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RE: Wie ich lernte, den Hashtag zu lieben - Linkes Friendly Fire in Echtzeit

in #deutsch28 days ago

So läuft es doch in sämtlichen Kommentaren und genau das stört mich an rechten Kommentaren, bzw wie sich die Kommentare zu einer Aussage ändern. Es hat also nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit Menschen, die einfach ihren Senf dazu geben der gar nichts mehr mit der Sache zu tun hat. Mich stört sowas und ich habe angefangen solche Kommentare zu hinterfragen, also gleich wieder zurückzuschicken und nachzufragen oder zu schimpfen dass der Kommentar nichts mit dem Thema zu tun hat.
Ich war lange nicht auf X, dort kann man halt auch nicht viel schreiben oder erklären. Es ist
dort wohl gewollt, dass man alles mehr mit Emojis kurz und knapp ausdrückt oder sich mal kurz beteiligt. Ein linker Algorithmus ist das sicher nicht, es sind die Menschen und wie sie reagieren.
LG
(Könnte deine letzten zwei Beiträge wieder nicht öffnen, ich probier's immer wieder Mal)

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Danke für den reflektierten Kommentar – und ja, Menschen spielen immer eine Rolle. Da bin ich bei dir.
Aber genau da würde ich gern einhaken.

Dass Kommentare „abschweifen“, passiert nicht im luftleeren Raum. Formate, Plattformlogiken und soziale Codes begünstigen oder bremsen genau dieses Verhalten. X ist nicht zufällig kurz, zugespitzt und emotional – das erzieht Reaktionen. Emojis, Zuspitzung, Lagerdenken kommen nicht einfach aus den Menschen heraus, sie werden belohnt.

Und hier liegt für mich der Knackpunkt:
Wenn wir alles auf „die Menschen“ schieben, entlasten wir Strukturen. Dann gibt es keinen Anreiz mehr, über Mechanismen zu sprechen, die Debatten systematisch verflachen oder eskalieren lassen.

Dein Ansatz, Off-Topic-Kommentare zu hinterfragen oder zurückzuspielen, ist absolut legitim – aber er bleibt reaktiv. Mich interessiert eher die vorgelagerte Frage:
👉 Warum entstehen diese Kommentarverschiebungen immer wieder nach demselben Muster?
👉 Warum kippen bestimmte Themen schneller als andere?

Das hat eben nicht nur mit „Senf dazugeben“ zu tun, sondern mit Aufmerksamkeitsökonomie, Moral-Signalen und Gruppenzugehörigkeit.

Kurz:
Ich glaube nicht an „links vs. rechts“ als Charakterfrage.
Aber ich glaube sehr wohl an unterschiedliche diskursive Routinen, die gelernt, verstärkt und reproduziert werden.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir uns nicht widersprechen, sondern unterschiedliche Ebenen betrachten.