# Besuch in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden
Gestern war ich für Recherchen zu meinem Buch in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden – der einzigen noch im Original erhaltenen und zugänglichen Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Sachsen.
Es ist ein großes, beklemmendes Gelände. Wenn man durch die Räume geht, kann man unmittelbar nachvollziehen, wie die Häftlinge dort gelitten haben – von der Abholung über die Unterbringung in Verwahrräumen bis zur Inhaftierung. Man kann nur erahnen, was in den Köpfen der Menschen vorgegangen sein muss, als sie am Arbeitsplatz oder nachts aus ihren Wohnungen geholt wurden. Die Angst. Die Sorge um die eigene Familie. Die Ungewissheit.
Das ist Teil der DDR-Geschichte – und darf niemals vergessen werden.
Es ist die Geschichte von 16,43 Millionen Menschen, die 1989 in der DDR lebten. Millionen, die unter diesem System leiden mussten. Millionen, deren Geschichten erzählt werden müssen.
Ich werde in den kommenden Wochen einen ausführlichen, bebilderten Beitrag mit Video dazu veröffentlichen. Das ist nichts, was man in fünf Minuten schreibt. Ich muss das erst selbst für mich aufarbeiten, bevor ich einen angemessenen, informativen Beitrag veröffentlichen kann. Ich nehme mir die Zeit, die es braucht. Ich habe viel Informationsmaterial mitgenommen (siehe Foto), das ich jetzt durcharbeite, und hatte auch sehr gute Gespräche mit den engagierten Mitarbeitern des Vereins, die diese wichtige Gedenkstätte betreuen.
Leider ist ein Großteil des historischen Geländes heute wieder in Privatbesitz – nach der Wende wurden dort Eigentumswohnungen gebaut. Das Areal reicht bis zur Elbe, und es steht zu befürchten, dass in 20-30 Jahren auch diese Gedenkstätte nicht mehr existieren wird. Dann werden dort weitere Luxusimmobilien stehen. Schade, dass die Stadt Dresden nicht das gesamte Areal gesichert hat, obwohl sie ein Vorkaufsrecht hätte.
Das Interesse heute ist schon gering – wir waren fast allein in dem riesigen Gebäude.
Ich habe gestern auch meinen Antrag auf Einsicht in meine Stasi-Akten gestellt. Eine sehr nette Mitarbeiterin hat mir dabei geholfen und den Antrag für mich ausgefüllt – wir haben uns ein wenig unterhalten. Ich hatte das seit Jahren vor, aber immer wieder hinausgezögert. In meiner Akte wird einiges stehen: Meine Verweigerung des Dienstes mit der Waffe, mein Engagement bei "Schwerter zu Pflugscharen", meine Arbeit als Hausmeister in einer evangelischen Kirche in Gotha wegen der aufgezwungenen Arbeitspflicht, Meldepflicht, Berlin-Verbot und mehr. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Eines Tages wird mein autobiographischer Roman erscheinen – dann kann man das alles nachlesen.
Ich weiß, dass dieser kommende Beitrag nicht hoch frequentiert sein wird. Viele wollen von dieser Zeit nichts mehr wissen oder verdrängen sie. Aber es ist Teil meiner Geschichte und der Geschichte von Millionen DDR-Bürgern. Deshalb ist es mir wichtig, auch diese dunkelste Seite der DDR ins Gedächtnis zu rufen und zu bewahren – egal wie viele es lesen werden.
Mehr dazu in den kommenden Wochen.
Auf den Fotos seht ihr das Informationsmaterial, die freundliche Mitarbeiterin beim Ausfüllen meines Antrags (mit ihrem Einverständnis zur Veröffentlichung) und eine Kopie des Antrags auf Akteneinsicht.





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