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RE: in der DDR herrschte doch nur Arbeitszwang!
Na ja, das war halt die offizielle Seite der Medaille. Mit der bin ich auch groß geworden und wußte es nicht besser. Später erfuhr ich dann von jenseits des rosigen Scheins...
Da ich keiner klassischen Arbeit nachgegangen bin, sondern damals bereits meinen Schmuck gefertigt habe, galt ich von staatlicher Seite als asozial eingestuft, inklusive Einschränkungen wie Berlin-Verbot, Meldepflicht und so weiter – obwohl ich faktisch gearbeitet habe. Seltsamerweise hat man mich aber mein Geld verdienen lassen, ohne Steuern zu bezahlen, was ich bis heute nicht verstanden habe.
Klar, es ist viel Scheiße passiert. Aber ich sage bis heute ganz bewusst in beide Richtungen: Diejenigen, die Republikflucht begangen haben, wussten doch, worauf sie sich einlassen. Sie wussten, dass sie eine Straftat begehen und dass sie dafür im Knast landen konnten. Man vergisst auch immer die nicht gerade wenigen, die einfach ihre Kinder im Stich gelassen haben – irgendwo geparkt und dann ab in den Westen.
Ich war vor Kurzem selbst in Dresden wegen Recherchen, im Stasi-Knast und auch in der Gedenkstätte Bautzner Straße. Das kann und darf man weder schönreden noch wegreden, und man sollte sich auch immer daran erinnern. Schade ist nur: Hier fängt das Vergessen bereits an. Die Stadt, die ursprünglich Eigentümer war, hat rundherum viele der Gebäude verkauft. Das sind heute schicke Eigentumswohnungen. Das Objekt selbst ist nur noch einem Verein überlassen, und die kommen gerade so über die Runden, um das Ganze überhaupt noch zu betreiben. Eine Generation später weiß kein Mensch mehr, was dort eigentlich los war.
Trotzdem möchte ich dazu sagen: Das Recht auf Arbeit ist nicht wegzureden. Schau dir doch an, was heute so alles herumläuft. Rund 80 % der Bürgergeld-Empfänger und weit über 50 % derjenigen, die Erwerbsminderungsrente beziehen, erhalten diese Bezuschussung, obwohl sie arbeitsfähig sind. Ich sehe das doch bei mir hier vor Ort. Wer als Helfer ankommt, arbeitet entweder nebenbei oder liegt den ganzen Tag herum und weiß mit sich nichts anzufangen.
Ich würde durchdrehen, wenn ich mich nicht beschäftigen könnte und am Abend nicht darüber nachdenken würde, was ich geschaffen habe und mir daraus meine Selbstbestätigung hole. Millionen Menschen in Deutschland wissen gar nicht mehr, was das ist. Sie kassieren jeden Monat ihr Schweigegeld vom Staat. Denn wer Bürgergeld, Erwerbsminderungsrente oder Sozialhilfe bekommt, hält schön die Fresse. Man tritt zwar nach unten weg und labert in Social Media, aber das war’s dann auch schon.
Jeder ist sich nur noch selbst der Nächste. Soziale Einbindung gibt es praktisch nicht mehr. Und genau das war früher anders: Wer arbeiten ging, hatte Kollegen, war Teil eines Kollektivs oder zumindest eingebunden. Und heute? Da hängt man in der Platte, vielleicht mit einem Fläschchen Bier in der Hand, und schaut den ganzen Tag RTL2. Und nein, das ist kein Klischee – das ist langsam Alltag in Deutschland.