Trotz Krankheit im Büro – weil Stillstand keine Option ist

in #deutsch29 days ago

Ich sitze wieder im Büro. Kaum zu glauben, dass mein letzter Beitrag schon so lange her ist – aber heute musste ich einfach schreiben. Warum? Weil mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Weil Schweigen mich nur noch tiefer in dieses Loch ziehen würde, in das die Krankheit mich ohnehin schon schubsen will.

„Stable Disease“ stand im letzten Arztbrief. Für viele klingt das nach einer guten Nachricht. Keine Verschlechterung, immerhin. Drei Monate Ruhe bis zum nächsten Staging – das ist der medizinische Ist-Zustand. Doch Ruhe will sich einfach nicht einstellen. Wie soll sie auch, wenn das eigene Leben plötzlich nur noch von diesen drei-Monats-Abständen strukturiert wird?

Ich weiß, ich sollte dankbar sein. Es könnte schlimmer sein, sagen sie. Aber ich bin wütend. Wütend, weil ich zu jung bin, um an dieser Dreckskrankheit draufzugehen. Wütend, weil ich nie geraucht habe und trotzdem an Lungenkrebs erkrankt bin. Und ja – wütend, weil trotz aller ärztlichen Kontrollen nichts aufgefallen ist. Irgendwann bekam die Angst plötzlich ein Gesicht, und seitdem kämpfe ich darum, es nicht jedes Mal im Spiegel zu sehen.

Ich gehe also arbeiten, schreibe, bewege mich, spreche. Weil Nichtstun mich kaputtmachen würde. Weil ich mich nicht einigeln will. Weil selbst in dieser Sch...situation noch ein Rest Leben steckt – und der verdient gelebt zu werden.

Sorry Leute, heute ist kein positiver Post. Dafür ist er ehrlich. Und ehrlich gesagt, tut es gut, das einmal rauszulassen.

Sort:  

Hi du, wir kennen uns glaube ich noch nicht auf steemit aber dein Post hat mich bewegt und warum? Weil er mich sofort an meinen Vater erinnert hat. Mein Vater ist letztes Jahr alle paar Wochen einfach umgefallen, egal ob vor dem Ofen den er gerade geputzt hat oder im Garten..
Im Film sieht es immer so leicht aus wenn bewusstlose oder tote Menschen an den Armen irgendwohin gezogen werden, aber die Realität ist anders: als ich vor paar Monaten noch in der Pflege gearbeitet habe war einer kleinen zierlichen Frau schwindlig und ich habe sie gerade noch aufgefangen aber konnte sie dann nicht lange halten. Menschen sind einfach sehr schwer und so ging es meiner Mutter, die meinen Vater bewusstlos im Schnee liegen hat lassen müssen bis der Krankenwagen kam.
Du hast geschrieben dass alle Untersuchungen bei dir in Ordnung waren und genauso war es bei meinem Vater, Gleichgewichtssinn, Blutdruck, Herz, Epilepsie..- nichts, alles gecheckt. Wir waren froh dass sein Herz in Ordnung war. Eines Tages hat ein Arzt vorgeschlagen, dass er einen Langzeit-EKG machen sollte, also ein tragbares Gerät. Sein Glück war dass er wieder umgefallen ist in der Zeit als er das Gerät getragen hat. Er wurde also wieder vom Krankenwagen in die Klinik gefahren, die Ärzte haben dann das tragbare Gerät ausgewertet - ach du Schreck: es war doch das Herz! Und die Werte waren so schlecht dass er sofort operiert wurde und einen Herzschrittmacher bekam. Seitdem ist er nicht mehr umgefallen. Es ist so übel wenn man Diagnosen bekommt und dann die Krankheit doch dort sitzt wo man sich eigentlich sicher fühlte weil dort ja schon untersucht wurde. Ich rate jedem nur noch sich eine zweite Meinung zu holen. Da du arbeiten gehst sieht es wahrscheinlich im Moment nicht so schlecht bei dir aus. Egal ob deine Nachricht negativ war, beim lesen habe ich richtig gespürt, dass du in diesem Moment einfach alles niederschreiben musstest. Sowas muss auch mal sein 😃. Ich hoffe bei dir geht es positiv weiter, so dass du stabil zur Arbeit gehen kannst. Wäre nett bald wieder von dir zu hören. Ganz liebe Grüße von Anja und Kater Kubi

Hallo liebe Anja,
vielen, vielen Dank für deine berührenden Zeilen – sie haben mich wirklich tief bewegt. Es tut gut, zu wissen, dass meine Worte bei dir so einen Widerhall gefunden haben und dass du dir die Zeit genommen hast, mir deine eigene Geschichte anzuvertrauen. Dein Vater und deine Familie haben sicherlich eine sehr belastende Zeit durchlebt, und ich bewundere deine Stärke und die deiner Mutter, die in solchen Momenten oft an ihre Grenzen gebracht wird.
Deine Schilderung, wie schwer es ist, einen bewusstlosen Menschen zu halten oder zu bewegen, zeigt so schonungslos, wie wenig die Realität mit dem zu tun hat, was wir aus Filmen oder Serien kennen. Dass deine Mutter deinen Vater im Schnee zurücklassen musste, bis Hilfe kam – das ist eine Situation, die ich mir kaum vorstellen kann, und doch kenne ich dieses Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit nur zu gut. Es ist so wichtig, dass du das teilst, denn es erinnert uns alle daran, wie zerbrechlich wir manchmal sind und wie sehr wir aufeinander angewiesen sind.
Deine Worte, dass ich „einfach alles niederschreiben musste“, treffen es genau und absolut! Manchmal braucht es einfach einen Raum, um die Gedanken und Gefühle rauszulassen – auch wenn sie nicht immer positiv sind.
Ich hoffe, dass es deinem Vater mit dem Herzschrittmacher jetzt viel besser geht und dass ihr als Familie wieder mehr Leichtigkeit erleben könnt. Und ja, ich werde weiter versuchen, stabil zu bleiben – auch wenn es manchmal schwerfällt. Dein Zutun und deine liebevolle Art geben mir heute ein bisschen mehr Mut.
Ganz liebe Grüße zurück an dich und den süßen Kater Kubi – ich freue mich schon, bald wieder von dir zu lesen!

Danke dir auch! Ja ihm geht es besser, seither keine Ohnmachtsanfälle mehr.
Hoffe dir geht's Ok.
Liebe Grüße

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