Vertragsarbeiter und Schutzsuchende in der DDR
Wusstet ihr eigentlich, dass die DDR keineswegs so „abgeschottet" war, wie es heute oft dargestellt wird?
Ja, auch bei uns gab es Menschen aus aller Welt. Vertragsarbeiter, politische Flüchtlinge, Schutzsuchende – und das Zusammenleben funktionierte. Ohne große Schlagzeilen, ohne Aufregung. Einfach so.
Die Vertragsarbeiter – Arbeitskollegen aus den Bruderländern 🤝
Die ersten sogenannten Vertragsarbeiter kamen 1968 aus Ungarn. Dann folgten Arbeiter aus Algerien, Kuba, Vietnam, Angola und Mosambik. Zur Wende waren es über 90.000.
Zwei Drittel der Vertragsarbeiter waren vietnamesischer Herkunft. Sie arbeiteten in den VEBs, in der Textilindustrie, in Schlachthöfen und überall dort, wo Hände gebraucht wurden. Ungefähr 60.000 Vietnamesen lebten dauerhaft zwischen 1980 und 1989 in der DDR.
Natürlich war nicht alles perfekt – der Aufenthalt war zeitlich befristet, und eine dauerhafte Integration war ursprünglich nicht vorgesehen.
Aber was zählte, war das Miteinander am Arbeitsplatz. Ein ehemaliger Vertragsarbeiter beschreibt das Miteinander am Arbeitsplatz als fair – es wurde Leistungslohn bezahlt.
Politische Flüchtlinge – Schutz für Verfolgte 🌍
Was viele nicht wissen: Die DDR nahm auch politische Flüchtlinge auf.
Als „Markos-Kinder" wurden mehr als 1.100 Minderjährige im Alter zwischen 8 und 17 Jahren aus Griechenland bezeichnet, die zusammen mit ihren etwa 50 erwachsenen Begleitern 1949/1950 infolge des griechischen Bürgerkriegs in die DDR kamen. Ihre Eltern waren Kommunisten und Partisanen, die im Bürgerkrieg gegen die vom Westen unterstützten Kräfte kämpften.
Mit dem Erreichen des Erwachsenenalters arbeiteten über 100 gut qualifizierte Facharbeiter, Techniker und Ingenieure in Radebeuler Betrieben.
Auch spanische Bürgerkriegsflüchtlinge wurden aufgenommen – Gegner des Franco-Regimes, die in ihrer Heimat verfolgt wurden.
In Folge des Militärputsches im September 1973 in Chile kamen rund 2.000 politische chilenische Flüchtlinge in die DDR. DDR-Staatschef Erich Honecker hatte unmittelbar nach dem Militär-Putsch durch General Pinochet erklärt, dass die DDR verfolgten Chilenen Asyl bietet.
Im April 1975 lebten knapp 1.000 chilenische Flüchtlinge in der DDR, wovon etwa 880 bereits Arbeit und Wohnung hatten.
Das Zusammenleben – es funktionierte ✨
Gab es Probleme? Natürlich gab es hier und da Reibereien – wie überall, wo Menschen zusammenleben. Aber im Großen und Ganzen? Aggressive Ausländerfeindlichkeit kam nicht auf, weil die Zahl der Emigranten relativ gering war. „Als wir die DDR-Arbeiter besser kennenlernten, merkten wir, Arbeiter sind überall auf der Welt gleich."
Und heute? Viele gingen zurück – aber die Verbindung blieb 🌸
Nach der Wende änderte sich alles. Die Vertragsarbeiter waren unter den Ersten, die ihre Jobs verloren. Die Zukunft war ungewiss, der Aufenthaltsstatus unklar.
Viele gingen zurück nach Vietnam – zurück in ihre Heimat, zu ihren Familien. Ein Teil blieb hier und kämpfte sich durch. Sie eröffneten Imbisse, Gemüsegeschäfte, Änderungsschneidereien und Blumenläden.
Und man mag es kaum glauben: Heute trifft man wieder viele Vietnamesen in Ostdeutschland! Vor allem hier in Thüringen begegne ich ihnen ständig – in der Gastronomie, in eigenen Lokalen, aber auch ganz allgemein im Dienstleistungssektor überall dort, wo angepackt wird.
Bei der Mutti meiner Freundin arbeiten zwei Pflegerinnen aus Vietnam. Zwei herzliche Mädels, die sie wirklich ins Herz geschlossen hat – obwohl meine Schwiegermutter in spe nicht gerade die Einfachste ist. 😉
Vietnamesen werden heute häufig als eine der am besten integrierten Einwanderer-Gruppen in Deutschland beschrieben.
Das ist Integration, wie sie sein sollte. Ohne Tamtam, ohne Probleme. Man respektiert sich, man arbeitet zusammen, man lebt zusammen.
Aber wenn man heute so schaut, was alles nach Deutschland kommt – international gesehen... naja, ich erspare mir lieber, mich darüber zu äußern. Das wäre dann vielleicht ein Streitthema, und das hat ja nichts mit dem eigentlichen Thema dieser Seite zu tun. 🤐
Ein kleiner Gedanke zum Schluss: Die DDR war sicher nicht perfekt – das wissen wir alle. Aber wenn es um das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Ländern ging, dann hat vieles erstaunlich gut funktioniert. Vielleicht, weil alle wussten, wofür sie da waren. Vielleicht, weil Arbeit verbindet. Vielleicht auch einfach, weil man sich gegenseitig als Menschen gesehen hat.
Die Bilder haben Symbolcharakter – nicht mehr und nicht weniger. DDR-Fahne und Wappen sind hier ein Augenzwinkern, oftmals versteckt, und kein politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groß geworden sind. Findest du das DDR-Wappen auch im Bild? 🔍
Wer von euch erinnert sich noch an die vietnamesischen Kollegen im Betrieb? Oder an die Gemüseläden nach der Wende? Erzählt mal! 💬
Du willst mehr solcher Rückblicke?
Dann bleib hier. DDR 2.0 – wie es war, wie es hätte sein können und warum wir heute noch darüber lachen.

Hast Du recht... Ich kann mich an Kollegen aus Mosambique, Kuba und Namibia erinnern. Sie gehörten zu uns.
Ganz so fair wurde mit den Leuten nicht umgegangen; gerade die Mosambikaner wurden um einen großen Teil ihres Lohns betrogen, weil der angeblich an die Heimat gezahlt und dort für sie angespart wurde. Bei ihrer Heimkehr erfuhren die Familien dann, daß es ein geheimes Abkommen gab, nach dem diese Löhne für die Abzahlung von Staatsschulden verrechnet wurden.
Die BRD hat sich davon distanziert und erklärt, in dieser Hinsicht versteht sie sich nicht als Rechtsnachfolger der DDR... Von den noch lebenden Betroffenen haben einige Klagen angestrengt, aber man könnte auf die Idee kommen, unsere Entscheidungsträger wollen das "aussitzen"...