Lichtblick im düsteren Pflegealltag
Nachdem ich nun für fast einen Monat mein „freies“ Leben in vollen Zügen genossen habe, hat mich seit Anfang der Woche der Alltag bzw. die Allnacht im Wohnheim für Menschen mit Beeinträchtigungen wieder.
Und ich muss es mir deutlich eingestehen: die finstere, destruktive Atmosphäre hier zieht mich total runter!
Ja, bereits nach 2 Nächten spürte ich, ich bin müde. Nicht nur körperlich vom wach bleiben, nein vor allem psychisch.
Habe ich zwar meine Stunden schon beachtlich reduziert und mich in den „einsamen“ Nachtdienst verkrümelt, dennoch schwappt der Geist in mich über.
Alle sind frustriert, total am Ende, genervt und gereizt. Und ich rede nicht (nur) von den Menschen, die hier leben müssen. Nein, unter ihnen sind echte „Sonnenscheine“ die mein Herz leuchten lassen, weil sie so pur und lebendig sind.
Ich spreche vor allem von den Kolleginnen und Kollegen. Von Oben fließt immer mehr Bürokratie nach unten durch, die Erwartungen wachsen, das Gehalt und die Wertschätzung jedoch leider nicht in angemessenem Maße.
Und hier könnte ich nun noch endlich aufzählen, was hier „schief“ läuft. Stattdessen möchte ich jedoch von einem kleinen Lichtblick berichten.
Einer neuen Kollegin, die aus einem andere Bereich hier her kam. Und mir scheint, da sie sich den Schuh, den hier alle tragen von „Es geht nichts“ nicht anziehen wollte, hat sie in schnellster Zeit u.a. unser defektes Mobiliar (über das seit ich hier arbeite, also ca 2 Jahre) geschimpft wurde kurzer Hand ausgetauscht.
Auch die Freizeiten (also Urlaub außer halb der Wohneinrichtung) die seit einigen Jahren nicht mehr umgesetzt werden (konnten), ermöglichte sie für einige Menschen hier in wenigen Wochen.
Mir macht das Mut.
Die Kollegin berichtete mir, dass auch sie zunächst aus dem Wasserkopf klare Absagen bekam. Diese habe sie jedoch „als Ansporn für kreative Lösungen“ gesehen und siehe da, ihre Hartnäckigkeit machte sich bezahlt.
Da ich inzwischen konsequent versuche, immer dazu zu lernen, nehme ich hier einiges für mich mit: nur weil etwas nicht sofort gelingt oder gefördert wird, lohnt es sich wohl dennoch, dran zu bleiben.
Die allgemeinen Parolen von „Das wird nichts mehr!“ oder „Das hat hier nie geklappt!“ werden zwar häufig zur selbsterfüllenden Prophezeiung, jedoch nicht, weil sie unveränderlich in Stein gemeißelt sind, sondern schlicht, weil wir sie als Wahrheit akzeptiert haben.
Dennoch bleibt mir auch zu berichten, dass diese Kollegin nicht gut ankommt im Team.
Ich vermute, einige fühlen sich vielleicht getriggert davon, zu sehen, wie jemand endlich Dinge tut und nicht nur über die Zustände meckert.
Ich ziehe jedenfalls meinen Hut 👒 und erkenne an, dass auch ich, mir in der Vergangenheit ein „Nein“ von gewissen Instanzen zu schnell zu Herzen genommen habe und möchte dies zukünftig unbedingt ändern.
In diesem Sinne, wünsche ich euch auch viele inspirierende Lichtblicke im Alltag 🕯️

Das stimmt, da kann man nur den Hut ziehen.
Ich persönlich glaube ja nicht, dass alles mit mehr Geld besser werden würde. An mehr Geld gewöhnt man sich so schnell, und dann ist es auch kein Ansporn mehr. Vielmehr sollte man versuchen, die Umstände und den Umgang miteinander zu ändern. Da sind meine Beobachtungungen genau so wie du sie beschreibst.
Wenn jemand neu und voller Tatendrang ins Team kommt, sind oftmals nicht (nur) die "Vorschriften", sondern die anderen Mitarbeiter "hinderlich". Umso schöner, dass es auch andere Beispiele gibt.
Definitiv macht mehr Geld nicht alles besser, es kommt natürlich darauf an, in welchem Bereich man sich hier bewegt. Einige aus dem Team haben am Ende des Monats kein Geld mehr für Essen 😅 da wäre mehr Geld definitiv ne Verbesserung.
Davon abgesehen habe ich es z.B. nach meiner letzten Gehaltserhöhung so gemacht, dass ich Stunden abgegeben hab, da ich als Fachkraft ohne Kind und co wirklich nicht mehr Geld sondern mehr Freizeit brauchte.
Auch diese Möglichkeiten könnten genutzt werden, wenn Menschen in diesen Jobs (vor allem die ungelernten) etwas mehr verdienen würden.
Das System fördert leider, dass Menschen viel mehr arbeiten, als sie aushalten, da sie Miete usw zahlen müssen.
Gerade mit Wechselschichten, Wochenenden/Feietagen und zusätzlich in einem so herausfordernden Job kommen so die meisten unweigerlich an bzw gehen über ihre Belastungsgrenzen.
Aber die Zeiten ändern sich auch gerade, da kaum noch jemand dazu bereit ist, müssen die Institutionen sich umstrukturieren und es kann nur besser werden 😄
Der Neid der Kollegen auf den Erfolg der neuen Mitarbeiterin führt ersteren ihre eigene Unzulänglichkeiten in der Zeit zuvor vor Augen, woraus eine Antipathie gespeist wird, die im Grunde schon vermutlich auf einen Tick hinweist...
Vielleicht ist es auch einfach dieser Tick sich nicht mehr über die widrigen Umstände beklagen zu können die plötzlich fehlen und an denen man Gefallen gefunden hatte, weil das trübe Glück einem näher steht als das fröhliche und unbeschwerte.
Gott Lob scheinen aber nicht alle so zu sein ...