Wer in der DDR geheiratet hat, war doch nur auf das Geld vom Staat aus!

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... Das ist natürlich völliger Blödsinn, denn aus Liebe haben wir trotzdem geheiratet – aber die 5.000 Mark haben den Start ins Leben verdammt viel leichter gemacht.

Wenn junge Leute heute einen Kredit für die Wohnungseinrichtung wollen, brauchen sie Schufa-Auskünfte, Sicherheiten und zahlen Zinsen, dass einem schwindelig wird. In der DDR brauchte man eigentlich nur zwei Dinge: Einen Heiratsantrag und den Gang zur Sparkasse.

Erinnert ihr euch noch genau an die Konditionen? Hier ist mal aufgedröselt, wie genial einfach das System eigentlich war.

  1. Die Summe & Der Zins Ab 1972 gab es für junge Eheleute den zinslosen Ehekredit über 5.000 Mark. (Später, ab 1986, wurde er sogar auf 7.000 Mark erhöht).

Zinsen: 0 %. Kein Haken, kein Kleingedrucktes.

Laufzeit: Man hatte 8 Jahre Zeit, das abzustottern – in winzigen monatlichen Raten.

  1. Die Voraussetzungen: Wie kam man ran? Der Aufwand war im Vergleich zu heute ein Witz.

Man musste jung sein (beide Ehepartner nicht älter als 26 Jahre bei Eheschließung, später wurde die Grenze auf 30 Jahre angehoben).

Es musste die erste Ehe sein.

Man ging zur Sparkasse, legte die Eheurkunde vor, füllte ein Formular aus und bekam meist keine Barauszahlung, sondern Schecks. Damit ging’s dann ins Möbelhaus, um sich endlich die Schrankwand oder das Schlafzimmer zu leisten.

  1. Das magische Wort: „Abkindern“ Das war der eigentliche Clou. Natürlich wollte der Staat die Geburtenrate steigern, aber für uns hieß das vor allem: Schuldenfrei durch Familienglück. Der Deal war simpel:

  2. Kind: 1.000 Mark Erlass.

  3. Kind: Weitere 1.500 Mark Erlass.

  4. Kind: Weitere 2.500 Mark Erlass.

Wer also drei Kinder bekam, hatte den Kredit von 5.000 Mark komplett getilgt, ohne einen Pfennig zurückzuzahlen (außer den Raten, die bis zur Geburt schon liefen, die wurden dann verrechnet). Bei 7.000 Mark blieb nur ein kleiner Rest.

  1. Das Rundum-Sorglos-Paket nach der Geburt Aber der Ehekredit war ja nur der Anfang. Wenn die Kinder dann da waren, ließ einen das System nicht im Regen stehen. Im Gegenteil, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war Staatsdoktrin – natürlich auch, weil der Staat die Arbeitskraft der Frauen brauchte. Aber was bedeutete das für uns?

Die Platzgarantie: Heute fangen Eltern oft schon in der Schwangerschaft an, Klinken zu putzen, um einen Kitaplatz zu ergattern. Bei uns war das eine Selbstverständlichkeit. Vom Krippenplatz (oft schon ab wenigen Monaten) über den Kindergarten bis zum Schulhort – die Betreuung war lückenlos und gesichert, bis die Eltern von der Schicht kamen.

Verpflegung für Kleingeld: Und das Wichtigste: Es kostete fast nichts. Der Platz selbst war quasi umsonst, und das Essensgeld war absolutes Kleingeld. Für ein paar Mark im Monat (oft kaum mehr als 50 Pfennig pro Tag) war das Kind den ganzen Tag satt – Frühstück, warmes Mittagessen, Vesper.

Der Vergleich zu heute: Wenn ich sehe, was junge Familien heute im „Westen“ (und inzwischen ja überall) durchmachen: Kita-Gebühren, die teilweise Hunderte von Euro verschlingen, teures Schulessen von Catering-Firmen, die ständige Sorge um Schließzeiten und Ferienbetreuung. Diese existenzielle Unsicherheit kannten wir einfach nicht. Unsere Kinder waren versorgt, ohne dass es den Geldbeutel sprengte.

Fazit: Der Ehekredit und das Betreuungssystem waren wahrscheinlich die effektivste Familienförderung, die es je auf deutschem Boden gab. Es ging nicht darum, Kinder wegen des Geldes zu bekommen – aber es war ein verdammt gutes Gefühl, Kinder zu bekommen, ohne Angst vor der finanziellen Zukunft oder der Betreuungslücke haben zu müssen. Man fühlte sich unterstützt, nicht alleingelassen.

Wer von euch hat ihn damals auch in Anspruch genommen und erfolgreich „abgekindert“? 😉

Ein kleiner Hinweis: Diese Bilder sind fast ausschließlich KI-generiert und haben reinen Symbolcharakter – nicht mehr und nicht weniger. Wenn hier Fahnen oder Wappen auftauchen, dann als nostalgisches Augenzwinkern und keinesfalls als politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groß geworden sind. 😉

Apropos: Findest du das DDR-Wappen auch in diesem Bild?

Du willst mehr solcher Rückblicke? Dann bleib hier. DDR 2.0 – wie es war, wie es hätte sein können und warum wir heute noch darüber lachen.

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Lieber Holger - ich finde nicht nur kein Wappen, sondern nicht mal ein Bild ;-))

An den Ehekredit erinnere ich mich, auch an das andere Gedöns, das als junges Paar oder junge Familie einfacher war: Wohnung bekommen, Stillgeld, Wiegegeld,... Sicher alles Errungenschaften, sicher alles Sicherheit.

Mich hat es abgeschreckt, Kinder zu bekommen; die Kontrolle der privatesten Entscheidungen hätte ich nicht zugelassen. Heiraten wäre sowieso nicht in Frage gekommen...

Fakt ist: in der DDR wäre ich nicht Mutter geworden. Nach der Wende habe ich die Gelegenheit genutzt. Es begann aber damals schon, wieder in Richtung Reglementierung und Überwachung zu kippen. Heute bliebe ich wiederum kinderlos...