Wie ich lernte, den Hashtag zu lieben - Linkes Friendly Fire in Echtzeit
Die moralische Selbstzerstörung der Linken in Echtzeit
Manchmal sitzt man abends allein vor dem Rechner.
Keine Musik. Kein Bier. Nur X.
Nur diese digitale Agora, in der jeder zweite Kommentar klingt, als hätte er gerade die Demokratie persönlich gerettet.
Es ist die Stunde der Moral. Die Stunde der Profile mit Regenbogen, Faust, Freiheit.
Und irgendwo dazwischen sitzt man selbst – ruhig, lächelnd, geduldig.
Wie Darth Broder.
Man weiß: Gleich wird es schön.
Alles beginnt harmlos.
„Einem Deutschland, in dem Bas und Klingbeil nichts zu sagen hätten, ginge es besser.“
Ein Satz von Kissler. Kühl. Analytisch. Meinung, keine Forderung.
Man kann widersprechen. Man kann diskutieren. Man kann argumentieren.
Kurz: Man könnte Demokratie machen.
Doch dann betritt Philipp die Bühne.
„Einem Deutschland ohne Nius ginge es besser.“
Das ist kein Argument.
Das ist ein Urteil.
Kein „Ich halte Nius für falsch, weil …“
Kein „Diese Positionen sind problematisch …“
Sondern: weg damit.
Typisch linke Effizienzlogik:
Wenn etwas stört, wird es nicht widerlegt – es wird entfernt.
Wie ein Fleck auf dem moralischen Tischtuch.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Philipp glaubt, er sei auf der Seite der Freiheit.
Freiheit steht ja auch im Profil.
Das ist wichtig.
Denn ohne Freiheit im Profil funktioniert der nächste Akt nicht.
Ich lese das. Ich lächle.
Nicht hämisch. Nicht wütend.
Sondern dieses ruhige, wissende Lächeln eines Menschen, der erkennt:
Die Logik liegt offen. Ungedeckt. Wehrlos.
Ich tue also, was jeder verantwortungsvolle Demokrat tun würde.
Ich nehme Philipp ernst.
Sehr ernst.
Ich antworte:
Und jetzt passiert etwas Wunderschönes.
Zunächst einmal: Ich greife niemanden an.
Ich benutze keine rechten Codes.
Keine Provokationen.
Keine Polemik.
Ich benutze ausschließlich linke Vokabeln.
Linke Moralbegriffe.
Linke Hashtags.
Ich spiele exakt nach dem Script.
Und genau deshalb funktioniert es.
Denn die Meute liest:
Das triggert zuverlässig wie ein Pawlowscher Reflex.
„Ja!“ denken sie.
„Genau!“
„So ist es!“
Und sie liken.
Sie liken viel.
Sie liken enthusiastisch.
Sie liken, als hinge die Demokratie persönlich am Herzchen-Button.
Und hier liegt der eigentliche Kunstgriff.
Mein Satz enthält eine kleine, unscheinbare Formulierung:
„Gut, dass wir ALLE gemeinsam gegen Menschen wie Sie stehen.“
Das klingt nach Gemeinschaft.
Nach Solidarität.
Nach moralischer Überlegenheit.
In Wahrheit ist es nichts anderes als das, was Philipp gefordert hat:
Ausschluss.
Nur diesmal konsequent zu Ende gedacht.
Und plötzlich gilt:
- Weniger Meinungen = mehr Demokratie
- Weniger Medien = mehr Pressefreiheit
- Weniger Stimmen = mehr Pluralitaet
Linke Quantenlogik.
Sie funktioniert nur, solange man nicht hinsieht.
Und siehe:
Die Meute ruft: „Wir sind mehr!“
Und sie merkt nicht, dass sie gerade nicht gegen Nius kämpft.
Nicht gegen die Rechten.
Nicht gegen den äußeren Feind.
Sondern gegen Philipp.
Den eigenen Mann.
Mit jedem Like beschädigen sie seinen Satz.
Mit jedem Herzchen erklären sie seine Forderung für demokratiefeindlich.
