Ideologie 106 - Strategie zur Vermeidung weiterer Casus Relotii
27. Dezember 2018
In meinem Beitrag vom Sonntag 23. Dezember 2018 [1] habe ich auf den jüngsten deutschen Medienskandal Bezug genommen. Dazu habe ich auf einen Beitrag von Ramin Peymani [2] verwiesen. Dieser hat zum Thema noch einen ganzen Artikel geschrieben, der bei der Liberalen Warte erschienen ist [3]. Er beschäftigt sich mit der These, warum Millenials [4] in Redaktionen schädlichen Einfluss ausüben.
Damit verbunden ist ein Problem, denn Millenials sind nicht eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, die man einfach daran hindern könnte, in Redaktionen tätig zu werden. Es handelt sich um eine ganze Generation, nämlich die im Bereich 1980-2000 geborenen Menschen. Wenn also die ganze Generation nicht redaktionstauglich sein soll, muss deren Untauglichkeit entweder auf geänderte äussere Umstände zurückgehen oder in einer veränderten Erziehung begründet liegen. Ganz von alleine hat sich diese Generation ihr Verhalten nicht beigebracht.
Dass Herr Peymani die Generalisierung leichtfertig vorgenommen hat, glaube ich nicht, weil er im direkten Kontakt über Facebook mir gegenüber stets sehr freundlich war. Ich gehöre als in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre geborener Mensch bekanntlich zu den auch Generation Y genannten Millenials.
Morgendämmerung im Klettgau bei Schaffhausen. Viel Licht wird nötig sein, um die teilweise gewollt vernebelten Zusammenhänge in der Gesellschaft transparent darzustellen. Eigene Aufnahme.
Meine Wenigkeit ist sehr daran interessiert, die Hintergründe dieser Entwicklung nachzuvollziehen und so weit es geht zu verstehen. Dazu gehört, dass eine Unterteilung in verschiedene Komponenten vorgenommen wird. Es gibt erstens Bestandteile, die in der Erziehung liegen, die von Eltern, Lehrern und Ausbildnern vorgegeben werden und ein möglicherweise ein von Grund auf suboptimales Anreizsystem bilden. Zweitens gibt es Komponenten, die Verselbständigungen des suboptimalen Anreizsystem darstellen. Spätestens da sind die jungen Menschen selbst in der Verantwortung. Sie sind in der Pflicht zu erkennen, welche Dinge für ein harmonisches Zusammenleben in der Gesellschaft sorgen können und welche nicht.
Auf einige problematischen Bereiche bin ich bereits in meinem Artikel Die Faszination des Grossen Wurfs [5] eingegangen. Neu erstellt habe ich eine Liste von vier Massnahmen, die erfolgsversprechend sein können:
Anreizsysteme.
Was wird erwartet und gefördert? Sind es eigenständige Persönlichkeiten, Ehrlichkeit, das Aussprechen von unbequem erscheinenden Erkenntnissen und Wahrheiten? Oder werden doch eher Unterwürfigkeit und Konformität (auch compliance genannt) belohnt? Werden beispielsweise Kandidaturen, die frech zusammengeschönt wurden, lieber gelesen und erfolgsversprechender behandelt als wenn sie einen vielleicht etwas weniger rühmlichen Lebenslauf zeigen, der dafür ehrlich ist? Wer gute Ergebnisse sehen will, muss nach dem Prinzip Ursache und Wirkung zuerst die dafür nötigen Anreize schaffen.Zurückhaltung und Nüchternheit.
Herausragende Leistungen gehören gewürdigt, wenn sie das tatsächlich sind und zwar in Gänze. Junge Menschen sind auf Rückmeldungen angewiesen und gehören regelmässig bewertet. Und es gehört so bewertet, wie es eben ist, objektiv. Das heisst ein erst 20-jähriger Mensch hat kaum Aussichten, in einem Fach bereits in der höchsten Meisterklasse angelangt zu sein. Wenn eine Arbeit die Ansprüche nicht zufriedenstellt, muss dafür ein ungenügend vergeben werden. Wenn sie in Ordnung ist, aber nicht über alle Massen beeindruckend, gehört das so kommuniziert. Zwischen genügend, gut, sehr gut, hervorragend und überwältigend gehört klar differenziert und jede Bewertung nüchtern präsentiert. Überschwang, Lobhudelei und Beweihräucherung halte ich für allgemein fehl am Platz, da sie auf unnötige Weise Emotionen ins Spiel bringen.Fehlende oder falsche Vorbilder.
Vorbilder, die für den normalen Menschen taugen, die ein arbeitsames, leistungsvolles und gut organisiertes Leben führen finden sich schon, aber es sind andere als die angepriesenen Role-Models, die alle supererfolgreich sein sollen und angeblich keine Fehler machen. Vorbilder muss man sich mühevoll selbst suchen, aber man findet sie im persönlichen Umfeld und auch im Internet und man muss sich keinesfalls dafür schämen, wenn das Vorbild etwas konservativ oder uncool ist.Zwingend nötige, schwierig zu erreichende Massnahme.
Es muss sichergestellt werden, dass das Aussprechen der Wahrheit unbedingt zu einem besseren Ergebnis führt als die Lüge. Niemals darf ein Aussprechen der Wahrheit sanktioniert werden, sondern es muss geehrt werden, egal wie unpopulär diese Wahrheit sein mag. Der Lüge hingegen, bequem oder unbequem sollte unerheblich sein, muss mit Verachtung begegnet werden.
