Wenn die Rechten aufhören zu denken – Warum Differenzierung kein Luxus, sondern Pflicht ist
Apollo News stand lange für den Versuch, den öffentlichen Diskurs aus linker Deutungshoheit zu befreien. Viele von uns sahen darin einen Hoffnungsträger: für journalistische Aufrichtigkeit, Mut zur Wahrheit und eine Rückkehr zu Vernunft und Rechtsstaat.
Doch was ist, wenn dieselbe Plattform beginnt, jene intellektuelle Unterscheidungskraft zu verlieren, die sie einst stark gemacht hat? Wenn aus Differenzierung Parteilichkeit wird, aus Prinzip bloße Haltung und aus Analyse Empörung?
Die Erosion der Maßstäbe
Rechte Medien verstanden sich zu Recht als Korrektiv zu einem gleichförmigen Mainstream. Dieses Selbstverständnis verpflichtet. Wer den moralischen Relativismus der Linken kritisiert, darf nicht in denselben Sumpf geraten.
Rechtsstaat, Logik und Beweisführung sind keine Schwäche, sondern die Grundlage unserer Glaubwürdigkeit. Wer sie zugunsten kurzfristiger Schlagzeilen aufgibt, verrät langfristig die eigene Sache.
„Rechte Politik kann nur dann glaubwürdig sein, wenn sie nicht in die gleiche antirechtsstaatliche oder propagandistische Logik abrutscht, die sie zu Recht bei den Linken kritisiert.“
Noch gefährlicher wird es, wenn ein begangener Fehler erkannt – und dann aus Prinzip in umgekehrter Richtung wiederholt wird. Das ist keine Wiedergutmachung, sondern eine Verdoppelung des Fehlverhaltens. Wer glaubt, auf diese Weise „auszugleichen“, begeht nicht einen, sondern zwei Fehler – und entfernt sich doppelt weit vom eigenen Anspruch.
Der Fall Bolz – Symptom, kein Einzelfall
Die aktuelle Berichterstattung über Norbert Bolz illustriert genau dieses Problem. Ein berechtigter Hinweis auf mediale Einseitigkeit wird zur moralischen Kampagne, bei der das Ziel – die Gegenseite – wichtiger wird als die Wahrheit.

Statt nüchtern zu prüfen, was juristisch oder logisch trägt, werden Affekte bedient. Doch das, was uns unterscheiden sollte, ist nicht nur das Ziel, sondern der Weg dorthin.
Warum Differenzierung Stärke ist
Differenzieren heißt nicht relativieren – es heißt, die Wirklichkeit ernst zu nehmen. Wer alles über einen Kamm schert, mag kurzfristig Applaus bekommen, verliert aber langfristig Respekt, Verstand und Wirkungskraft.
Der Rechtsstaat ist kein Werkzeug nach Stimmung, sondern das Fundament konservativer Vernunft. Wer das vergisst, mag noch so „rechts“ klingen, denkt aber bereits wie jene, die er kritisiert.
Schluss
Viele von uns hätten gern für Apollo geschrieben, mitgestaltet, unterstützt – aus der Überzeugung, dass dort Denken und Freiheit zusammenfinden. Doch Freiheit ohne Wahrheit ist Beliebigkeit, und Wahrheit ohne Differenzierung ist Ideologie.
Wenn die Rechte eine Zukunft haben soll, dann durch Haltung statt Lautstärke, durch Prinzip statt Empörung – nicht gegen das Denken, sondern durch das Denken.