Mit jedem Boost sagen sie faktisch:
„Gut, dass wir ALLE gemeinsam gegen Zensur stehen.“
Ups.
Das ist der Moment, in dem man kurz innehält.
Taschentuch.
Lachen.
Noch ein Taschentuch.
Denn nichts ist komischer als eine Moralbewegung, die sich selbst ernst nimmt.
Der Algorithmus liebt das.
Er sieht Konflikt.
Er sieht Engagement.
Er sieht Ironie, auch wenn die Beteiligten sie nicht sehen.
Er verstärkt.
Er verteilt.
Er lehnt sich zurück.
Und irgendwo sitzt ein Mensch vor dem Rechner, fühlt sich ein bisschen wie Darth Broder und denkt:
„Ich habe nichts getan.
Ich habe euch nur eure eigenen Werte gegeben.“
Fazit:
Man muss Linke nicht widerlegen.
Man muss sie nicht provozieren.
Man muss sie nicht einmal kritisieren.
Man muss sie nur unterstützen.
Vollständig.
Wörtlich.
Bis es logisch weh tut.
Denn die süßeste Ironie ist die selbstproduzierte.
Mit Hashtag.
Mit Herzchen.
Und mit dem guten Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen.
Der Algorithmus lacht.
Die Ironie ist süßer als Honig.
Und ich sitze da und denke:
„Man muss sie nicht schlagen.
Man muss sie nur reden lassen.“

So läuft es doch in sämtlichen Kommentaren und genau das stört mich an rechten Kommentaren, bzw wie sich die Kommentare zu einer Aussage ändern. Es hat also nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit Menschen, die einfach ihren Senf dazu geben der gar nichts mehr mit der Sache zu tun hat. Mich stört sowas und ich habe angefangen solche Kommentare zu hinterfragen, also gleich wieder zurückzuschicken und nachzufragen oder zu schimpfen dass der Kommentar nichts mit dem Thema zu tun hat.
Ich war lange nicht auf X, dort kann man halt auch nicht viel schreiben oder erklären. Es ist
dort wohl gewollt, dass man alles mehr mit Emojis kurz und knapp ausdrückt oder sich mal kurz beteiligt. Ein linker Algorithmus ist das sicher nicht, es sind die Menschen und wie sie reagieren.
LG
(Könnte deine letzten zwei Beiträge wieder nicht öffnen, ich probier's immer wieder Mal)
Danke für den reflektierten Kommentar – und ja, Menschen spielen immer eine Rolle. Da bin ich bei dir.
Aber genau da würde ich gern einhaken.
Dass Kommentare „abschweifen“, passiert nicht im luftleeren Raum. Formate, Plattformlogiken und soziale Codes begünstigen oder bremsen genau dieses Verhalten. X ist nicht zufällig kurz, zugespitzt und emotional – das erzieht Reaktionen. Emojis, Zuspitzung, Lagerdenken kommen nicht einfach aus den Menschen heraus, sie werden belohnt.
Und hier liegt für mich der Knackpunkt:
Wenn wir alles auf „die Menschen“ schieben, entlasten wir Strukturen. Dann gibt es keinen Anreiz mehr, über Mechanismen zu sprechen, die Debatten systematisch verflachen oder eskalieren lassen.
Dein Ansatz, Off-Topic-Kommentare zu hinterfragen oder zurückzuspielen, ist absolut legitim – aber er bleibt reaktiv. Mich interessiert eher die vorgelagerte Frage:
👉 Warum entstehen diese Kommentarverschiebungen immer wieder nach demselben Muster?
👉 Warum kippen bestimmte Themen schneller als andere?
Das hat eben nicht nur mit „Senf dazugeben“ zu tun, sondern mit Aufmerksamkeitsökonomie, Moral-Signalen und Gruppenzugehörigkeit.
Kurz:
Ich glaube nicht an „links vs. rechts“ als Charakterfrage.
Aber ich glaube sehr wohl an unterschiedliche diskursive Routinen, die gelernt, verstärkt und reproduziert werden.
Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir uns nicht widersprechen, sondern unterschiedliche Ebenen betrachten.