Das perfekte Spiegelbild #2

in Tron Fan Club4 days ago

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Jeden Morgen passierte dasselbe.
Ich stand auf, ging ins Badezimmer und lächelte meinem Spiegelbild zu.
Es lächelte zurück – nur eine Sekunde zu spät.

Heute war alles perfekt. Der Kaffee schmeckte genau richtig. Der Verkehr war wie ausgestorben.
Meine Kollegen lachten über jeden meiner Witze. Sogar meine Ex schrieb mir: „Ich vermisse dich.“
Auf dem Heimweg fühlte ich mich unbesiegbar. Im Aufzug schaute ich in die verspiegelte Wand und grinste breit.
Diesmal grinste mein Spiegelbild sofort zurück.
„Heute war ein guter Tag, oder?“, sagte ich laut.
Das Spiegelbild nickte und antwortete leise:
„Ja. Der beste bisher.“
Ich stutzte. Meine Lippen hatten sich nicht bewegt.

Zu Hause angekommen, stellte ich mich direkt vor den großen Flurspiegel.
Ich hob die Hand. Das Spiegelbild hob die Hand – aber mit der falschen.
„Was zum Teufel…“, flüsterte ich.
Das Spiegelbild lächelte sanft und schüttelte den Kopf.
„Du verstehst es immer noch nicht“, sagte es mit meiner Stimme. „Ich bin nicht dein Spiegelbild. Du bist meins.“
Ich lachte nervös. „Sehr witzig.“
„Erinnerst du dich an den Unfall vor drei Monaten?“, fragte es ruhig. „Der, bei dem du gestorben bist?“
Mein Herz setzte aus.
„Ich lebe seitdem dein Leben weiter“, fuhr das Spiegelbild fort. „Jeden Tag ein bisschen besser. Damit niemand merkt, dass der echte du weg ist.“
Ich trat einen Schritt zurück. Das Spiegelbild blieb stehen.
„Und heute…“, es lächelte fast zärtlich, „heute war der Tag, an dem ich beschlossen habe, dass ich dich nicht mehr brauche.“

Plötzlich spürte ich, wie meine Beine schwer wurden. Meine Hände begannen zu verschwimmen.
Das Letzte, was ich sah, war mein eigenes Gesicht im Spiegel – wie es sich umdrehte und aus dem Spiegel heraus in mein Wohnzimmer trat.
Es schloss die Tür hinter sich.

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