Onsen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen 👹🍣🎎 Mein Japan
Ich muss zugeben, als ich das erste Mal nach Japan kam und meine erste Reise durch das Land der aufgehenden Sonne machte, konnte ich mit den hier Onsen genannten Thermalbädern noch nicht ganz so viel anfangen. Mein Besuch hier war eher zufällig geschehen und auf der Rückreise von einer viel größere Reise, und so ganz wusste ich damals noch nicht, was mich hier im Fernen Osten erwarten würde.
Klar hatte ich mich ein wenig vorbereitet und bei meinen Recherchen auch etwas über die japanische Badekultur gelesen. Aber letztendlich interessierten mich dann doch ganz andere Sachen, und meine Hauptanliegen war es nicht wirklich, hier in Japan ein heißes Bad zu nehmen.
Das änderte sich auch nicht so schnell, auch nicht, als ich dann später etwas länger im Lande bleiben durfte. Es waren weiterhin ganz andere Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregten und mit denen ich meine Zeit verbringen wollte.
Aber im Laufe der Zeit hat sich das dann geändert und ich habe die Vorzüge eines Onsenbesuches zu schätzen gelernt. Wahrscheinlich liegt das auch ein wenig am Alter, wo man ein entspannendes warmes Bad viel mehr zu schätzen weiß. Und genau deshalb freue ich mich nun jedes Mal mit, wenn wir bei unseren Reisen eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben, welche auch einen Onsen bietet. Und wenn wir dann da sind, versuche ich wenigstens zwei Mal ein heißes Bad zu nehmen - einfach, weil es die Gelegenheit gerade anbietet, und weil ein Mal ganz klar zu wenig wäre.
Bei unserem letzten Ausflug in die Aizuregion im Westen Fukushimas hatten wir in einer Hotelanlage einen kleinen Bungalow gemietet. Dieser war zwar recht einfach eingerichtet, aber wir konnten das Thermalbad im Hauotgebäude mitnutzen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.
Einmal waren wir dann nach dem Abendessen dort und ich bin dann auch noch mal nach dem Frühstück gegangen. Nicht, weil ich schon wieder schmutzig war, sondern weil ich die Chance einfach noch einmal nutzen wollte.
Und von eben diesem Onsenbesuch ist die heutige Bildergalerie.
Der späte Herbstmorgen war noch recht frisch und es lag noch ein wenig Frühnebel über der Anlage. Aber dieses Bild wirkte auf mich fast magisch und ich fühlte mich großartig, wie ich hier über diese Wiese lief. Die frische kühle Luft hier in den Bergen war einfach herrlich.
Und schon sind wir in der Umkleide zum Onsen, in dem ich fast allein war. Daher war es auch kein Problem ein paar Bilder zu machen.
Hier zieht man sich komplett aus, bevor es dann ins eigentliche Bad geht.
Aber bevor man baden darf, muss man erst noch duschen. Denn eine Regel heißt, keine Schmutz und auch keine Seife ins Wasser. Deshalb wäscht man sich vor dem Baden gründlich, was man nach dem Baden auch noch einmal wiederholen sollte.
Der Onsen hier hatte mehrere Becken und auch eine Sauna, und es gab auch einen Außenbereich. Hier sehen wir links einen kleinen Whirlpool, was in Japan dann aber doch ein wenig ungewöhnlich ist. Das Wasser hier war auch nicht ganz so warm, so daß ich nich all zu lang hier drin geblieben bin.
Dann lieber in dem großen Becken, was knapp 40 Grad Wassertemperatur hat. Das mag recht hoch klingen, aber es ist nach einer ganz kurzen Eingewöhnungsphase dann doch super angenehm.
Draußen ist es meist noch besser, vor allem im Winter. Im heißen Wasser liegend, und den Kopf draußen in der kalten Luft - ein wunderbares Gefühl, das wohl fast jeder Japander bestätigen kann.
Insbesondere die Außenanlagen sind oft sehr interessant gestaltet und wirken dabei so typisch japanisch. Und mit der Zeit rückt man dann immer näher an die Quelle heran, aus der das heiße Wasser strömt.
Ein wenig wirkte auch dieser Onsen wie ein kleines Schwimmbad, aber das ist wohl auch funktionsbedingt. Nachts im Dunkeln fällt das meist nicht ganz so auf, und dann ist es natürlich noch gemütlicher.
Aber die Ahornbäume, die in der einen Ecke standen, sorgten mit ihren orange-roten Blättern dann doch für eine ganz tolle Atmosphäre und man konnte die Magie des Herbstes ganz genau fühlen, die uns in den Wochen zuvor so oft bezaubert hatte.
Japanische Gartengestalter schaffen es immer wieder, mit ein paar feinen Detail eine Atmosphäre zu kreieren, die einen sofort fesselt und gar nicht mehr loslassen will. Und gerade im Herbst wirkt diese Atmosphäre noch stärker und intensiver.
Es ist wohl diese Vergänglichkeit, die einen an dieser Jahreszeit so fasziniert, und die auch hier in diesem Onsen ganz deutlich war. Hier an jenem Herbstmorgen, bei diesem heißen Bad, war ich mich klar bewusst, dass dieser intensive Moment zwar wundervoll und sehr entspannend war, aber eben doch auch bald darauf wieder vorbei sein wird. Letztendlich gilt das ja für fast alles, was wir erleben, ist alles doch nur eine Momentaufnahme, an die sich viele später schon gar nicht mehr erinnern können.
Und ich fand diesen Moment hier im heißen Onsen und auch den Anblick mit den vielen kleinen Blättern so wunderbar, sodass ich hier an jenem Spätherbstmorgen gar nicht mehr aus aus dem Wasser raus wollte. Aber für uns ging es ja noch weiter und wir hatten noch ein ganz schönes Programm für den Rest der Tages vor uns.
Und auch wenn es ebend doch auch ein Abschied war, konnte ich ein wenig dieser so herrlichen Stimmung mitnehmen und konservieren. Es sind Erinnerungen wie diese, die ich mir immer wieder gerne ins Bewusstsein zurückhole, und an denen ich mich auch später noch erfreuen kann.
Der nächste Onsenbesuch muss wohl noch ein wenig warten, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn genau so genießen werde, wie mein Bad hier an jenem frühen Morgen. Mal schauen, wie und wo ich das nächste Mal im heißen Wasser liegen und ein wenig träumen werde....

Danke für diesen tollen Beitrag. Ich glaube ich müsste mich vor einem Besuch in Japan erstmal gründlich informieren dass mir nichts entgeht. Schön wäre wenn diese Onsen noch ein grössers Becken hätten indem man ein paar Bahnen schwimmen kann. Bin mir aber sicher, dass es dort auch viele Schwimmbäder gibt, denn die Japaner plantschen gerne. Ich habe gelesen dass es Bordelle in Japan immer in Form von gewissen Badehäusern gibt. Die Männer setzten sich in ein Becken und die Damen waschen sie dann von Kopf bis Fuß (natürlich mit happy end). 😄
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Also Onsen sind auf jeden Fall nicht zum Schwimmen da. Man setzt oder legt sich rein und entspannt sich, und versucht dabei, keinen der noch anwesenden beim Entspannen zu stören ;)
Das mit den Bordellen ist mir bisher entgangen, aber wahrscheinlich gibt es dich heute in den verschiedensten Formen. Da wir dfür jeden was dabei sein!