bicarbonat „frisst“ es sofort auf und macht Kalk + höheren pH draus. -.-
Hat jemand erfahrungen mit Osmoseumkehranlagen? Am besten portable ;P