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RE: Du heilst jeden Tag – auch wenn du es nicht bemerkst

in #deutsch2 months ago

Lieber Seelenkrieger-Komplize ;-), ich schon wieder... Zum Thema "Heilung" muss ich natürlich meinen Senf dazu geben.

Ich bin ganz bei dir, dass die Heilung, vor allem im Bereich der Bindungs/Entwicklungstraumata wirklich sanft, langsam und still, wie du so schön schreibst, geschieht.
Je nach Methode habe ich beim Schock-Trauma in der schamanischen Arbeit auch schon ganz wuchtige, zackige Heilungsprozesse durchlaufen und begleitet. Mir gefällt in diesem Zusammenhang das Bild von Maja Nowak dazu, dass Schock-Traumata wie ein Stein im Fluss sind und Bindungstraumata, wie das Flussbett. Sowohl in der Entstehung, als auch in der anschließenden Heilung.

Übersehen hätte ich vor einigen Wochen fast, die Heilung einer traumatisch bedingten, chronischen Muskelverspannung in der Brust. Denn als die Schmerzen, nach vielen Jahren, plötzlich weg waren, war ich so mit dem Fokus bei anderen Dingen, dass ich erst nach einer Weile verwundert bemerkte, dass ein Schmerz sich still und heimlich auf und davon gemacht hat. Schmerzen fehlen einem ja recht wenig, wenn sie sich verabschieden ;-) Magst du auch einen übersehenen Heilungs- oder Selbstausbrems-Moment teilen, lieber Jan-Philipp?

Eine schöne Idee, die Heilungsschritte mehr in den Fokus zu nehmen. Ich rutsche leider doch ganz gerne mal in den internalisierten Perfektions-Modus, selbst bei der eigenen Heilung - was natürlich kontraproduktiv ist.

Schönen Abend, wünsche ich dir.

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Danke dir – ich freue mich jedes Mal, wenn du vorbeischaust. 😊
Und um ehrlich zu sein: Ich glaube, ich habe tatsächlich kaum bewusste „übersehene“ Heilungsmomente, einfach weil Heilung für mich immer mehr wie ein Automatismus wirkte als etwas, das ich aktiv wahrgenommen hätte.

Als ich klein war – ich war sechs – habe ich mir das Bein gebrochen und bekam damals einen Weberbock eingesetzt. Eine Metallstange durch beide Beine, die sich entzündet hat… danach musste das wieder raus und man hat mir diese Antibiotika-Ketten in die offenen Löcher geschoben. Ich erinnere mich weniger an „Heilung“ als an „Aushalten“. Nicht sabotierend, nicht bewusst fördernd – eher so ein Gefühl: Der Körper macht schon irgendwie, ich muss nur durchhalten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich später Heilung eher im Modus eines stillen Hintergrundprozesses abgespeichert habe.

Was du zu Maja Nowaks Bild sagst – Schocktrauma wie ein Stein im Fluss, Bindungstrauma wie das ganze Flussbett – das trifft mich wiederum sehr. Schocktrauma kenne ich aus meinem Leben eher als „einmal Wucht und dann heilen lassen“. Bindungstrauma dagegen… das ist wirklich dieses leise, langsame, langwierige Abrichten des eigenen inneren Flussbetts. Da erkenne ich mich total wieder. Und auch dieses Abrutschen in den Perfektionsmodus – selbst beim Heilen – ist mir sehr vertraut. Manchmal steht man sich nicht aktiv im Weg, aber man fordert vom eigenen System Dinge, die einfach ein anderes Tempo brauchen.

Vielleicht ist meine „übersehene Heilung“ deshalb genau das: zu verstehen, dass ich nicht in alles mit Kraft hinein muss, sondern dass manche Prozesse wirklich wie von selbst arbeiten, wenn ich sie nicht permanent bewerte.

Danke, dass du diesen Fokus setzt – solche Gespräche helfen mir wirklich, meine eigenen Muster klarer zu sehen. 🌿