Es sei angemerkt, dass mit der Wahrheit derzeit nachteilig verbunden ist, dass sich verschiedene Formen der Wahrheit einen Wettbewerb liefern. Ein Beispiel dafür sind die verschiedenen politischen Richtungen, die sich im wesentlichen im 19. Jahrhundert formiert haben und seither separiert geblieben sind: Klassischer Liberalismus, Christdemokratie, Sozialismus und Sozialdemokratie seien als Beispiele genannt.
Die Menschen, die sich in diese Dialektik einspannen lassen, auch Variationen wie die der Grünen zähle ich dazu, sind seit Generationen mit der Verwaltung ihrer Thesen beschäftigt, was im Ergebnis zu einem bewegungslosen Verharren an Ort und Stelle führen muss. Richtig wäre es, sich endlich um taugliche Synthesen zu bemühen. Dazu gehört unbedingt, dass alles verworfen wird, was sich als untauglich erwiesen hat.
Tauglich/untauglich bezieht sich unbedingt auf die Fähigkeit, einer Gesellschaft Rahmenbedingungen zu Verfügung zu stellen, die über Generationen für den Aufbau von Wohlstand sorgen kann und abgesehen von grossen Naturkatastrophen, vernichteten Krankheiten oder Kriegen keinen Niedergang oder langfristige Krisen auslöst. Es hat sich nicht darauf zu beziehen, welche Form sich als die tauglichste erweist, um kurzfristig grosse Kontrolle ausüben zu können und zu herrschen. Dass Herrschaftssysteme mit einem grossen Anteil an Zwang und Regulierung und einem geringen Mass an Freiheit in Sachen Ressourcenverbrauch ineffizient sind und untauglich zum Aufbau von grossem Wohlstand, ist erwiesen. Vor allem der Extremfall der Sklaverei zeigte, dass es nicht möglich ist, Sklaven auf eine Leistungsfähigkeit zu bringen, die der Leistungsfähigkeit erfahrener Fachkräfte in einer Marktwirtschaft ähnelt.
Das derzeit bekannte Optimum einer Gesellschaft besteht in einer Marktwirtschaft und einem republikanischen System des Staates mit eng beschränkten Befugnissen für den Staat, grösstmöglicher Dezentralisierung, gegenseitiger Kontrolle auf jeder Stufe und einem Anreizsystem, das Leistung, Einsatzwillen und legales Verhalten stets besser stellt, als Faulheit, Anspruchsdenken und illegale Aktivitäten. Alles andere, das bereits erprobt wurde oder derzeit besteht, hat einen geringeren Wirkungsgrad.
Schon mehrfach habe ich diese Frage gestellt, aber auch zu diesem Artikel passt sie. Woher kommt es, dass gerade in Deutschland die Erkenntnisse des Juden Ludwig von Mises (1881-1973) [6], der 1922 im herausragenden Werk Die Gemeinwirtschaft [7] allgemein die ökonomische Dysfunktionalität des Sozialismus nachgewiesen hat, bis heute kaum anerkannt und gerne verschwiegen werden? Die Antwort dürfte nicht in grassierendem Antisemitismus begründet liegen, denn für Antisemitismus wurden schon Menschen verurteilt und der Schutz des Staates Israel bekanntlich schon zur Staatsräson erklärt. Die Antwort dürfte in der mangelhaften Offenheit zu vieler Kräfte und der im Übermass vorhandenen Trägheit und Bequemlichkeit bestehen und daran, dass Politik und Medien so tun, als wäre es vollkommen ausreichend, sich in dem von ihnen vorgegebenen, sehr schmalen Bereich von Ansichten zu bewegen. Politik und Medien scheinen sich selbst auch sehr in der gefährlichen Rolle als Sedierer der Bevölkerung zu gefallen.
[1] Deutsche Begriffe 004 - Was ist ein "Relotius"? @saamychristen, 23. Dezember 2018 https://steemit.com/deutsch/@saamychristen/deutsche-begriffe-004-was-ist-ein-relotius
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ramin_Peymani
[3] Aktivist statt Journalist: Warum die Millennials in den Redaktionen so schädlich sind. Liberale Warte, 19. Dezember 2018, von Ramin Peymani https://peymani.de/aktivist-statt-journalist-warum-die-millennials-in-den-redaktionen-so-schaedlich-sind
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Y
[5] Persönlichkeitsentwicklung 037 - Die Faszination des Grossen Wurfs. @saamychristen, 20. Dezember 2018 https://steemit.com/deutsch/@saamychristen/persoenlichkeitsentwicklung-037-die-faszination-des-grossen-wurfs
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Mises
https://en.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Mises
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Socialism_book
Die Gemeinwirtschaft. Ludwig von Mises, 2. Auflage 1932, Jena, Verlag von Gustav Fischer https://mises.org/library/die-gemeinwirtschaft PDF-Datei: https://mises-media.s3.amazonaws.com/Die%20Gemeinwirtschaft_2.pdf?file=1&type=document
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#buysteem
Ja, die Stärkung des Steem wäre definitiv auch eine ganz gute Sache, um die Relotiden zu Gunsten freier Publizisten zu schwächen.